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Künstlerin in selbst geschneiderter Tracht beim Deutschen Heritage Fest in Orlando / Generalkonsulin zollt Anerkennung

Von der Weser nach Florida: Schaumburger Braut baut Brücke

Rinteln/Orlando (dil). Der 25. März war nicht nur Susanne Nielsens Geburtstag und 29. Hochzeitstag, sie wurde sogar noch einmal zur Braut, und das mit Schaumburger Akzent. Sie hat an diesem Tag dass mühsame Nähen einer Kopie der Tracht abgeschlossen, die sie im Rintelner Heimatmuseum (wir berichteten) gesehen hatte. Die Radio-Journalistin und Künstlerin feierte mit ihrem Werk anschließend auch gleich einen Erfolg: Beim German Heritage Festival in Orlando wurde ihre Tracht bewundert. „Endlich mal etwas Anderes als Schwarzwaldmädel und bayerische Dirndl“, freute sie sich selbst, eine Brücke von der Weser nach Florida geschlagen zu haben..

veröffentlicht am 13.04.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:21 Uhr

Zusammen mit Gerda Reith aus Rinteln hatte Nielsen nach dem Museumsbesuch einen Originalrock, rot, mit grünem Samtbesatz, erstanden und beschloss, mit diesem Grundstock eine solche Tracht in Florida beim nächsten German Heritage Fest am 25. März 2012 den etwa 1000 Besuchern deutscher Herkunft vorzustellen. Nielsens Vater Dr. Otto Schmidt und dessen Familie mütterlicherseits (Gertrud Müller-Bowe) stammt aus Rinteln. Somit hat die Künstlerin den persönlichen Bezug zur Stadt und als Hochschuldozentin auch den Wunsch, das Wissen um solche schönen alten Bräuche in die deutsch-amerikanische Gemeinde in Florida, ihrer zweiten Heimat, zu tragen.

Ganz besonders die farbenprächtigste der Schaumburger Trachten hatte es Nielsen angetan, die Tracht der Braut, Brautjungfer und Patin. Sie weist den hohen roten Kopfputz, „Kranz“ genannt, mit dem „Kranzdeckel“ aus gefaltetem Seidenband darauf, und eine Schürze aus vielen Brokatstreifen, die von Goldlitze und Fransen gesäumt ist.

Nielsen bat Susanne Petermann, Chefredakteurin einer in den USA beliebten, seit über 100 Jahren von deutschen Auswanderinnen gelesenen deutschen Zeitschrift („Das Fenster“) um Hilfe. Diese veröffentlichte einen Leserbrief, der von vielen Leserinnen und Trachten-Kennerinnen sogleich beantwortet wurde. Man sandte Nielsen Links zu Trachtengruppen und auch den NDR-Report von 2010 zur Schaumburger Tracht, „Tracht des Jahres“.

Eine Leserin sandte ihr eine ganze Bilderreihe, die den Aufbau dieser Tracht zeigt, und damit Nielsen den Weg wies. Nähen hatte sie bereits als Künstlerin mit verschiedenen Materialien eingesetzt. Nun galt es Bluse (eigentlich auch Jacke), Cape, Schürze, Weste, den großen weißen Kragen und die „Ampel“, die den Rücken ziert, vor allem aber die Kopfbedeckung zu nähen. „Ich fand gleich Brokatstoff, der der Schürze der alten Fotos, die ich in Büchern und im Internet an Beispielen gesehen hatte, auch die Quasten für das Cape, Fransen und Goldlitze“, sagt sie, „aber die Kugeln für den Kranz (früher aus Glas) waren nicht zu finden.“ Sie gab jedoch nicht auf, und fand rote Bommeln, die sie statt der glatten roten Kugeln auf den Kranz nähte.

„Im kommenden Jahr hoffe ich, die Samtborte für die Weste und Ärmel zu finden, die der des Rocksaumes gleicht. Auch der schöne Bernsteinschmuck mit Stickerei und Silberverschluss und die reich bestickte Krawatte, zudem die große runde Silbernadel, die die Braut zur Hochzeit bekommt, wären herrliche Ergänzungen. „Ich habe den goldfarbenen (oder schwarzen) Brokathut mit den beiden weit ausladenden Samtschleifen gesehen, wie auch den tütenförmigen schwarzen Hut mit dicker schwarzer Schleife, die um das Kinn gebunden wird, den die Trägerin der Schaumburger Tracht in der NDR Sendung an hatte, und auch deren über und über bunt bestickte Seidenschürze“. Beides herzustellen, braucht viel Zeit und Geschick. „Dies wäre eine Aufgabe für die kommenden Jahre“, denkt Nielsen.

Beim Heritage Fest trug die Künstlerin die Fahne Niedersachsens im Fahnendefilee. Mit dabei waren weitere Trachtenträgerinnen wie eine Schwarzwälderin, eine Fränkin und die meist als Egerländer gekleideten Schuhplattlergruppen. Herren trugen Hamburger Fischerkittel.

Die Deutsche Generalkonsulin, Gräfin Kendeffy, die Deutschland im Südosten der USA und Karibik in Miami vertritt, freute sich über die Trachtenvielfalt und die Pflege des deutschen Kulturerbes in Florida. Sie trug die Tracht ihrer Heimatstadt München, und wünschte sich sofort ein Foto mit der Trägerin der Schaumburger Tracht, besonders auch für die Webseite des Deutschen Generalkonsulats in Miami.

„Wenn auch nicht alles vollständig war, so habe ich versucht, den Bildern so nahe wie möglich zu kommen. Es fragten viele staunend, woher diese schöne Tracht stammt, sogar aus welchem Land, denn keiner hatte je diese Tracht gesehen. „Man identifiziert ganz Deutschland zumeist mit süddeutschen Trachten. Sie waren erstaunt, dass diese Tracht aus dem Norden stammt. Nun sind Rinteln und das Schaumburger Land in vieler Munde, denn die vielen Fotos, die man von der Tracht machte, geben sicher noch lange Gesprächsstoff“, schwärmt Nielsen. Und sie ist für guten Rat und Verbesserungsvorschläge offen, denn die Trachtengruppen und Historiker werden sicher allerlei hierzu zu sagen haben. Nielsen wünscht sich, ihre Tracht zu vervollständigen.

Am darauf folgenden Wochenende luden die „Landsknechte“, eine Truppe von Damen und Herren, die an den deutschen Herrscher Karl V. erinnern, Susanne Nielsen in ihrer deutschen Tracht zum Deutschen Wochenendfest (Motto: „Half way to Oktoberfest“) ein.

Die Frage kam auf, wie hat die Schaumburger Tracht zu Zeiten der Renaissance ausgesehen? Für Antworten ist Susanne Nielsen dankbar (info@germanradioshow.com).

Vielfalt beim German Heritagefest in Orlando: Susanne Nielsen (3. v. r.) ist mit ihrer selbst geschneiderten Tracht der Schaumburger Braut dabei, Foto: pr.




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