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Neue Erkenntnisse nach Flugzeugabsturz im Ith

Vom Blitz getroffen?

COPPENBRÜGGE. Drei Monate nach dem tödlichen Flugzeugabsturz auf dem Ith-Kamm bei Coppenbrügge, der seinerzeit die größte Suchaktion in der Geschichte des Landkreises Hameln-Pyrmont ausgelöst hatte (wir berichteten), hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig einen Zwischenbericht erstellt.

veröffentlicht am 13.03.2018 um 17:35 Uhr

Am Absturzort: Flugunfalluntersucher Fritz Kühne (re.) sucht nach Spuren, überwacht die Zerlegung des Wracks. Foto: leo
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Es handelt sich um eine 13-seitige Faktensammlung, die noch keine Analysen und Schlussfolgerungen enthält. Die Unfallursache ist noch unbekannt. „Alles ist möglich“, sagt BFU-Sprecher Germout Freitag. „Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Dennoch: Es gibt Erkenntnisse, die Fragen aufwerfen, auf die nun Antworten gesucht werden. Bereits im Dezember hatte unsrere Zeitung vermeldet, dass an vielen Trümmerteilen Brandspuren zu finden sind. Immer noch ist unklar, ob die im Jahr 2003 gebaute einmotorige Maschine vom Typ Aquila AT 01 bereits während des Fluges oder erst am Boden Feuer gefangen hat. Letzteres sei „zwar extrem unwahrscheinlich, aber dennoch möglich“, sagt Freitag. Ist die Maschine von einem Blitz getroffen worden? Dazu würden die Spuren passen. Die BFU hat ein auf die Dokumentation von Blitzschlägen spezialisiertes Unternehmen mit der Suche nach Blitzen entlang der wahrscheinlichen Flugstrecke und der Zeitspanne zwischen 12 Uhr und 13 Uhr beauftragt. Fakt ist: Es gab zum Unglückszeitpunkt Blitze am Himmel. „Es wurde festgestellt, dass zwischen 12.30 Uhr und 12.39 Uhr mehrere Blitzschläge nordwestlich Hildesheim, zirka 20 Kilometer nordöstlich der Unfallstelle aufgezeichnet worden waren“, schreibt Untersuchungsführer Axel Rokohl in seinem Bericht. Das ist aber noch kein Beweis dafür, dass die Maschine auch von einem Blitz getroffen wurde. Gebrannt hat sie aber, sogar an Stellen, die nicht Feuer fangen sollten. In dem Zwischenbericht vermerkt Rokohl: „Am Wrack lagen Brandspuren bzw. Verbrennungen im Bereich der Tragflächentanks, des Leitwerks, der Innenseite der hinteren Rumpfröhre, am unteren Brandschott und der oberen Motorhaube vor. Zur Brandursachenermittlung wurde das Landeskriminalamt Niedersachsen um Unterstützung gebeten. Der Experte der Brandursachenkommission bestätigte vier Hauptbrandstellen (Leitwerk, beide Tragflächentanks und die elektrische Kraftstoffpumpe am Brandschott). Bemerkenswert war für den Experten das auffällig gleiche Brandschadensbild im Bereich des linken und des rechten Tragflächentanks, das auf eine gleichgeartete Zündungsquelle zur selben Zeit hinweisen könnte. Ebenso bemerkenswert war die Brandentwicklung am Leitwerk des Flugzeugs, da es in diesem Bereich weder elektrische Einbauten noch leicht entflammbares Material gab.“ Eine erklärende Zündquelle oder eine verbindende Zündspur zwischen den Brandstellen hätten sich für den Spezialisten erst einmal nicht ergeben. Nach Informationen unserer Zeitunghat die Bundesstelle inzwischen das Bundeskriminalamt (BKA) eingeschaltet. Es geht um die Frage: Was hat das Feuer ausgelöst? Darauf gibt es noch keine Antwort. Die Experten stehen bislang vor einem Rätsel.




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