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Altbischof Johannesdotter traf den Papst

„Vom Rücktritt nichts zu spüren oder zu erahnen“

Bückeburg/Rom. Altbischof Dr. Jürgen Johannesdotter war gestern Mittag auf dem Weg zum Flugplatz in Rom. Und von dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. – wie die ganze Welt – völlig überrascht. „Es scheint ja zu stimmen“, sagte er. Noch am vergangenen Mittwoch hat er den Papst während einer Audienz getroffen, berichtete der ehemalige Bischof der Schaumburg-Lippischen Landeskirche: „Da war von seinem bevorstehenden Rücktritt nichts zu spüren und nichts zu erahnen.“ Vielmehr habe er den Eindruck gehabt, dass der Papst „gesundheitlich besser dran“ gewesen sei, als bei den Treffen und Audienzen zuvor.

veröffentlicht am 12.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:21 Uhr

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Bis zu zwei Mal jährlich hatte Bischof Johannesdotter den Papst in den vergangenen Jahren getroffen. Grund ist die regelmäßige Teilnahme des Altbischofs an den Treffen der Gemeinschaft Sant‘ Egidio, ein als „Öffentlicher Verein von Gläubigen in der Kirche“ von der römisch-katholischen Kirche anerkannte Geistliche Gemeinschaft – benannt nach dem gleichnamigen ehemaligen Kloster in Rom. Dort war Johannesdotter in den vergangenen Tagen zu Gast, traf sich mit rund 100 Kardinälen und Bischöfen in Rom. Die am vergangenen Mittwoch die Audienz beim Papst hatten. Dort habe Benedikt XVI. „ganz normal gesprochen. Ihm war nichts anzumerken gewesen.“

Noch am Montagmorgen hatte der Alt-Landesbischof an einem Gottesdienst in einer der Hauptkirchen Roms beigewohnt. Zu diesem Zeitpunkt war von dem bevor stehenden Rücktritt des Papstes noch nicht bekannt. Nach Bekanntwerden des Rücktritts berichtet Johannesdotter von „einer überraschten und aufgeregten Stadt“. Überall sei der Rücktritt Thema, sagte Johannesdotter, als er gerade aus seinem Taxi stieg, das ihn zum Flugplatz gebracht hatte. Leider sei er auf Nachrichten von seinem Handy angewiesen. Sein Zimmer – wo er hätte Fernsehen gucken können – hatte er am Morgen geräumt.

Im September 2011 hatte Jürgen Johannesdotter, damals als Bischof für die evangelischen Kommunitäten und Mitautor des Buches „Lieber Bruder in Rom – ein evangelischer Brief an den Papst“, den Papst in Rom besucht und die Gelegenheit gehabt, mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu sprechen. Er konnte berichten, dass auch einige der Kardinäle, die damals den Deutschland-Besuch des Papstes vorbereiteten, das Buch bereits intensiv gelesen hätten. Das Buch enthält 18 Briefe an den Papst von profilierten evangelischen Autoren. Zielpunkt sei „endlich ein Aufbruch in puncto Ökumene jenseits von Kirchendiplomatie und frömmelndem Gepolter“, so die Werbung des herausgebenden Knaur-Verlags.

Lieber Bruder in Rom! Ein evangelischer Brief an den Papst, Dominik Klenk (Hrsg.), Knaur, 2011, 158 Seiten.




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