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Rock-Fans kommen im „Minchen“ auf ihre Kosten / Konzert mit „Herman – a tribute to a wild romance“

Voller Einsatz mit dem Elan des Originals Herman Brood

Bückeburg (jp). Es waren alte Bekannte, die da auf der Bühne des „Minchens“ aufspielten, und doch war das Konzert von „Herman – a tribute to a wild romance“ eine Premiere: Als „Nice Guys“ sind Sänger Olaf Schulzik und Gitarrist Achim Serak im ehemaligen Bückeburger Ostbahnhof seit Jahren ebenso heiß geliebte wie unverzichtbare Stammgäste, nicht nur bei den alljährlichen Halloween-Konzerten. Und auch ihre musikalischen Mitstreiter Rüdiger Kirchhoff (Gitarre), Markus Lehmann (Bass), Matthias Tempel (Schlagzeug) sowie die Sängerinnen Tanja Tempel und Steffi Krause sind dort schon lange keine unbeschriebenen Blätter mehr. Doch in dieser Formation waren sie zum ersten Mal auf der Minchen-Bühne zu erleben. Als „Heman – a tribute to a wild romance“ erwiesen sie einer der bemerkenswertesten und skurrilsten Figuren der Rockgeschichte die Ehre: Dem 2001 verstorbenen Niederländer Herman Brood.

veröffentlicht am 01.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 04:21 Uhr

Er galt als einer der Archetypen des Prinzips Rock ’n’ Roll schlechthin: Seit 1976 mischte der 1946 im niederländischen Zwolle geborene Herman Brood, dessen Nachname sich übrigens wie das deutsche „Brot“ und nicht etwa wie das englische „brood“ ausspricht, die europäische Rockszene auf. Vor allem in den 80er Jahren war er mit seiner Band „The Wild Romance“ auf den Live-Bühnen omnipräsent, spielte auf großen Festivals ebenso wie in den kleinsten Clubs, auch in der hiesigen Region wie beispielsweise in Hameln und in Minden, wo er sich als einer der „hardest working men in showbusiness“ zumeist bis zur völligen Erschöpfung verausgabte.

Die Leidenschaft und der Enthusiasmus des dürren, kleinen Niederländers mit dem pechschwarzen, wirren Haarschopf waren ebenso legendär wie seine Alkohol- und Drogeneskapaden: Im Berliner „Quasimodo“ spielte er beispielsweise zu Weihnachten regelmäßig mehrere Stunden am Stück, nur um sich zwischendurch mit vielsagendem Blick für eine „ssärr wiachtigä Pause in die Chardrrroubä“ zu verabschieden. In den neunziger Jahren trat der Rock ’n’ Roller zusätzlich als Maler und Dichter in Erscheinung. Im Jahr 2001 setzte Herman Brood seinem Leben mit einem Sprung vom Dach eines Hotels in Amsterdam ein Ende.

Und wie kam es nun zu der Band, zur Ehre des Rock ’n’ Roll-Derwischs? „Das war eher Zufall“, erinnert sich Sänger Olaf Schulzik. „Als wir 2008 mit den Nice Guys in Lindhorst spielten, ist Matthias Tempel als Schlagzeuger eingesprungen. Und das hat so gut geklappt, dass wir uns vorgenommen haben, mit ihm und einigen anderen Leuten etwas eigenes zu machen.“ Zu dem Projekt stießen Gitarrist Rüdiger Kirchhoff, früher aktiv bei „The Njet“, und Bassist Markus Lehmann von der Band „Perfect Crime“, außerdem Tanja Tempel und Steffi Krause als Sängerinnen. Und warum ausgerechnet Herman Brood? „Wir wollten nicht einfach nur die 78. oder 79. Altherren-Rockband im Kreis sein“, so Olaf Schulzik. „Und seine Musik hat uns überzeugt. Es ist einfach guter, alter, brettiger Rock ’n’ Roll.“

Gespielt haben „Herman – a tribute to a wild romance“ bereits auf der Musikmesse in Bad Eilsen, in Bad Nenndorf sowie im Bunker in Minden. Dabei stehen nicht nur Originalsongs des Niederländers auf den Setlisten. „Auch Herman Brood hat viele Coverversionen gespielt, vor allem bekannte Motown-Sachen und Songs von Marvin Gaye oder Eddie Cochran. Also spielen auch wir viele Sachen, von denen wir wissen, dass Herman sie gespielt hat.“

Und auch wenn Olaf Schulzik rein äußerlich nicht sonderlich viel mit dem echten Herman Brood gemein haben mag: Beim Auftritt im „Minchen“ ließen er und seine musikalischen Mitstreiter wenig von der fiebrigen Wildheit, der Intensität und dem Feuer des Originals vermissen.




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