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Energiesparkonzept setzt ehrgeiziges Ziel – 40 Prozent weniger Verbrauch in den nächsten zehn Jahren

Vor allen Dingen die Dämmung soll es bringen

Bückeburg (rc). Jetzt wird es langsam ernst mit dem Energiesparkonzept für die Stadt Bückeburg. Um 40 Prozent der derzeit von allen Haushalten in Bückeburg verbrauchten Energie von 188 Gigawattstunden pro Jahr einzusparen, sind in den kommenden zehn Jahren Investitionen von rund 180 Millionen Euro notwendig. Das geht aus dem Energieversorgungskonzept hervor (wir berichteten), das nach seiner globalen Vorstellung für die vier beteiligten Kommunen – Bückeburg, Stadthagen, Obernkirchen und die Samtgemeinde Eilsen – jetzt mit seinen Auswirkungen speziell auf Bückeburg im Bau- und Umweltausschuss vorgestellt wurde. Sollte das Konzept komplett umgesetzt werden, könnte der Energieverbrauch der Bückeburger auf 116 Gigawattstunden reduziert werden, der Ausstoß von Kohlendioxid, der zur Erzeugung dieser Energie notwendig ist, sogar um 43 Prozent.

veröffentlicht am 10.05.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:21 Uhr

„Ein seriöses Konzept“, wertete es der Ausschussvorsitzende Bernd Insinger (SPD). „Wir müssen größten Wert darauf legen, dass vor allem die Verbraucher im privaten Bereich mitziehen, die Industrie kommt schon von alleine auf Energieeinsparungen.“ Er sei der festen Überzeugung, dass alle Bückeburger vom Grundsatz her wissen, wie und wo sie Energie einsparen können. Aber es gelte viel Aufklärungsarbeit zu leisten, dass auch kleinere Maßnahmen ihre Effekte auf die Energieeinsparung und damit auf den Ausstoß von Kohlendioxid haben. Da zudem davon auszugehen sei, dass die Energiekosten weiter steigen, seien auch die Einspareffekte für die eigene Geldbörse nicht zu unterschätzen. Um Bürger über mögliche Einsparmaßnahmen zu informieren, müsste sicherlich eine Agentur eingeschaltet werden, was derzeit auch schon beim Landkreis Schaumburg diskutiert werde, so Insinger weiter: „Bückeburg allein auf weiter Flur ist mit dem angestrebten Paket sicherlich überfordert.“ Eine Agentur habe zudem den Vorteil der höheren Glaubwürdigkeit, dass sie unabhängig von Energiekonzernen oder -anbietern agieren könne. Insinger: „Es muss darum gehen, denen, die etwas tun können, nahezubringen, dass sie etwas tun.“

Dass die Bückeburger etwas tun können, hatte Ulrich Sonnenberg vom Kommunalmanagement von E.on Westfalen-Weser im Vortrag über die Energieversorgung in Bückeburg verdeutlicht. Der Stromverbrauch sei allein in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent gestiegen, insbesondere bedingt durch den zunehmenden Einsatz von Stand-by-Geräten in privaten Haushalten. Der Erdgas- und Heizölverbrauch sei zwar leicht sinkend, aber es könne mehr getan werden. Die Erzeugung regenerativer Energien liege in Bückeburg bei lediglich 0,4 Prozent, insbesondere bei Wind- (gerade mal eine in Bückeburg), Solar- und Fotovoltaikanlagen hinke Bückeburg hinterher (Stand 2008). „Hier kann und wird sicherlich noch mehr getan werden.“

Entgegen der landläufigen Meinung der Bürger wird die meiste Energie für Heizung verbraucht, nämlich rund 75 Prozent, für Warmwasser werden zwölf Prozent verbraucht, für Elektrogeräte 13 Prozent. Der Ansatz müsse also eindeutig darauf zielen, den Energieverbrauch für Heizungen zu senken.

Investitionen rechnen sich

Und das ist relativ einfach, wie die E.on-Experten bei einer Aufstellung der in Bückeburg stehenden Häuser festgestellt haben. 80 Prozent von ihnen sind vor 1978 gebaut, zu einer Zeit, als es noch keinerlei Energieeinsparverordnungen seitens des Gesetzgebers gegeben hat. Wenn diese Häuser mit Dämmung der Außenwände, des Dachs, des Kellers, der Decken und der Erneuerung der Fenster auf den heutigen Stand gebracht werden würden, könnte der Energieverbrauch von 211 Kilowattstunden je Quadratmeter pro Jahr auf 90 Kilowattstunden gesenkt werden. Wenn dann noch alle veralteten Heizungsanlagen ausgetauscht und vor allem alte Kessel ausgewechselt würden, sei man schon fast am Ziel.

Die größte Energieeinsparung könne mit einer guten Außendämmung erzielt werden, nämlich 40 Prozent. Kellerdecken, Dach und Heizkessel folgen. Selbst der Abbau von Kältebrücken bringt noch einmal 4 Prozent. Dabei sei es sinnvoll, mit der Dämmung anzufangen: „Denn hinterher reicht ein kleinerer Heizkessel, um das Haus trotzdem mollig warm zu halten.“ Ein weiterer Hinweis des Experten: Die in den siebziger Jahren üblichen Betondecken oder -wände mit einer Dicke von 35 Zentimetern haben einem Dämmwert, der einem Zentimeter der heute üblichen Dämmung entspricht.

Und das Ganze rechne sich, wie Ulrich Sonnenburg vorrechnete. Bei allen Investitionen müsse in Abzug gebracht werden, dass ohnehin Außenwände gestrichen oder aber Dächer und Fenster erneuert werden müssten. Dann auf Energieeinsparung zu setzen, würde in der Regel nur etwa eine um 40 Prozent höhere Investitionssumme erfordern: die sich angesichts der heutigen Energiepreise schon in wenigen Jahren amortisiert habe: „Der Kapitaleinsatz rechnet sich.“

Nun muss es darum gehen, möglichst viele Bürger zum Mitmachen zu überzeugen, wie im Ausschuss diskutiert wurde. Runde Tische mit allen, die mit Bauen zu tun haben als zentrale Anlaufstelle und Initiator; Informationen und Beratung von Bauherren, Ausstellungen, Vorstellung von Modellsanierungen, eine Internetseite als Informationsplattform oder aber eine Datenbank, die alle möglichen Förderdaten auflistet. So bietet die KfW bereits heute Fördergelder für Energieeinsparungsmaßnahmen mit einem Zinssatz von knapp über einem Prozent.




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