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Museum Bückeburg würdigt Francois Villon / Röhrkasten-Lesung am Freitagabend überzeugt / Ewig junge Dichtung

„Vor vollen Schüsseln muss ich Hungers sterben …“

Bückeburg (mig). „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund...“ schrieb der berühmt-berüchtigte poete maudit, Francois Villon, im 15. Jahrhundert an „ein Mädchen namens Yssabeau“. Die Schöne war eine von vielen Frauen, für die der Magister an der Pariser Universität und verurteilte Dieb eine Ballade verfasste. Einblick in sein Schaffen gab am Freitagabend Herbert Röhrkasten im Museum Bückeburg für Stadtgeschichte und Schaumburg-Lippische Landesgeschichte

veröffentlicht am 24.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 19:21 Uhr

Jeanne d‘ Arc auf dem Scheiterhaufen

Paris im 15. Jahrhundert: Jeanne d‘ Arc ist gerade auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, da kommt Francois Villon zur Welt. Das Land ist unter Karl VII. in moralischer Auflösung, Mord und Totschlag sind alltäglich. Villon passt sich an. Trotz eines Theologie-Studiums an einem Pariser Kollegium kommt er schnell vom rechten Weg ab. Es zieht ihn zu den Frauen – und zu den Muschelbrüdern, einer Verbrecherorganisation, deren Macht über Paris heraus reicht.

Herbert Röhrkasten: „Er dichtete über Fürsten und Grafen genauso wie über Räuber und Huren.“ Und über Liebe und Hass, Leben und Tod, Laster und Ausschweifung. Vielleicht sind seine Balladen – in der Nachdichtung von Paul Zech – aus diesem Grund noch so zugänglich. Das gilt für „Die Ballade von den schönen Frauen in Paris“ („Keine Frau auf Erden küßt so süß, wie die schönen Frauen von Paris“), ebenso wie für „Die Ballade von den Vogelfreien“ („Vor vollen Schüsseln muss ich Hungers sterben, am heißen Ofen frier ich mich zu Tod, wohin ich greife, fallen nichts als Scherben, bis zu den Zähnen geht mir schon der Kot“).

Eine ewig junge Dichtung, die auch heute noch die Verzweiflung, aber auch die Lebensfreude des jung gestorbenen Villon transportiert. Ein Dichter, der das Leben liebte und hasste – und von dem man bis zum heutigen Tage nicht genau weiß, wo und wie er am Ende starb.




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