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Charakter wird erhalten: Eine der ältesten Kleinenbremer Hofstellen soll saniert werden / 1856 Tatort eines Mordes

Unternehmer zieht ein – Zukunft des Spiershofes gesichert

Kleinenbremen (ly). Die Gerüchteküche brodelte. Kommt es auf dem Kleinenbremer Spiershof zum Kahlschlag? Werden alle Gebäude abgerissen? Entsteht Gewerbe? Nichts von alledem.

veröffentlicht am 06.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 02:21 Uhr

Der künftige Eigentümer, Geschäftsführer eines bekannten Portaner Unternehmens, will den Charakter des Hofes in der Dorfmitte erhalten, wie er versichert. „Wir haben vor, das Bauernhaus zu sanieren“, fügt seine Frau hinzu. Auch die Scheune bleibe erhalten. An diese Scheune soll „ein 100-Quadratmeter-Häuschen“ gebaut werden, so der Geschäftsführer, der ebenso wie seine Frau „auf einem Dorf groß geworden“ ist. „Wir wollen deshalb nicht anonym in der Stadt leben.“

Das Paar sieht die Immobilie vielmehr als „einen Teil des Dorfmittelpunktes“, will „mittendrin“ sein und sich „am Dorfleben beteiligen“. Im Bezirksausschuss haben die Bald-Kleinenbremer, die noch in Bad Oeynhausen leben, kürzlich über ihr Vorhaben berichtet, „um der Gerüchteküche Einhalt zu gebieten“, so Vorsitzender Friedrich Vogt.

In Kleinenbremen hat die Ankündigung zur Zukunft des Anwesens, das auch als Watermannshof bekannt ist, für Erleichterung gesorgt. Historisch gilt der seit einigen Jahren leerstehende Spiershof, gelegen an der Kleinenbremer Straße in unmittelbarer Nähe zur Kirche, nämlich als bedeutsam.

„Er ist etwa so alt wie Kleinenbremen und eine der ältesten Hofstellen, auch wenn die erste urkundliche Erwähnung aus Kirchenbüchern von 1558 datiert“, erklärt Walter Caselitz, Vorsitzender des Heimatvereins. Zur Erinnerung: Kleinenbremen ist 828 Jahre alt. In „Der Hof am Brink“, einer im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) spielenden Erzählung der 1956 gestorbenen Bückeburger Dichterin Lulu von Strauß und Torney, wird der Spiershof mehrfach erwähnt, ist jedoch nicht der Namensgeber des Buches.

Zu trauriger Bekanntheit kam er 1856, denn in der Nacht zum Pfingstsonntag geschah dort ein Mord. Der damals 33-jährige Kleinenbremer Friedrich Tebbe hatte Johann Heinrich Spier (32) erdrosselt, seinen Stiefsohn. Nach einem Aufsehen erregenden Indizienprozess vor dem Schwurgericht in Herford starb der Mörder, der auf dem Hof eingeheiratet hatte und zeitweise Knecht war, am 9. Januar 1858 unter dem Beil des Herforder Scharfrichters. Als Motiv galt Habgier. Johann Heinrich Spier sollte den Hof an seinem 33. Geburtstag übernehmen. Dies war der Wille des verstorbenen leiblichen Vaters.

Zuletzt lebte auf dem Hof die alleinstehende Minna Spier. Von den neuen Eigentümern wünscht sich Walter Caselitz „Bauten, die zum Dorfbild passen“. Das heutige Wohnhaus soll um 1920 entstanden sein, die Scheune in den 1960er-Jahren, nachdem das alte Gebäude während einer Serie von Brandstiftungen in Flammen aufgegangen war. Abgerissen wurde später die Leibzucht, das jeweilige Altenteil für die ältere Generation. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Flüchtlinge auf dem Hof eine Bleibe. Und auch an eine Heißmangel können sich viele Kleinenbremer noch erinnern.




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