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Innenraum der Jetenburger Kirche soll ruhiger, wärmer und heller werden – 60 000 Euro für Sanierung

„Vor dem drohenden Verfalle retten“

Bückeburg. Mit einem unter das Motto „Frei-Raum“ gestellten Stationen-Gottesdienst hat die evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde Abschied von der Jetenburger Kirche genommen. „Dabei handelt es sich allerdings nur um einen Abschied auf absehbarer Zeit“, gab Pastor Dr. Wieland Kastning zu verstehen. Das im 16. Jahrhundert errichtete Gotteshaus wird in den bevorstehenden Monaten saniert. „Voraussichtlich im August“, schätzte Kastning, „wird das spätgotische Schmuckstück in frischem Glanz erstrahlen und seine Pforten wieder öffnen.“

veröffentlicht am 30.05.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 21:41 Uhr

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Die Sanierung betrifft vor allem den Innenraum. Hier soll das offene Konzept des Chorraumes, wie es in der Zeit vor 1930 anzutreffen war, wieder aufgenommen werden. „Das Gesamtbild des Chorraumes wird dadurch ruhiger, wärmer und heller“, erläuterte der Pastor. „Es entsteht ein Raum für gottesdienstliche Feiern und Andachten in kleinerem Kreis um und vor dem Altar.“ Zudem schaffe die Umgestaltung Platz für den gleichzeitigen Einsatz von Chorensembles, instrumentalem Spiel und szenischen Aufführungen.

Gegenwärtig präsentiert sich die Kirche in einem ziemlich „aufgeräumten“ Zustand. Bereits vor dem „Frei-Raum“ – Gottesdienstes waren die Bänke ausgebaut und auf einem Bauernhof in Scheie zwischengelagert worden. Im Anschluss an die Wiedereröffnung wird den Besuchern in erster Linie die verbesserte Beleuchtungssituation ins Auge fallen. „Die jetzige, von Kronleuchtern bestimmte Sichtachse verstellt den Blick auf das Kreuz“, erklärte Kastning. Überdies wird das rissige Mauerwerk ausgebessert und mit einem neuen Anstrich versehen, der Taufstein weiter als bisher zur Raummitte gerückt und die anno 1603 gegossene Glocke einen neuen Standort bekommen.

Des Weiteren sollen die Handwerker die hinter dem Altar angebrachten Heizkörper demontieren. „Der Altarraum wird sehr offen werden“, kündigte der Pastor an.

Veränderungsmaßnahmen hinsichtlich des Fußbodens sind nicht vorgesehen. Die derzeit zu sehenden schweren wappengeschmückten Grabplatten werden im August wieder unter dem bekannten Sisalteppich verschwinden. Wieland schätzte die Gesamtkosten des Vorhabens auf „maximal 60 000 Euro“. Für die Hälfte der Summe steht die Landeskirche gerade, etwa 15 000 Euro stammen aus Spendensammlungen.

Das Jetenburger Gotteshaus vermittelt wie kaum ein anderes in Schaumburg den Hauch der Geschichte. An dieser Stelle gab es bereits 1153 eine romanische Kirche. Zwei Lilienblattkapitelle an der Außenmauer des heutigen Kirchenbaus stammen vermutlich aus jener Zeit. Mit der Errichtung der Stadtkirche (1610 bis 1615) geriet Jetenburg indes ein wenig aus dem Fokus der christlichen Bevölkerung. Das Gebäude verfiel. Lange Zeit diente es als Obdachlosenasyl; mal war es Stall, mal Lager und schließlich Quartier der französischen Besatzung unter Napoleon.

„Nur die auf 1564 datierte Kanzel und der Altar aus dem Vorgängerbau sowie die achteckige Taufe aus dem Jahr 1577 sind noch vorhanden“, hielt Landesregierungsrat von Campe 1854 in einem Schreiben an das fürstliche Konsortium fest. Als Fürstin Ida 1861 die Kirche wieder für den gottesdienstlichen Gebrauch herrichten ließ, ging es hauptsächlich darum „das Gebäude vor dem drohenden Verfalle zu retten“ und der Gemeinde einen Raum zu geben, „in welchem die Grabreden bei Beerdigungen und dann und wann auch Gottesdienst und Andachtsstunden, namentlich für den ländlichen Teil der Gemeinde gehalten werden können“.

1930 brachte der Kirchenvorstand eine umfassende Renovierung des Innenraumes auf den Weg. Der Taufstein erhielt seinen bisherigen Standort, die Chorschranken und die beiden Priechen wurden aufgestellt und die hölzernen Totenschilde aus dem Chorraum entfernt. Die aktuelle Einrichtung und Farbgebung stammen aus dem Jahr 1976. Die auf Schiffsparkett stehenden Bänke wurden damals von der Stadthagener St.-Martini-Gemeinde übernommen. 1983 komplettierte die Anschaffung einer Orgel die Ausstattung der Kirche, die der Sage nach zu jenen sieben Gotteshäusern gehört, die eine Gräfin von Hus Aren erbaut haben soll.

„Ihre Gründerin ist sehr wahrscheinlich eine edle Frau mit Namen Wilburga, die in Jetenburg Besitzungen hatte“, schreibt Wilhelm Wiegmann in seiner 1905 veröffentlichten „Heimatkunde des Fürstentums Schaumburg-Lippe“. Diese war den Erkenntnissen des Hobbyhistorikers die Gemahlin des Edlen Mirabilis auf dem Bruchhofe bei Stadthagen. Wiegmann berichtet außerdem, dass das Gebäude, „das in seinem reichen Epheuschmuck so überaus malerisch daliegt“ ... „zuletzt im Sommer 1908 wesentlich erneuert“ worden sei.




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