weather-image
29°
Fast zwei Jahrhunderte stand sie in Bückeburg-Röcke

Vieles erinnert noch an die alte Klause

BÜCKEBURG/NAMMEN.Die Vorgängerkapelle der heutigen Nammer St. Laurentius-Kapelle, die nach der Überlieferung knapp zwei Jahrhunderte auf Röcker Gebiet gestanden hat und dann weitere fast zwei Jahrhunderte den Nammern als Gotteshaus diente, gab dem westlichen Röcke seinen Namen. Kapelle – Klause – oder altdeutsch Klus.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 11:34 Uhr

Autor:

Kurt Römming
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Klus. Ein Name der von altersher den Bereich im Grenzdreieck zwischen dem schaumburg-lippischen Röcke und den im Westfälischen gelegenen Dörfern Meißen und Nammen bezeichnet. Der Portaner Ortsteil Bad Nammen und der Bückeburger Ortsteil Röcke-Klus sind durch den „Grenzgraben“ getrennt, der sich durch das Nammer Holz schlängelt und später in die Aue mündet. Sein Fließbett liegt im westlichen Bereich, zur Grenze nach Meißen hin, nur wenige Meter neben der Rintelner Straße. Hier Westfalen, dort Schaumburg-Lippe.

Von einem Einsiedlermönch 1184 nahe dem „Hellweg“, der alten Heerstraße von Osnabrück nach Hannover errichtet, diente die Die Vorgängerkapelle der heutigen Nammer St. Laurentius-Kapelle der durchziehenden „Soldateska“ zur kurzen Einkehr, wohl auch manchem Einheimischen zum Gebet. Der Mönch starb, die Kapelle auf dem sogenannten „Katholikenhügel“ geriet mit der Zeit in Vergessenheit. Die Erhebung ist im Walde, nördlich des Klusbrinkes, noch immer erkennbar.

Um 1350 sollen die Nammer den Fachwerkbau nach der Überlieferung abgebrochen und in ihrer Dorfmitte neu aufgebaut haben. 1523 errichtete man an ihrer Stelle, sie war wohl zu klein oder baufällig geworden, die heutige Kapelle. Auch sie wurde – bereits in den Jahren der Reformation – dem heiligen St. Laurentius geweiht, einem Märtyrer der ersten Christenheit im alten Rom.

Die Erinnerung an die alte Röcker Kapelle blieb erhalten. Abgeleitet vom Namen Klause, was Kapelle bedeutet, war im altdeutschen Sprachgebrauch der Name „Klus“ üblich. So bezeichnete man danach den Röcker Ortsteil und auch die Durchgangsstraße, die frühere B 65. Weiterführend, nach Meißen hinein bis zum Notthorn, übernahm man den Straßennamen, im Westfälischen allerdings mit „C“ geschrieben.

Etwa in Höhe des alten Kapellen-Standortes, direkt südlich am alten Heerweg gelegen, stand bis vor etwa fünfzig Jahren die „dicke Eiche“, auch „Lauseeiche“ genannt. Nach der Überlieferung soll sie seit dem 9. Jahrhundert gewachsen und über 1000 Jahre alt geworden sein. Sie war für die Geschichtslehrer einmal beliebtes Ausflugsziel von Klassenausflügen. Angelehnt, die Arme ausgespannt, waren acht Kinder erforderlich, um ihren Stammumfang einzufangen. Nachdem bereits Jahre vorher ein großer Teil der Krone abgebrochen war, stürzte der Eichenstamm, den man im Inneren bereits mit Mörtel stabilisiert hatte, in den sechziger Jahren vollends in sich zusammen.

Nicht weit vom Standort der alten Kapelle, direkt an der Landesgrenze, war die Zollstation des selbständigen Schaumburg-Lippe am Postweg von Minden nach Rinteln. Das zweite Mal durch den Zoll mussten die „eingereisten“ Westfalen knapp einen Kilometer weiter an der „Sandfurth“, nahe des heutigen Nammer Sportplatzes „Am Walde“. Dieses Ärgernis hat sich erst um 1830 erledigt, als von Meißen aus die Rintelner Chaussee „im Westfälischen“ durch das Nammer Holz gebaut wurde.

Nahe der Zollstation Klus gab es – wie allgemein üblich – einen Ausspann. Hier konnten die Pferde versorgt werden. Der Kutscher genehmigte sich ein paar „kühle Blonde“, bevor er wieder anspannte, manchmal in der Gastwirtschaft auch Logis bezog. Aus dem ehemaligen Ausspann ist bereits vor Generationen das renommierte Hotel „Große Klus“ geworden. Auch sein Name geht auf die Kapelle von 1184 zurück, schließt den Kreis und hält weithin die Erinnerung an die alte Klus oder Klause wach.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare