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Knallkörper zerfetzt Neunjährigem die Hand / Bethel hilft

"Voll erwischt - der Junge hat mir wirklich leid getan"

Bückeburg (bus). Etwa 45 000 Verletzungen, schätzt eine aktuelle Studie der EU, gehen jedes Jahr auf den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörpern zurück. Viele der Verletzten sind Kinder und Jugendliche. Trotz zahlreicher Vorschriften und Regelungen bringt die Silvesterzeit nach wie vor das überaus größte Gefährdungspotenzial mit sich. Einen Bückeburger Jungen hat es bereits im November erwischt.

veröffentlicht am 30.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:14 Uhr

Selbst relativ kleine Sprengsätze, wie sie Silvesterknaller antr

"Voll erwischt", wie Dr. Michael Schönberger hervorhebt. Den Chefarzt der Abteilung für Hand- und Plastische Chirurgie im Krankenhaus Bethel kann so schnell nichts erschüttern. "Aber dieser Neunjährige hat mir wirklich leid getan", gibt Schönberger zu verstehen. Der Junge hatte einen Knallkörper gezündet und in der Hand behalten. Die Explosion hinterließ heftigste Spuren, unter anderem einen kompletten Ausriss der Beugesehnen am Ring- und Kleinfinger sowie die Zerstörung des Kleinfinger-Endgelenks. Die Auswirkungen des relativ kleinen Sprengsatzes forderten in einer mehrstündigen Operation die ganze Kunst der Bethel-Chirurgen. Dass im OP-Bericht schließlich "problemloser Verlauf" festgehalten werden konnte, bezeichnet Schönberger als "Glück im Unglück". Es hätte wesentlich schlimmer kommen können. Darüber hinaus hatte auch das Krankenhaus ein kleines bisschen Glück. Der Patient entpuppte sich als vorbildlich und hoch interessiert. Und avancierte alsbald zum Liebling der Station. Aktuell präsentiert sich das Explosionsopfer beschwerdefrei. "Womöglich werden wir die eingesetzten Metallimplantate gleich nach dem Jahreswechsel entfernen", kündigt der Mediziner an. Das Europaparlament hat vor dem Hintergrund der großen Verletztenzahl im November neue Sicherheitsstandards für pyrotechnische Produkte beschlossen. Mit dem Ziel, die von Feuerwerkskörpern ausgehenden Gefahren einzudämmen, indem sie europaweit transparent deklariert und die Verkäufe nach Altersgruppen reglementiert werden: Die sichersten Produkte der Kategorie 1 können nach Inkrafttreten an Kinder ab zwölf Jahren verkauft werden, Kategorie 3 nur an Erwachsene und Kategorie 4 nur an Feuerwerkstechniker. In Deutschland empfehlen die zuständigen staatlichen Stellen aktuell, nur Feuerwerkskörper mit einer so genannten BAM-Nummer (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) zu kaufen. Diese Artikel sind geprüft und zugelassen. Aber auch diese geprüften Artikel dürfen weder an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verkauft, noch von ihnen gezündet werden. Was praktisch für alle Sortimente gilt, die in verschlossenen Plastikverpackungen angeboten werden. Weitere Expertentipps: Feuerwerkskörper nur im Freien verwenden. Vor dem Abbrennen die Gebrauchsanweisung lesen und die Gefahrenhinweise beachten. Silvesterkracher nie länger als nötig in der Hand halten. Nach dem Anzünden schnell für ausreichenden Sicherheitsabstand sorgen. "Blindgänger" auf keinen Fall noch einmal anzünden. Raketen mit dem Führungsstab so in Flaschen aufstellen, dass Menschen, Tiere, Gebäude und Fahrzeuge nicht gefährdet werden. Die Windrichtung beachten. Geknallt werden darfübrigens nur am 31. Dezember und am 1. Januar. Auf keinen Fall dürfen Kracher und Raketen in der Nähe von Kirchen und Altersheimen gezündet werden - und schon gar nicht im Umfeld von Kinderheimen und Krankenhäusern.




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