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Theaterjugendclub „Chamäleon“ eröffnet Sommerbühne mit „Wittenberger Männerquartett“

Von Rom nach Wittenberg über Bückeburg

Bückeburg (bus). Verhaltener Auftakt für den Bückeburger Bühnensommer: Leichter Nieselregen und Temperaturen beträchtlich unterhalb der 20-Grad-Marke haben der Premiere der neuen Veranstaltungsreihe zugesetzt. Nur knapp 50 Zuschauer fanden sich am Dienstagabend auf dem Marktplatz ein, um das Gastspiel des Theaterjugendclubs (TJC) „Chamäleon“ aus Wittenberg zu genießen. Ein durchaus möglicher Wechsel an den Ausweichaufführungsort Ratskeller-Foyer sei von den Schauspielern abgelehnt worden, erklärte Kulturausschussvorsitzender Albert Brüggemann, der Hauptorganisator des Bühnensommers.

veröffentlicht am 09.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:41 Uhr

„Die wollten unbedingt auf dem Marktplatz spielen“, verdeutlichte Brüggemann. Vom Wechsel von der Freiluftarena in das Rathausgebäude habe sich der Jugendclub keine wesentliche Steigerung der Zuschauerzahlen versprochen. „Wer jetzt nicht hier ist, kommt auch nicht ins Foyer“, habe das nachvollziehbare Argument der Wittenberger wenige Minuten vor Auftrittsbeginn gelautet. Die Bühnensommer-Reihe richtet sich in erster Linie an Bückeburger, die in den Sommerferien Zuhause geblieben oder schon wieder zurückgekehrt sind. „Wir machen in den Ferien viel für Kinder und Jugendliche, warum nicht auch etwas für Erwachsene und Familien?“, zeigte Brüggemann einen der hinter der Veranstaltungsserie stehenden Gedanken auf. Das vom TJC auf die Marktplatzbühne gestellte Stück „Wittenberger Männerquartett“ greift die fünf Jahrhunderte zurückliegende Pilgerreise Martin Luthers von Rom nach Wittenberg auf. Die Handlung kommt allerdings in einer überaus fiktiven Abfolge daher. Luther (gespielt von Sebastian Göthel) trifft nicht nur auf Tannhäuser (Kornelius Werner), Klaus Mann (Rene Lenz) und Graf Tilly (Tobias Grunemann), die ihn allesamt nach Wittenberg begleiten, wo sie schließlich Augustinus (Daniel Opitz) begegnen, sondern zwischendurch in Genf auch noch auf Johannes Calvin.

Die von Markus Schuliers verfasste personelle Gemengelage zieht unweigerlich rasante Zeitsprünge nach sich. Los geht’s anno 1512 in Rom; die zweite Szene spielt bereits – schwups, „Gott zum Gruße, guter Mann“, sagt Luther zu Klaus Mann – 1949 in Nizza. Und auch in den Dialogen versteckt sich allerhand Beweglichkeit. „Ich bin doch in Ihrem Glauben aufgewachsen“, gibt Mann Luther zu verstehen, der ein verwundertes „Wie bitte“ zur Antwort gibt. Daraufhin der Schriftsteller: „Sie werden noch einiges bewegen.“

Was dem einen als charmanter Wortwitz mit geistigem Tiefgang anmutete, blieb indes manch anderem vollends verschlossen. Womöglich hätte dem Bühnensommer-Auftakt ein wenig mehr unbeschwerter Boulevard gut getan. Dass die recht anspruchsvolle Kost trotz der mitunter etwas langatmigen Inszenierung mit reichlich Applaus belohnt wurde, war dem engagierten Auftreten der jungen Schauspieler zu verdanken.

Knapp 50 Zuschauer verfolgen das Gastspiel des Theaterjugendclubs Wittenberg auf dem Marktplatz.

Hinweis: Die sommerliche Marktplatzreihe wird am Mittwoch, 15. August, mit einem Auftritt der Band „Filou“ und am Mittwoch, 29. August, mit einem Gastspiel der Big Band der Freiwilligen Feuerwehr Barsinghausen fortgesetzt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.




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