weather-image
20°

So lebt es sich in Hamelns jüngster Siedlung

Vom wachsenden Heimatgefühl am Riesackweg

HAMELN. Gerade einmal neun Jahre ist Hamelns jüngste Siedlung alt. Ist für die Bewohner der Riesackweg bereits Heimat? Wir haben uns umgehört.

veröffentlicht am 09.05.2019 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 10.05.2019 um 12:30 Uhr

Für Fabian und Sarah Töteberg, hier mit ihren Söhnen Luis und Jonah, bedeuten die Stadt Hameln und das Weserbergland Heimat. Foto: doro
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Am Rande der Stadt, kurz vorm üppig bewaldeten Basberg, liegt die Wohnsiedlung Riesackweg. Hamelns jüngste Siedlung ist gerade mal neun Jahre alt und besteht aus 33 Häusern, verteilt auf vier Straßen, eine quer und drei mehr oder weniger längs, mit je einem Wendehammer am Ende. An ihren Rändern stehen in enger Nachbarschaft Häuser, die sich ähneln und auch wieder nicht. Sie sind meist weiß, haben dunkle Dächer mit Sonnenkollektoren, Terrassen mit guter Aussicht und großzügige Carports. Dort parken bevorzugt BMWs neben Mini Clubmans, während in den Gärten Rasenmäher selbstständig ihre Runden drehen. Wer am Riesackweg gebaut hat, wohnt exklusiv. Der Rest der Stadt ist ein Stück entfernt, dafür liegt der Wald direkt vor der Nase. In die City ist es mit dem Rad ein Katzensprung. Quasi ein Dorf in der Stadt. Ein sehr junges „Dorf“, dessen besonders energieeffiziente Fertighäuser in kürzester Zeit aus dem Boden schossen. Eine Siedlung zugleich, in der das Wir und das Heimatgefühl erst wachsen mussten.

Vielleicht war das der Grund, weshalb Markus Baukmeier für die Anwohner des ersten Bauabschnitts eine Art Kennenlern-Kochen veranstaltete. Baukmeier ist Geschäftsführer des Bauträgers Meisterstück, der die Siedlung mit den Häusern bestückt hat. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die Anwohner wissen es zu schätzen, dass sie ihre Nachbarn gleich am Anfang kennengelernt haben. Seither wird zusammen gefeiert, man hilft einander wo es geht, und die Kinder fühlen sich in jedem Garten wohl. Oder auf jeder der vier Straßen.

„Ein Popel, ein Popel, ein Popel Olala“, singen Karin Schlimmes Kinder Luise (5) Klara (7) und Michel (2) mit zwei Freunden im Chor, während sie an der Mauer lehnen. Die Fahrräder und Roller fest im Griff, schauen sie der Fremden neugierig bis kritisch nach, die an diesem Tag durch die ruhige Spielstraße streicht. Die Botschaft der Kinder ist klar: Hier sind wir Zuhause.

4 Bilder
Wie ein Dorf in der Stadt ist Hamelns jüngste Siedlung am Riesackweg. Foto: doro

Für Karin Schlimme ist das Zuhause am Riesackweg mehr als das: Es ist Heimat. „Der Ort, an den ich gern zurückkehre, an dem ich mich wohlfühle“, sagt sie. Karin Schlimme und ihr Mann gehörten 2010 zu den Ersten, die herzogen. Sie kommen aus dem Extertal, das auch Heimat sei, aber eben nicht mehr an erster Stelle. Nach Hameln gekommen ist die Familie wegen Karins Schlimmes Job, sie arbeitet in Emmerthal. Leben wollten sie und ihr Mann aber lieber in Hameln.

So geht es auch den Tötebergs. Für Fabian Töteberg wäre auch noch Tündern in Betracht gekommen, weil er dort Fußball gespielt hat, das war’s dann aber auch. Für die Tötebergs, neben Fabian sind das Ehefrau Sarah (32) und die Kinder Luis (3) und Jonah (1), bedeutet in erster Linie die Stadt Hameln Heimat. Sie sind waschechte Hamelner und wollten nie woanders leben. Der Kontakt zu den Eltern ist eng. „Wir sind sehr familiär“, sagt Fabian Töteberg und seine Frau nickt bekräftigend. Neben Hameln und dem Weserbergland ist die Familie für Tötebergs ebenfalls ein Stück Heimat.

Als ich meinen Freundinnen in Hannover den Kaufpreis genannt habe, haben die nur kurz gelacht.

Sarah Faßmann, Anwohnerin am Riesackweg

Das freundschaftliche Miteinander in der Riesack-Siedlung, in das sie als Spätankömmlinge sofort einbezogen wurden, wissen sie dennoch zu schätzen. Dass sie in der Siedlung gelandet sind, ist eher Zufall. Eigentlich wollten sie ein Haus kaufen, doch die Suche war schwierig, sagt der 33-Jährige, der beim Aerzener Bremsen- und Kupplungshersteller Intorq in der Qualitätsprüfung arbeitet. Als ein bereits reserviertes Haus am Riesackweg frei wurde, schlugen sie zu.

So ähnlich ging es den Faßmanns. Sie hätten relativ spät von dem Baugebiet erfahren, sagt Sarah Faßmann. Ein Haus außerhalb Hamelns wäre für die Familie keine Option gewesen. Die Kinderärztin ist mit ihrem Mann und ihrer Tochter Sophie (6) aus Hannover nach Hameln gezogen – klein genug, sagt sie. Als Heimat bezeichnet sie indes immer noch Hannover, beziehungsweise Isernhagen – weil sie dort aufgewachsen ist. Ungefähr alle zwei Monate fährt die Familie nach Hannover und auch die Zoojahreskarte ist eine Reminiszenz an die Heimat.

Ihr Heim am Riesackweg würde sie eher als Zuhause bezeichnen. Eines, in dem sie und ihr Mann Dennis, der als Ingenieur in Blomberg arbeitet, sich wohlfühlen. Das habe viel mit der Nachbarschaft zu tun, auf die könne man zählen, wenn zum Beispiel eines der Kinder krank sei. Aber da ist noch mehr: „Wie sind wohl in ähnlichen Lebenssituationen“, sagt Sarah Faßmann.

Und wie sieht es aus mit Kontakte in benachbarte Siedlungen? „Die gibt es“, sagt die 38-Jährige, „über die Kinder.“ Sie gehen in die benachbarte Basbergschule, ein Gebiet, in dem ebenfalls ein reger Generationswechsel stattfindet. Was ihr Zuhause im Sinne von Gebäude betrifft, hätte sie eigentlich lieber ein langlebiges Haus aus Stein gehabt, so wie ihre Eltern. Sie hat ein Faible für alte Häuser, die Jahrhunderte überdauert haben, die ein Stück Ewigkeit vermitteln. Das Fertighaus in Holzständerbauweise, in dem sie nun mit ihrer Familie baut, sei leider nicht für die Ewigkeit gebaut. „Aber für unsere Ewigkeit reicht es“, sagt die 38-Jährige.

Dass es ein eher hochpreisiges Gebiet ist – von einem „Ghetto für Reiche“ oder eine „Playmobilsiedlung“ sprechen die Leute manchmal – hat niemanden der Befragten davon abgehalten, dort sein Lager aufzuschlagen – der Wunsch in die Stadt zu ziehen war größer. „In den sauren Apfel mussten wir beißen„, sagt Karin Schlimme. Auch Faßmanns fanden den Preis hoch. „Aber, sagt Sarah Faßmann, als ich meinen Freundinnen in Hannover den Kaufpreis genannt habe, haben die nur kurz gelacht.“

Information

Heimatgeschichten gesucht!

Was ist für Sie Heimat? Wo ist sie oder was bedeutet sie? Erzählen Sie es uns auf lesergeschichten.dewezet.de



Links zum Thema

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare