weather-image
16°
×

Frauen im Umfeld der Reformation stehen Rede und Antwort

Von wegen Weibergeschwätz…

TÜNDERN. Am 11. November, dem Tag, an dem Martin Luther getauft wurde, kommen neun tündernsche Weibsleut, auf Einladung der Johanne-Lücke-Stiftung, in der evangelischen St.-Christophorus-Kirche zu Wort und Gesang.

veröffentlicht am 23.11.2017 um 00:00 Uhr

Mit dem Titel „Nicht schon wieder Martin… Die Frauen der Reformation“ schlüpfen sie in historische Rollen und bieten die reformatorischen Ansichten und Erwartungen der Frauen zu damaliger Zeit, und deren Folgen für das weibliche Geschlecht dar.

Man nehme also neun starke Frauen – möglichst aus Tündern, wo sie ihre Geschicke schon beweisen konnten – und unter Zuhilfenahme einer Theaterpädagogin – Johanna Kunze aus Hannover – lasse man diese Mischung „Nicht schon wieder mit Martin….“ einige Wochen gären. Zum Ende der Vorbereitungszeit kann die Flamme des Lampenfiebers schon einmal aufs Äußerste ansteigen. Weit über 100 Besucher interessierten sich für die Inszenierung. Die Moderatorin Ulli Kaiser hatte in ihrer Talkshow über die Reformatorinnen neben den Pfarrfrauen Katharina von Bora (Ursula-Margarte Bloß) und Katharina Schütz-Zell (Isabelle Vanoli), die adligen Frauen Argula von Grumbach (Cori Schwäkendiek), Elisabeth von Calenberg (Ute Schünemann), die Ordensfrau Caritas Pirckheimer (Martina Cleve), Käthes enge Freundin Barbara Cranach (Sonja Hundertmark), die jüngste Tochter von Martin Luther und Katharina, Margarete von Kunheim (Nicole Seelig), und eine heutige Pastorin (Susanne Cleve) zu Gast.

In vier Gesprächsrunden mit musikalischen Einlagen wurden die mutigen Frauen zu ihrer Bildung, ihren Lebensbildern, ihrem reformatorischen Wirken und zu dem, was sie eint und was sie trennt, befragt. Zur Zeit der Reformation schienen die Frauen nur auf diesen lutherischen Ansatz gewartet zu haben, um sich als gleichwertiges Individuum endlich gerechtfertigt zu sehen. Sicher standen sozial höhergestellte Frauen den neuen Glaubensfragen und damit einhergehend der neuen Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft aufgeschlossen gegenüber, war ihnen schließlich der Zugang zur Bildung zuteil geworden. In den Klöstern und herrschaftlichen Häusern lernten sie wirtschaften und lesen und schreiben.

Doch der Kampf um das neu gewonnene Verständnis der Frau als gleichberechtigte Partnerin im Sinne des Sola-Scriptura-Prinzips und nach der Lehre vom Priestertum wurde zur mutigen und bis heute währenden Auseinandersetzung. Die Frauen der Reformation mögen dabei einen entscheidenden Grundstein zu besseren Lebensbedingungen für Frauen und zur Emanzipation gesetzt haben. Ob sie die Ansichten der Reformatoren teilten, so wie Katharina von Bora, ihre Tochter Margarete und Barbara Cranach und mit zahlreichen öffentlichen Traktaten aktiv unterstützten, wie Katharina Schütz-Zell, Argula von Crumbach oder Elisabeth von Calenberg, oder sich gegen die Reformation wendeten, wie Caritas Pirckheimer, die dadurch den Zerfall der Klöster und den damit einhergehenden Rückschlag für ihre Ordensschwestern befürchtete. Auch Elisabeth von Calenberg setzte sich für den Erhalt der Klöster ein, um Frauen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Noch heute sind viele Klöster und Stifte auf ihr Bemühen zurückzuführen, auch die Klosterkammer zeugt von ihrem Erbe. Katharina Schütz-Zell, obwohl als Pfarrfrau wie Katharina von Bora und Barbara Cranach mit Verwaltung, Gemeinde, Haus und Hof eng verwurzelt, setzte sich als Laientheologin tatkräftig gemeinsam mit ihrem Mann gegen die Unterordnung der Frau und für bessere Bildungs- und Lebenschancen ein. Dank ihres Wirkens wurde die Katharina-Zell-Stiftung ins Leben gerufen.

All diese starken Frauen der Reformation und viele weitere sind Auslöser dafür, dass 1958 mit Elisabeth Haselhoff die erste Pastorin in Deutschland ordiniert wurde. Die Qualifikation für das Pfarramt hatte sie 1941 erwirkt, doch erst mit dem Gesetz zur Gleichstellung von Mann und Frau, welches 17 Jahre später in Kraft trat, waren auch die Weichen für das weiblich besetzte Pfarramt gestellt.PR




Anzeige
Anzeige