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Vor zehn Jahren noch gehuldigt

Auftakt der Agnes-Miegel-Tage: Aktueller Diskurs färbt ab

veröffentlicht am 07.03.2014 um 21:23 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 17:22 Uhr

Bad Nenndorf. Der aktuelle Diskurs hat merklich abgefärbt auf den Auftakt der Agnes-Miegel-Tage am Freitag in Bad Nenndorf. Die Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft, Marianne Kopp, und deren Stellvertreterin, Annemete von Vogel, eröffneten die Veranstaltung mit einem Vortrag, der gleich mehrfach auf die Geschehnisse der vergangenen Monate verwies.

Kopp und von Vogel zählten unter dem Referat-Titel „Heimatliebe, die das Geistige meint. Würdigungen zu Agnes Miegels Altersgeburtstagen“ zunächst mehrere Ehrungen der Dichterin, die von 1948 bis 1964 in Bad Nenndorf gelebt hatte. Dabei erwähnten sie auch huldigende Worte hiesiger Politiker und Verwaltungsvertreter aus dem Jahr 2004. Den Vorstoß des Jahres 2013 gegen das Miegel-Denkmal bewertete Kopp als „feindselige Pressekampagne“ mit Argumenten der Linken, wobei die Vorsitzende gegenüber dieser Zeitung präzisierte, dass nicht die Partei „Die Linke“, sondern generell das politische Spektrum links der Mitte gemeint ist.

Im Frühjahr 2013 hatte zunächst die SPD wegen der umstrittenen Rolle Miegels im Dritten Reich gefordert, dass deren Denkmal aus dem Kurpark Bad Nenndorfs entfernt wird. Dies unterstützten die Jungsozialisten, das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“ und später auch der Linken-Ratsherr Olaf Buschmann. Es folgte ein Ratsbeschluss in diesem Sinne, der am Mittwoch dieser Woche ausgesetzt wurde, so lange das Bürgerbegehren dagegen im Gange ist (siehe Bericht).

Kopp und Vogel erinnerten ferner an Miegels Schicksal als Vertriebene aus Ostpreußen. Von der Flucht geprägt, sei die Schriftstellerin 1946 zunächst in Apelern angekommen, dann 1948 nach Bad Nenndorf gezogen. Dort wurde ihr 1954 außer der Ehrenbürgerwürde auch jene des Ehrenkurgastes ausgesprochen. Das Urteil der Entnazifizierung habe für Miegel „unbelastet“ gelautet.

Dann wurde es unpolitischer. Im zweiten Teil der Auftaktveranstaltung lasen von Vogel und Kopp Briefe der Schriftstellerin vor. Die rund 40 Zuhörer im Hotel Hannover lauschten aufmerksam und spendeten, wie schon am Schluss des ersten Abschnitts, reichlich Applaus. Die Briefe zeichneten das Bild einer einfühlsamen und nachdenklichen Frau, die bisweilen auch ihr eigenes Tun geradezu hadernd hinterfragt. Kritiker werfen Miegel vor, sich nach der NS-Herrschaft nicht ausdrücklich von einigen Texten aus dieser Zeit distanziert zu haben.

Am heutigen Sonnabend werden die Miegel-Tage um 10 Uhr mit der Hauptversammlung der Gesellschaft fortgesetzt. Um 14.15 Uhr ist ein Gedenken am Grab der Dichterin geplant. Von 15 Uhr an folgen weitere Vorträge und Musik im Hotel Hannover. gus




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