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Digitaldruck-, Beschriftungs- und Display-Spezialist „riwi“ insolvent – 34 Arbeitsplätze wackeln

„Uns fehlt Luft und Liquidität“

Bückeburg. Der Digitaldruck-, Beschriftungs- und Display-Spezialist „riwi“ hat einen Eigenantrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. 34 Arbeitsplätze am Ziegeleiweg stehen auf der Kippe. Entlassungen drohen nicht, dazu ist das Unternehmen bereits zu ausgedünnt. Bei der Zahlung der Löhne und Gehälter gibt es keine Rückstände, durch das Insolvenzausfallgeld sind die Fortzahlungen bis Ende Februar gesichert. Die Belegschaft wurde am Montagabend über den bevorstehenden Eigenantrag informiert.

veröffentlicht am 03.12.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Stefan Höltershinken bestellt. Der nach der Sichtung der Bücher und ersten Gesprächen mit Geschäftsführer Klaus Friedrich Grubert sagte: „Das Unternehmen ist am Bodensatz angekommen. In den kommenden drei bis vier Wochen wird sich zeigen, ob riwi Marktchancen hat. Lieferanten und Kunden müssen uns die Stange halten.“ Es gebe bereits zwei Interessenten, die über einen Einstieg oder Übernahme des Unternehmens nachdenken.

Wie riwi-Geschäftsführer Klaus Friedrich Grubert und Insolvenzverwalter Stefan Höltershinken im Rahmen eines Pressegesprächs erläuterten, sind die Ursachen für die roten Zahlen in der rasanten Änderung des Digitaldruckmarktes zu suchen. Das große, europaweite Angebot habe das Preisniveau erheblich unter Druck gesetzt. Der klassische Werbekunde, Hauptstandbein bei riwi habe immer mehr an Bedeutung verloren, entsprechend weniger Bedarf habe es gegeben. Marktentwicklungen, auf die riwi 2012 mit einem Strategiewechsel reagierte und sich als Dienstleister und Hersteller beim gewerblichen Endkunden positionierte. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot wurde massiv ausgeweitet, um die Ansprüche der Kunden, zentral einkaufen zu können, zu erfüllen, schilderte der Geschäftsführer.

Nur: Der Erfolg trat nicht wie erhofft ein. Zwar wurden einige Großprojekte an Land gezogen und umgesetzt. Das Wachstum in dem neuen Bereich reichte aber nicht aus, das Wegbrechen der klassischen Kunden zu kompensieren. Auch ein bereits 2013 entwickeltes und umgesetztes Sanierungskonzept mit dem Ausbau des Außendienstes, der Anhebung der Qualität und der Senkung der Kosten griff nicht wie erhofft. Obwohl die Gesellschafter über mehrere Jahre „namhafte sechsstellige Beträge“ in das Unternehmen steckten, so Höltershinken, reichte es Ende 2014 nicht mehr, zumal der November und Dezember die klassischen Monate sind, in denen die Werbebranche nichts ordert. Der Geschäftsführer: „Wir sind auf einem guten Weg, uns fehlt die Luft und die Liquidität.“

Ob riwi überlebt und überhaupt noch Marktchancen hat, wird sich nach Einschätzung des Insolvenzverwalters in den kommenden drei bis vier Wochen entscheiden. „Wenn uns die Lieferanten und Kunden die Stange halten und wie erhofft bestellen, kann es klappen.“ Positive Signale gebe es bereits von den Lieferanten, einer habe sein Interesse an einer Übernahme von riwi signalisiert. Aufträge seien vorhanden, wenn auch dünn. Was aber Kennzeichen dieses Geschäftsbereichs ist, wo Aufträge kurzfristig vergeben und umgesetzt werden müssen. Grubert: „Von hier auf gleich.“

Der Umsatz wird in diesem Jahr rund 2,2 Millionen Euro betragen, 2013 lag er noch 2,44 Millionen Euro, 2012 bei 2,46 Millionen Euro. Zu Glanzzeiten beschäftige das Unternehmen 110 Mitarbeiter. 2012 hatte das Unternehmen am Ziegeleiweg hinter dem Kaufland sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Unter dem Firmennamen Rudolf Prange GmbH & Co. Lacke und Farben KG hatte der Betrieb in der Langen Straße 21 angefangen. Heute zählt „riwi Digitaldruck, Beschriftung, Display“ zu einem hochmodernen, mittelständischen Unternehmen und ist ein vollumfänglicher Digitaldruck-Dienstleister für den sogenannten „point of sale“, also im Verkaufsgeschäft, sowie für den Messe- und Ladenbau.




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