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Vor Gericht: Süchtiger Dealer kassiert Freiheitsstrafe und muss nach 30 Jahren erstmals zur Therapie

"Veteran der Schaumburger Drogenszene"

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Mit Drogen kennt er sich aus. "Ich könnte mehr erzählen als ein Wissenschaftler", sagt ein Obernkirchener. Schließlich hat der 50-Jährige Rauschgift "30 Jahre an mir selbst ausprobiert" und ist irgendwie "auch ein Professor". Richter Dr. Dirk von Behren sieht in ihm eher "einen Veteranen der Schaumburger Drogenszene". Nur von einem Bereich hat der "Professor" trotz jahrzehntelanger Abhängigkeit von Haschisch und Heroin keine Ahnung: "Ich war noch nie in Therapie."

veröffentlicht am 03.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

Dem Manne kann geholfen werden. Nach einer rechtskräftigen Entscheidung des Bückeburger Schöffengerichts, dessen Vorsitzender von Behren ist, hat sich der 50-Jährige "unverzüglich" einer stationären Drogentherapie zu unterziehen, die voraussichtlich zwischen sechs Wochen und drei Monaten dauern wird. "Wird Zeit", meinte der Richter. Die Therapie ist eine der Bewährungsauflagen zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe. Außerdem muss der Angeklagte 50 Stunden gemeinnützig arbeiten. Der Schuldspruch: Handel mit Betäubungsmitteln in sieben Fällen. Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren dürfen nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Vor dem Gefängnis hat den Obernkirchener wohl nur dessen umfassendes Geständnis bewahrt. Leugnen wäre aber auch zwecklos gewesen, denn bei einer Durchsuchung der Wohnung in der Bergstadt waren im Juni vergangenen Jahres fast 180 Gramm Cannabis gefunden worden, so genannte "weiche" Drogen also. Wegen der großen Menge handelte es sich dennoch um ein Verbrechen. Als Vergehen eingestuft wurden sechs weitere Taten. Einem Abnehmer hatte der "Veteran" jeweils drei bis vier Gramm Haschisch im Wert zwischen 15 und 20 Euro gekauft. Die Einnahmen, so der Angeklagte, seien für die eigene Sucht verwandt worden. "Ich habe kein Geld", erklärte er. "Da können Sie mein Konto überprüfen." Mit Therapien kennt der 50-Jährige sich nicht aus, gerichtserfahren jedoch ist er. Im Vorstrafenregister des Kleinkriminellen stehen weit mehr als ein Dutzend Eintragungen, darunter zum überwiegenden Teil Delikte, die direkt oder indirekt mit Rauschgift zusammenhängen. Begonnen hat die Drogensucht des Obernkircheners "in der Hippie-Zeit, man ist da so reingerutscht", wie der Angeklagte erzählte, der sich selbst als "Nachkömmling der 68er" bezeichnet. Ja, die alten Zeiten. Woodstock, Frieden, freie Liebe, Haare bis zur Hüfte und zum Naschen immer Haschisch in den Taschen. Vorbei, aus und vorbei! "Mein Mandant weiß, welche Stunde geschlagen hat", versicherte Verteidiger Stephan Schuster.




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