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Angeklagter in Berufung freigesprochen

Vor Gericht: Planenschlitzer-Fall bleibt unaufgeklärt

RINTELN/BÜCKEBURG. In einem Fall von sogenanntem Planenschlitzen ist ein polnischer Staatsbürger (41) nun endgültig freigesprochen worden: Nach einem ersten Freispruch vor dem Rintelner Amtsgericht und eine dagegen gerichtete Berufung der Staatsanwaltschaft bestätigte das Landgericht Bückeburg jetzt die erstinstanzliche Entscheidung.

veröffentlicht am 30.01.2018 um 11:32 Uhr

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RINTELN/BÜCKEBURG. „Wir können nicht mit der notwendigen Gewissheit feststellen, dass der Angeklagte der Täter war“, begründete der Vorsitzende Richter Dr. Thorsten Garbe das Urteil. Damit folgte die Kammer dem Antrag der Verteidigung, während Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig eine Verurteilung wegen versuchten Diebstahls in einem besonders schweren Fall forderte. Er beantragte eine Geldstrafe von 3000 Euro, umgerechnet fünf Monatseinkommen für den gelernten Schlosser und Mechaniker, der in seiner Heimat als Kraftfahrer arbeitet. Der 41-Jährige war angeklagt, auf dem Parkplatz Papenbrink an der Autobahn 2 die Plane eines Aufliegers aufgeschlitzt zu haben, um Teile von dessen Ladung zu stehlen.

Der Fall: In einer Februarnacht des Jahres 2016 fuhr eine Polizeistreife auf den mit Lkw voll belegten Rastplatz. Weil es auf den oft schlecht ausgeleuchteten Parkplätzen immer wieder zu Ladungsdiebstählen durch Planenschlitzen kommt, waren die Beamten in jener Nacht besonders aufmerksam. Ein Polizist sah dann eine männliche und dunkel gekleidete Person, die mit den Händen am Heckbereich eines Sattelzugs war. Sofort sprang er aus dem Streifenwagen, der Unbekannte flüchtete. Der Ordnungshüter sah einen etwa 15 mal 15 Zentimeter großen Schlitz in der Plane des Aufliegers und entdeckte etwa zehn Meter davon entfernt einen osteuropäischen Autotransporter mit Anhänger. Auf dessen Ladeflächen befanden sich insgesamt drei Autos. Auf dem Beifahrersitz des Transporters saß der Angeklagte. Er stellte sich schlafend, blinzelte aber immer wieder. Der Schlüssel steckte, auf der Rückbank des Transporters war eine Schlaffläche eingerichtet.

Später wurde das Fahrzeug beschlagnahmt und durchsucht. Darin fanden sich zahlreiche Werkzeuge wie Bolzenschneider und Schraubendreher, zwei Reisetaschen und fünf Paar Schuhe. Außerdem fiel den Fahndern ein Laptop in die Hände, das knapp ein halbes Jahr zuvor in Bayern gestohlen worden war. Damals hatten Täter auf einer Tankrastanlage der A 3 bei Würzburg mehrere Sichtungsschlitze in die Plane eines Sattelzuges geritzt und anschließend diverse Laptops und Drucker im Gesamtwert von 100 000 Euro entwendet.

Dem Vernehmen nach soll in diesem Fall offenbar ein Beschuldigter ermittelt worden sein, nähere Angaben wurden aber nicht gemacht. Nach Auskunft des Angeklagten stammte der Laptop von einem Flohmarkt. Unter dem Transporter entdeckten die Beamten später einen ominösen Hohlraum, der mit einer Holzplatte fest verschraubt war. In dieser Mulde lagen unter anderem vier leere Benzinkanister und ein etwa zwei Meter langer Schlauch.

Während für die Kammer starke Indizien dafür sprachen, dass der Pole die Tat am Papenbrink begangen hatte, so gab es auch Entlastendes: Bei ihm wurde kein Messer gefunden, mit dem die Plane aufgeschlitzt worden war. Auch ein Türenklappern hat der Polizist bei der Verfolgung nicht gehört. Zudem war der Autotransporter kein typisches Fahrzeug für derartige Ladungsdiebstähle. Nicht zuletzt hielten sich in jener Nacht noch andere Personen auf dem Parkplatz auf.

„Ich war damals unterwegs nach Hause. Das war ein Transport von Belgien nach Polen“, sagte der Angeklagte. Er sei auf den Parkplatz gefahren und habe eine halbe Stunde geschlafen.maf

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