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The Toughest Tenors begeistern – und sorgen für einen restlos ausverkauften Saal im Landesarchiv auf Schloss Bückeburg

Virtuos, vielseitig, mitreißend

BÜCKEBURG. Die Veranstaltungsreihe „Schaumburger Künstler musizieren in Schaumburg“ hat mit dem Auftritt der Formation The Toughest Tenors einen echten Publikumshit erhalten. So groß war der Andrang auf das restlos ausverkaufte Gastspiel des Quintetts im Niedersächsischen Landesarchiv auf Schloss Bückeburg, dass Veranstalter Hans-Dieter Rofalski gar keine andere Wahl hatte, als weitere potenzielle Besucher gleich pulkweise und mit höchstem Bedauern wieder nach Hause zu schicken – sie hätten definitiv nicht mehr in den Saal gepasst.

veröffentlicht am 16.04.2018 um 12:59 Uhr
aktualisiert am 16.04.2018 um 18:30 Uhr

Vollblut-Jazzer: Patrick Braun (li.) und Bernd Suchland liefern sich eine „Saxophone-Battle“. Am Kontrabass: Sidney Werner. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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Seinen Dank entrichtete Rofalski, der im April 2016 die Reihe dieser musikalischen Heimspiele für aus Schaumburg stammende und mittlerweile auswärts erfolgreiche Künstler ins Leben rief, an die Sponsoren der Schaumburger Landschaft, die Sparkasse Schaumburg und die Stadtwerke Schaumburg-Lippe sowie insbesondere an den Kulturverein Bückeburg als Kooperationspartner, über den besonders viele Karten für dieses Konzert abgesetzt worden waren.

Dieses fünfte Konzert der Reihe „Schaumburger Künstler musizieren in Schaumburg“ brachte im Landesarchiv mit Bernd Suchland und Patrick Braun zwei Musiker auf die Bühne, die zwar in heimischen Gefilden aufwuchsen, sich aber erst sehr viel später kennenlernten und zu einer gemeinsamen Formation zusammenschlossen. Bandgründer Bernd Suchland, seit Jahren in Berlin ansässiger Spross der in Bückeburg alles andere als unbekannten Familie Suchland, erinnerte in seiner Moderation daran, wie er 1981 als Sechzehnjähriger bekifft in die Musikschule „Schaumburger Märchensänger“ gewankt sei, um sich selbst Deep Purples „Smoke On the Water“ auf dem Saxofon beizubringen. Erst als ihm dann wesentlich später Tenorsaxofonist Patrick Braun über den Weg lief, 1974 geboren, heute einer der gefragtesten Jazz- und Big-Band-Musiker und in diversen Bands und Orchestern musikalisch aktiv, sei ihm klar geworden, „dass ich da mein Repertoire wohl mal ein wenig erweitern muss“. Das Line-up der Toughest Tenors vervollständigen inzwischen Pianist Dan-Robin Matthies, Schlagzeuger Ralf Ruh und – als absoluter Youngster der Band – der Berliner Sidney Werner am Kontrabass.

So ungewöhnlich die Band, so ungewöhnlich auch das Programm. Denn die beiden Vollblut-Virtuosen Patrick Braun und Bernd Suchland, die sich mit Hingabe und unter lang anhaltendem Applaus des Publikums der Tradition der klassischen „Saxophone-Battles“ aus der Nachkriegszeit verschrieben, präsentierten eine Auswahl äußerst populärer Jazz-Komponisten mit umgekehrt sehr selten gespielten, nahezu unbekannten Stücken. „Sachen, die man sonst fast nie zu hören kriegt, ganz nach dem Motto: Einer muss den Job ja machen“, so Bernd Suchland. Komponisten wie der 1922 geborene und 1986 verstorbene Eddie „Lockjaw“ Davis waren dabei, der es vor allem in den 50er-Jahren mit seiner bewussten Autarkie gegenüber Jazz-Modernisten wie Sonny Rollins und John Coltrane zu großer Popularität brachte. Oder Jerome Kern, weltberühmter Musical- und Filmmusik-Komponist, von dem die Toughest Tenors „Why Was I Born“ zu Gehör brachten – „eine Frage, die man sich als Jazz-Musiker öfters mal stellt“, wie Bernd Suchland anmerkte. Dass man es als ebensolcher wirklich nicht immer leicht hat, zeigt die Karriere des Tenorsaxofonisten und Bandleaders Gene Ammons aus Chicago: Der 1925 geborene Sohn des weltberühmten Boogie-Pianisten Albert Ammons verbrachte fast zehn Jahre seines Lebens wegen Drogendelikten im Gefängnis. Sein von den Tou-ghest Tenors gespieltes Stück „Tubby“ ist (sehr wahrscheinlich) dem britischen Jazz-Musiker Tubby Hayes gewidmet, und auch dessen Biografie ist nicht frei von Brüchen.

Absolut nostalgische Gefühle kamen bei „What Is There to Say“ auf, geschrieben 1934 von dem russisch-stämmigen Komponisten Vernon Duke für die Broadway-Revue „Ziegfeld Follies“, was auch perfekt als Filmmusik zu einem romantischen Schwarz-Weiß-Film dieser Epoche gepasst hätte. Beim schmissigen „We Wanna Cook“ von Bennie Green, 1958 verewigt auf dem Album „Soul Stirrin‘“, brachten Suchland, Braun & Co. den Saal ganz dem Titel entsprechend so sehr zum Kochen, dass selbst Schaumburger-Landschaft-Chef Klaus-Henning Lemme nicht anders konnte als begeistert mitzuwippen.


Das nächste Konzert der Reihe „Schaumburger Künstler musizieren in Schaumburg“ steht am 25. August mit dem Auftritt des Posaunisten Hannes Dietrich im Festsaal des Stifts Obernkirchen bevor.

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