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Kein schneller Fahndungserfolg im Fall der Vergewaltigung einer Soldatin in der Jägerkaserne

Verdächtigter ist wieder auf freiem Fuß

Bückeburg. Die Hoffnungen auf einen schnellen Ermittlungserfolg im Fall der Vergewaltigung einer jungen Soldatin in der Jägerkaserne haben sich zerschlagen. Nach der Vernehmung musste am Mittwochabend ein ins Visier der Fahnder geratener Mann, ein Zivilangestellter, wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil sich nichts Belastbares ergeben hatte. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bückeburg, Klaus-Jochen Schmidt: „Wir hätten uns einen schnellen Erfolg gewünscht.“

veröffentlicht am 16.08.2012 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:41 Uhr

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Die Ermittler arbeiten mit Hochdruck weiter an der Aufklärung des Falls, der für bundesweites Aufsehen sorgt. Es wurde eine Ermittlungsgruppe aus fünf Polizeibeamten der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg gebildet, die umgehend ihre Arbeit aufnahm. Außerdem wurden mehrere Staatsanwälte abgestellt, wie die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung ausführte. Die ansonsten in fünf dürren Zeilen nur bestätigte, dass nach dem derzeitigen Ermittlungsstand eine Bundeswehrangehörige Opfer einer Sexualstraftat in der Jägerkaserne geworden ist: „Aus ermittlungstaktischen Gründen können zurzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden.“ Das Opfer wurde kriminaltechnisch untersucht, Ergebnisse liegen noch nicht vor, so unsere weiterführenden Informationen.

Wie berichtet war die Soldatin im Dienstrang eines Unteroffiziers am Sonntagabend zwischen 18.30 und 19.30 Uhr im Block A der Jägerkaserne in einer Unterkunft vergewaltigt worden. Anschließend fesselte und knebelte der Täter das Opfer und sperrte sie in einen Spind. Dann flüchtete er. Entdeckt worden sei die Soldatin von einem Kameraden, hieß es gestern. Welche Rolle dabei ein Handy spielt, das der Täter dem Opfer mit in den Spind gegeben haben soll, ist unklar.

Wie der Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule und General der Heeresflieger, Brigadegeneral Reiner Wolski, gegenüber unserer Zeitung sagte, seien er und die Kameraden betroffen und geschockt. Einzelheiten zu den internen Ermittlungen könne er aber nicht nennen. „Wir bedauern die Tat auf das Äußerste und unterstützen die Ermittlungen in vollem Umfang.“ Die Soldatin befinde sich in psychologischer Betreuung und erhalte die „volle Unterstützung“ der Bundeswehr.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages hat den Vorfall gemeldet bekommen. Ob es eine weitere Überprüfung gebe, sei aber noch unklar, sagte sein Sprecher. Zunächst müssten Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln. Der Sprecher: „Eine so schwere Straftat wie in Bückeburg hat es nach unseren Erkenntnissen schon sehr lange nicht mehr gegeben.“ Ein solcher Vorfall sei jedoch sehr ungewöhnlich. Im Jahresbericht des Wehrbeauftragten für das Jahr 2011 heißt es lediglich, dass „frauenfeindliches Verhalten, entsprechende Bemerkungen durch Kameraden oder Vorgesetzte oder sexuelle Belästigung vereinzelt berichtet“ worden sei. Auch die Feldjäger sind in den Fall eingeschaltet, sagte ein Sprecher des Heeresamtes in Köln, der vorgesetzten Dienststelle der Waffenschule.

Nach Informationen unserer Zeitung gibt es mehr Personen, die die Jägerkaserne betreten dürfen, als die rund 300 dort arbeitenden Soldaten und Zivilangestellten. Zum Teil haben demnach auch Soldaten der im Bückeburger Ortsteil Achum auf dem dortigen Flugplatz stationierten Soldaten und Zivilangestellte Zugangsberechtigungen zur Jägerkaserne. Dazu kommen noch ehemalige Soldaten, denen teilweise noch der Zugang in nicht sicherheitsrelevante Bereiche eingeräumt wird. Dennoch habe man einen relativ eingeschränkten Kreis von Personen, die als Täter in Betracht kommen, hieß es – wenn nicht doch jemand unbefugt auf das Kasernengelände eindringen konnte, was der Pressesprecher der Staatsanwalt nicht ausgeschlossen hatte. Allerdings hätte dann jemand am helllichten Tag über den Zaun steigen oder durch Vorgärten gehen müssen – und dass auch noch an viel befahrenen Straßen, wurde spekuliert. Die Kaserne liegt mitten in der Innenstadt. Insgesamt arbeiten an der Heeresfliegerwaffenschule knapp 1600 Soldaten und Zivilangestellte.

Seit 2001 dürfen Frauen in der Bundeswehr Dienst leisten. Rund 18 000 sind es derzeit. Seit 2001 hat es keinen ähnlich gelagerten Fall bei der Bundeswehr gegeben.

Die Jägerkaserne und die Staatsanwaltschaft Bückeburg standen gestern nach unserem Exklusivbericht, mit dem wir sehr oft zitiert wurden, im Blickpunkt des bundesweiten Medien-Interesses. Mehrere Kamera-Teams drehten vor Ort. Vor der Kamera oder den Mikrofonen der Radiosender wollte sich aber so gut wie keiner äußern.




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