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Der 18-jährige Gabriel de Souza Castro aus Brasilien lebt für ein Jahr bei Familie Buchmeier im Auetal

Wann muss die Oma wieder rasiert werden?

Rolfshagen (la). Die deutsche Sprache hat der 18-jährige Gabriel de Souza Castro aus Brasilien schnell gelernt. Auch wenn manchmal noch etwas daneben geht, wie zum Beispiel die Frage: "Wann muss die Oma wieder rasiert werden?" Damit konnte Sigrid Buchmeier zunächst nichts anfangen. Schließlich bekam sie aber doch heraus, was der Austauschschüler aus dem brasilianischen Städtchen Mucoca in der Nähe von San Paulo meinte. Regelmäßig mäht er bei der Oma seiner Gastfamilie den Rasen, um sich so ein paar Euro Taschengeld zu verdienen und er wollte wissen, wann das wieder ansteht.

veröffentlicht am 19.07.2008 um 00:00 Uhr

Seit Mitte Februar dieses Jahres lebt Gabriel bei Familie Buchmeier in Rolfshagen und fühlt sich ganz wohl dort. "Es ist sehr klein hier, aber gut", stellt der 18-Jährige fest. Das Essen sei ungewohnt - "einfach ganz anders als bei uns" - aber es schmecke ihm. "Er hat auch schon sechs Kilo zugenommen", stellt seine Gastmutter zufrieden fest, die gern gutbürgerliche deutsche Küchekocht. Recht kurzfristig hat die Familie Buchmeier beschlossen, einen Austauschschüler aufzunehmen. "Unsere 16-jährige Tochter Katlen wollte nicht ins Ausland und als Alternative schlug unsere Große vor, einen Austauschschüler bei uns aufzunehmen", erzählt Sigrid Buchmeier. Die Große ist die 24-jährige Tochter Farina, die nicht mehr bei den Eltern wohnt. Die Familie bewarb sich bei der Organisation AFS in Hamburg, wurde "unter die Lupe" genommen und für "tauglich" befunden, einen Austauschschüler aufzunehmen. Dann hatten die Buchmeiers die Wahl: Ein Mädchen oder eine Jungen? Aus welchem Land sollte der Austauschschüler kommen? "Wir haben uns spontan für einen ,Latin-Lover´ entschieden", sagt die Gastmutter lachend und so kam Gabriel ins Auetal. In Brasilien besuchte er zunächst einen zweimonatigen Sprachkurs und in den ersten vier Monaten in Rolfshagen musste er zwei Mal pro Woche nach Hannover, um Deutsch zu lernen. "Das war etwas umständlich, weil ich Gabriel immer nach Bückeburg fahren musste. Von dort fuhr er mit der Bahn nach Hannover", so Sigrid Buchmeier. Inzwischen hat sich der 18-Jährige gut bei den Buchmeiers eingelebt und spricht schon erstaunlich gut Deutsch. Gemeinsam mit Katlen besucht er das Gymnasium Ernestinum, obwohl er in Brasilien seine Schulpflicht bereits erfüllt hat. "In Brasilien ist die Schule viel schwieriger", stellt Gabriel fest. Trotz der fremden Sprache falle es ihm leicht, am Unterricht teilzunehmen. Nach Deutschland sei er vor allem deshalb gekommen, um Deutsch zu lernen. "Ich möchte später mal in unserer Regierung arbeiten und da ist die Deutsche Sprache sehr wichtig", erklärt Gabriel. Er habe schon viel erlebt in dem fremden Land. Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt und München hat er schon gesehen. Mit dem Gymnasium war er in Bergen-Belsen und erst kürzlich waren seine Mutter und seine Schwester in Deutschland zu Besuch. Sie unternehmen eine zehntägige Rundreise durch Europa und haben ihren Sprössling im Auetal besucht. Ein besonderes Erlebnis hatte Gabriel bereits nach kurzer Zeit in Rolfshagen. Er sah zum ersten Mal in seinem Leben Schnee. "Es ist schwierig, aus Rolfshagen wegzukommen, um etwas zu unternehmen", sind sich Katlen und Gabriel einig. Trotzdem sind sie am Wochenende viel unterwegs. "Wir gehen in die Disco oder treffen uns mit Freunden. Aber auch nicht immer zusammen", so Katlen. Gabriel hat schnell einen eigenen Freundeskreis gefunden. Auch deshalb, weil Mutter Sigrid ihn sofort nach seiner Ankunft beim SC Auetal angemeldet hat. Hier spielt er in der erfolgreichen A-Jugendmannschaft Fußball und ist mit dem Team Kreismeister geworden. Natürlich nahm er auch an der gemeinsamen Mannschaftsreise nach München teil. "Das Bier schmeckt in Deutschland einfach klasse", sagt der 18-Jährige zu seiner Erinnerung an die bayerische Großstadt. 200 Euro Taschengeld bekommt Gabriel pro Monat von seiner Mutter. Dazu Fahrgeld für größere Ausflüge und "Klamottengeld". Kost und Logie hat er bei den Buchmeiers frei. "Gabriel hat ein eigenes Zimmer und ich denke, dass er auch wirklich genug zu essen bekommt", sagt Sigrid Buchmeier augenzwinkernd. Und was hat die Rolfshagener Familie davon, den Austauschschüler aus Brasilien aufgenommen zu haben? "Es ist nett und eine neue Erfahrung", sagt Katlen. "Und unsere Katlen muss damit umgehen, dass sie nicht mehr immer die erste Geige in der Familie spielt. Das tut ihr auch mal ganz gut", so Mutter Buchmeier. Geld bekommt die Familie von der Organisation AFS nicht und Katlen wird auch nicht für ein Jahr nach Brasilien gehen, aber sie haben alle gemeinsam eine Menge Freude. "Ich bin sicher, dass wir auch später noch einmal einen Austauschschüler bei uns aufnehmen werden", sagte Sigrid Buchmeier.




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