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Nach dem Badeverbot am Gevattersee: Polizei geht Streife und spricht Verwarnungen aus

Viele Hitze-Flüchtlinge riskieren eine Anzeige

Evesen (mig). Während im ganzen Land der Super-Sommer anhält, hat Bückeburg mit dem Gevattersee seine einzige nah gelegene Möglichkeit zur Abkühlung verloren. Das Gewässer ist für den Badebetrieb gesperrt worden. Die vielen Hitze-Flüchtlinge, die sich dort dennoch aufhalten, bewegen sich am Rande einer Anzeige.

veröffentlicht am 21.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 08:41 Uhr

Zugeparkte Wege, Müllberge und laute Feiern in den Abendstunden – all’ das sollte mit dem Verbot ein für alle Mal der Vergangenheit angehören. Die Fürstliche Hofkammer ließ in enger Abstimmung mit Stadt und Landkreis Schilder aufstellen, zusätzlich wurde die neue Situation über regionale Medien verlautbart. Geändert hat sich seither nur wenig. Vor allem an den Wochenenden kommen die Badegäste in Scharen. Vielen ist die Regelung – angeblich – noch nicht bekannt. Etwa Heinrich M., der mit seiner Familie sogar aus einem Dorf hinter Minden angereist ist. „Dass das Baden hier inzwischen verboten ist, wussten wir nicht. Als wir es dann hier auf den Schildern gelesen haben, wollten wir aber nicht mehr zurückfahren.“ Zudem seien ja auch andere Badegäste hier, „wir sind also nicht die Einzigen.“

Dass am Gevattersee Schwimmen, Zelten und Grillen untersagt sind, kann M. aber, zumindest teilweise, nachvollziehen. „Vor allem bei den Feiern am Abend ist wohl viel Müll zurück gelassen worden, vielleicht hätte es deshalb gereicht, das Grillen zu verbieten.“ Ob man damit dem Problem von Schlägereien und Vandalismus (Abknicken der Äste für Lagerfeuer) einen Riegel hätte vorschieben können? „Ja sicher“, meint zumindest der 18-jährige Jan L. aus Bückeburg. L. ist – wie viele andere auch – mit dem Auto gekommen und liegt mit seiner Clique und einigen leeren Bierflaschen eine Handtuchbreite entfernt. „Wir haben hier auch einmal abends gefeiert, dann aber unseren Müll mitgenommen“, meint er. „Vor allem uns Jugendlichen gegenüber ist das Verbot unfair. Keiner von uns hat genug Geld, jeden Tag ins Bad zu gehen, außerdem ist es dort immer überfüllt.“

Eine Argumentation, die bei Ulrich Kaupmann von der Polizei in Bückeburg nicht verfängt: „Wir bestreiten das Gebiet, und in Einzelfällen gab es auch schon eine Anzeige. In dieser frühen Phase werden die Leute aber gewöhnlich erst einmal nur verwarnt“, erklärt der Pressesprecher. Das Verbot werde „sehr ernst genommen“, „darauf sollten sich die Leute einstellen“.

Probleme haben die Ordnungshüter auch in den umliegenden Freibädern ausgemacht. Dort wurden vermehrt nächtliche Schwimmer gesichtet. In einem Fall konnte ein heimisches Bad – aufgrund von Vermüllung – erst zwei Stunden später öffnen. Kaupmann: „Wer abends über einen Schwimmbad-Zaun steigt, der begeht Hausfriedensbruch. Außerdem kommt es oft zu weiteren Delikten wie Sachbeschädigung.“

Ebenfalls wieder aktuell scheint das sogenannte „Brückenspringen“ am Kanal zu sein. Das sei sehr gefährlich, warnt ein Vertreter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden: „Erst vor einigen Tagen hat es im Ruhrgebiet einen Fall gegeben, wo Leute ins Wasser gesaugt wurden und ertranken, obwohl sie nur am Ufer eines Kanals standen.“




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