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50 Jahre Jugendfeuerwehr Südhorsten: Die Wecklieder im Zeltlager nerven immer noch

Unter der Treppe gab’s ein Campingklo

Südhorsten (jcp). Dass die Zeiten sich geändert haben, darauf können sich ehemalige und aktuelle Mitglieder der Jugendfeuerwehr Südhorsten einigen. Die Institution feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Feststellungen im Rückblick: Die Kleidung ist wetterfester geworden, das Wecklied im Zeltlager nervt immer noch.

veröffentlicht am 04.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 00:22 Uhr

„Bei uns war das mal ,Da steht ein Pferd auf dem Flur‘“, erinnert sich Thomas Deppmeier, in der Jugendfeuerwehr von 1985 bis 1987. „Aber damals wurde das einfach bestimmt“, sagt der heutige Ortsbrandmeister. Heute gehe es bei der Wahl des Weckliedes demokratisch zu.

„Aber es wird trotzdem jedes Jahr schlimmer“, weiß Robin Strozyk, zweiter stellvertretender Jugendwart. Bruder Tom, 13 Jahre alt und Mitglied der Jugendfeuerwehr, erzählt nicht ohne ein gewisses Grausen in der Stimme: „Letztes Mal war es ‚Barbie Girl‘.“

Das Wecklied bleibt also schwer zu ertragen. Was sich ebenfalls nicht geändert hat: Im Zeltlager schmecken Nudeln und Gulasch. „Was sich halt relativ problemlos in großen Mengen kochen lässt“, erklärt Bernd Kording. Er trat 1981 in die Jugendfeuerwehr ein und wechselte 1985 zu den Aktiven.

Kording zählt aber auch Dinge auf, die definitiv nicht mehr so laufen wie früher. Zu „seiner Zeit“ etwa trugen Nachwuchsbrandschützer die „Kombi“, eine Art dünnen Latzanzug. „Da pfiff der Wind im Herbst ganz schön durch.“ Kein Vergleich zur heutigen Ausrüstung, zu der unter anderem eine Wasser abweisende Jacke mit aufstellbarem Kragen gegen den Wind gehört.

Und erst die Möglichkeiten während der kalten Jahreszeit: Im brandneuen Feuerwehrgerätehaus in der Birkenallee schauen die Jugendwarte Felix Pörtner, Eva Deventer und Robin Strozyk mit ihren Schützlingen DVD-Filme, die per Projektor an die Wand geworfen werden. Dazu gibt’s Pizza.

Ortsbrandmeister Deppmeier und Altersgenosse Kording können da im Gespräch mit heutigen Jungfeuerwehrleuten wie Bjarne Deppmeier oder Markus und Melissa Kording nur den Kopf schütteln: „Ach, das gab’s nicht, Mensch, das gab’s doch alles nicht.“ Deppmeier: „Im alten Feuerwehrhaus in der Dorfstraße hatten wir einen kleinen Sitzungsraum, von dem eine Dachschräge noch mal etwas abgetrennt hat. Da standen ein Tisch und acht Stühle drin. Und unter der Treppe gab’s ein Campingklo.“

Das Freizeitangebot „Feuerwehr“ stecke heute in einem härteren Konkurrenzkampf als vor 20 oder 30 Jahren, sagt Kording. Da sei es oft zum Schwimmen gegangen, und nicht mit Bus oder Auto bequem quer durch den Landkreis – und darüber hinaus. Mit dem Fortschritt sind wohl auch die Ansprüche gestiegen. So wurde der sportliche Anspruch der Feuerwehrwettbewerbe zurückgeschraubt, um möglichst wenige zu „verschrecken“.

„Wir sind noch 1200 Meter gelaufen“, erzählt Kording. „Heute sind es 400.“ Dafür sei vieles inzwischen effizienter geworden, straffer organisiert. „Zeltlager sind auf gemähten Plätzen und nicht auf Wiesen, von denen man erst noch selbst die Kuhfladen schippen muss“, sagt Ortsbrandmeister Deppmeier lachend.

Eine weitere Konstante außer Gulasch und nervtötenden Weckliedern bleibt der Wunsch, später einmal „großer“, also aktiver Feuerwehrmann zu werden – geweckt durch die Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr.

Das war nach eigenem Bekunden bei Kording und Deppmeier so – und da pflichten auch Melissa, Bjarne, Tom und Markus bei.




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