weather-image
28°
×

Prominenz kontra Präsenz

Vorsprung schrumpft

Er könnte heute Morgen mit stolz geschwellter Brust die Fahrt nach Berlin antreten, der gestern erneut direkt gewählte heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy: Das Erststimmenergebnis hat er gegenüber 2009 verbessert, von seiner Partei, die bei den Zweitstimmen die Mehrheit im Wahlkreis Nienburg-Schaumburg eingebüßt hat, konnte er sich deutlich absetzen.

veröffentlicht am 23.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:15 Uhr

295699_0_org_270_008_4506972_ri_reinekingcb

Autor

Chefredakteur zur Autorenseite

Man kann es aber auch anders sehen: Zur Freude über das Ergebnis, ja dafür gibt es Anlass; zu Stolz über die fünfte Wiederwahl besteht weniger Anlass. Die Edathysche Tendenz ist eindeutig: Von einst über 50 Prozent der Erststimmen und deutlichem Vorsprung gegenüber den CDU-Kandidaten ist nicht viel an Überlegenheit geblieben. Sein Vorsprung ist am gestrigen Wahlsonntag auf unter vier Prozentpunkte geschmolzen.

Und dass trotz seiner Reputation, die er in Berlin genießt: Als Innenpolitiker und zuletzt als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses, wo es ihm mit seinen Parlamentskollegen gelang, das dunkelste Kapitel jüngster deutscher Geschichte aufzuarbeiten. Eine bemerkenswerte Leistung, die ihm Anerkennung über Parteigrenzen hinweg eingebracht und einen hohen bundesweiten Bekanntheitsgrad beschert hat.

Insofern ist sein gestriges Ergebnis bei Licht besehen doch eher bescheiden, zumal sein Gegenkandidat Maik Beermann als Newcomer auf der Bundestagswahl-Bühne nicht gerade ein politisches Schwergewicht ist.

Weshalb die heimischen Wähler die herausragende Präsenz Edathys in Berlin eher zögerlich honorieren, mag an eben dieser prominenten Stellung in der Bundeshauptstadt liegen: Wer von Fernsehstudio zu Fernsehstudio weitergereicht wird, wer in Ausschüssen arbeitet oder ihnen vorsteht, die so im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen wie der NSU-Ausschuss, der hat eben weniger Zeit, sich im Wahlkreis zu bewähren, bei Schützenfesten und Kindergarteneinweihungen sein Gesicht zu zeigen.

Es liegt letztlich aber auch daran, dass es dem in Rehburg beheimateten Sozialdemokraten nicht immer gelingt, den Wählerinnen und Wählern in den Landkreisen Schaumburg und Nienburg das Gefühl zu vermitteln, dass er sich um sie und ihre Probleme kümmert. Als eher in sich gekehrter Mensch ist Sebastian Edathy nicht gerade der Prototyp des Politikers, mit dem man fröhlich am Tresen steht.

KOMMENtAR




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige