weather-image
21°
×

Ausverkauft: Mehr als 500 Fans von Achim Reichels Auftritt begeistert

Vom „Star-Club“ in die Wandelhalle

Bad Nenndorf (tes). Ein Mann, ein Publikum, eine Meinung: „Das war spitzenklasse“, schwärmen Anna Koch und ihre Freundinnen aus Hannover, die einige der letzten Karten ergattern hatten. Als nach fast vier Stunden die Wandelhalle lauthals „Aloha Heja He“ schmettert, ist klar, dass Achim Reichel zu Recht mit den Beatles auf der Bühne gestanden hat.

veröffentlicht am 01.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 07:22 Uhr

Doch der Ex-„Rattle“ und Junge aus St. Pauli entpuppt sich auch als Meister der leisen Töne, als Geschichtenerzähler mit Botschaften und Gespür für Poesie. Der Saal ist dunkel, auf der Bühne sitzt er allein mit Gitarre, im Hintergrund Bilder von Erfolgen und Weggefährten. Der Titel der Tournee „Solo mit Euch“ ist wörtlich zu nehmen, denn der Künstler lässt das Publikum mit einem Mix aus Musik und Erzählungen teilhaben an den Stationen seiner Karriere.

Mal melancholisch, mal humorvoll, aber immer authentisch berichtet er von Höhen und Tiefen, dem Auftritt der „Rattles“ als erste deutsche Band im legendären Hamburger „Star-Club“, der Tournee durch England mit höchster Abenteuerstufe an der Seite von Little Richard, den Rolling Stones, den Everly Brothers und weiteren „Normalverrückten“, bis zu seinem Schiffbruch als Gastronom. Ihren Höhepunkt erlebten die Rattles als Vorgruppe der Beatles bei deren einziger Deutschlandtournee. „Dann kam der Bruch: Mit Vollgas gegen die Wand“, so beschreibt er seine Einberufung zur Bundeswehr, die für den Beat-Soldaten das Ende bei den „Rattles“ bedeutete.

Danach gründete er die Band „Wonderland“. Aus dieser Zeit präsentiert er den in der DDR verbotenen Hit „Moscow“, begleitet von den Musikern Barry Sarluis und Pete Sage, die ihn ab dem vierten Stück auf der Bühne verstärken. „Eigentlich wollte ich Seemann werden wie mein Vater und Großvater“, berichtet Reichel. Doch es kam etwas dazwischen: seine erste Liebe – eine Gitarre, eingetauscht für den batteriebetriebenen Plattenspieler, der ihn zum „King am Elbestrand“ gemacht hatte.

Über die vielen Schubladen, in die er von der Presse gesteckt worden sei, kann der als Hans Albers der Rockmusik titulierte Musiker nur schmunzeln. Mit 65 Jahren und Reibeisenstimme hat er mehr zu bieten als Gassenhauer wie „Kuddel Daddel Du“: Reichel ist erster Superstar des deutschen Beat, Shanty-Rocker, Interpret deutscher Lyrik, Songwriter, Produzent, Schauspieler und Reisejournalist. Dass seine Songs unvergessen sind, beweisen seine Fans. Ob bei „Der blonde Hans“, „Herrn von Ribbeck“ oder den beiden Zugaben: Alle singen mit. Bewusstseinserweiternde Substanzen sind für Reichel seit „Die grüne Reise“ passé. In Bad Nenndorf trinkt er Heilwasser. Die Wandelhalle erinnert ihn an erste Auftritte der „Rattles“ in der Schulaula. Auch die Zuhörer fühlen sich in ihre Jugend versetzt. „Achim Reichel hat mich durch die Teenagerzeit begleitet“, schwärmt Ratsfrau Ellen Hültenschmidt. Das Fazit des Ehepaars Dunsing aus Barsinghausen lautet: „Das war ganz groß.“




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige