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Strenge Sicherheitsvorkehrungen am Amtsgericht

Vor Gericht: Sohn von „Reichsbürger“ beleidigt Zugbegleiterin

RINTELN. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat vor dem Amtsgericht eine Hauptverhandlung gegen einen 30 Jahre alten Arbeitslosen stattgefunden, dem Beleidigung und fünffache Sachbeschädigung vorgeworfen wurden.

veröffentlicht am 14.03.2018 um 18:18 Uhr

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RINTELN. Mehr als ein Dutzend Mitarbeiter von Polizei und Justiz sorgten in und vor dem Gebäude für einen reibungslosen Ablauf des Prozesses. Offenbar lag das daran, dass es sich bei dem Vater des Angeklagten um einen bekannten Reichsbürger aus dem Kreis der „Germaniten“ handelt. Zudem wurde der Angeklagte, der momentan wegen einer anderen Sache in der JVA Schwerte einsitzt, in Hand- und Fußfesseln vorgeführt.

Verurteilt wurde er schließlich für die Beleidigung einer Zugbegleiterin und Beschädigung einer Haustür sowie das Einschlagen einer Autoscheibe. Drei weitere Fälle von Sachbeschädigung wurden eingestellt. Richter Simon Langer erkannte nun auf eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit Bewährung und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit. Mit dem Urteil folgte er vollständig dem Antrag von Staatsanwalt Lukas Veit.

Am 19. Dezember 2016 machte sich der Angeklagte auf den Weg von Herford nach Goldbeck, um dort seinen Vater zu besuchen. Er benutzte dafür den Zug und fragte zwischen Vlotho und Rinteln eine Zugbegleiterin, wie er zu der Goldbecker Adresse komme. „Für mich war er wie ein ganz normaler Fahrgast“, erinnerte sich die Frau. Als die Ortsunkundige ihm die Frage nicht beantworten konnte, wurde der Angeklagte ausfallend und beleidigte die Zugbegleiterin mit den Worten: „Fette Sau, schau dich doch mal an!“

Der heute 30-Jährige, der an jenem Tag über einen längeren Zeitraum insgesamt rund 0,7 Liter Kräuter-Likör und Korn getrunken hatte, fuhr dann bis nach Hameln. Dort setzte er sich in ein Taxi, das ihn nach Goldbeck brachte. Weil der Fahrpreis höher war als sein mitgeführtes Bargeld, klopfte er an einer Haustür und wollte dort nach seinem Vater fragen. Dabei ging eine Scheibe zu Bruch. Kurz darauf schlug er noch mutwillig die Heckscheibe eines Autos ein.

Die Polizei kam und nahm ihn in Gewahrsam. Der ärztliche Notdienst wurde in Kenntnis gesetzt, schließlich erfolgte die Einweisung in eine Klinik. Dort beschimpfte und bedrohte er offenbar das Personal, sodass eine Fixierung nötig wurde. Am nächsten Tag wurde der Mann entlassen. „Ich schäme mich für den Tag“, sagte der Angeklagte vor Gericht und zeigte sich reumütig. Er entschuldigte sich bei der Zugbegleiterin und den Polizisten für sein Verhalten. maf




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