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Ausstellung im Museum reflektiert das Kommen, das Sein und das Vergehen der Schaumburg Tracht

Warum die Tracht einst untragbar wurde

Bückeburg (bus). Über das Kommen, das Sein und das Vergehen der Schaumburger Tracht existieren etliche Gerüchte. Nüchtern betrachtet kursieren aber vor allem viele Äußerungen, die fachlich weder stichhaltig noch belegbar sind. „Es gibt in diesem Zusammenhang nicht viel Handfestes“, betonte Sigmund Graf Adelmann während der Eröffnung der Ausstellung „Nach Neuem Trachten – Fotografien aus dem Schaumburger Land“. Umso lobenswerter sei es, dass die Hochschule Hannover sich des Themas angenommen hat. „Die Präsentation verdeutlicht Einzelheiten der Tracht in einer Qualität, die man sonst geflissentlich übersieht.“

veröffentlicht am 08.12.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:21 Uhr

Das von Stefanie Sembill (Kuratorin der Niedersächsischen Landesvertretung beim Bund in Berlin), angeregte, von Knut Volkmar Giebel (Fotografie-Dozent an der Hochschule Hannover) begleitete und von der Schaumburger Landschaft betreute Projekt „Nach Neuem Trachten“ hat als erstes Resultat eine Reihe fotografischer Darstellungen zutage gefördert, die in einer gleichnamigen Publikation veröffentlicht wurden. Die großformatigen Bilder des Katalogs waren bereits in Berlin und in Brüssel zu sehen. „Dass sie jetzt in Bückeburg vorgestellt werden, erfüllt uns mit großer Freude“, gab Bürgermeister Reiner Brombach zu verstehen. Die Ausstellung stelle ein weiteres Glanzlicht in der neueren Geschichte des jüngst aus dem Dornröschenschlaf erweckten Hauses dar.

Die zahlreichen Besucher der Vernissage erhielten von Graf Adelmann einen detaillierten Einblick in die Vorgeschichte des Projekts. Dreh- und Angelpunkt des Vorhabens ist ein 1958 im Akademie-Verlag der ehemaligen DDR erschienener Bildband. Damals legte der in Ost-Berlin ansässige Verlag eine Reihe mit dem Titel „Trachten in Deutschland“ auf, deren erster Teil den Schaumburger Trachten gewidmet war. „Seinerzeit wurde dort noch gesamtdeutsch gedacht“, erläuterte der Geschäftsführer der Schaumburger Landschaft.

Angestoßen worden war die Publikation durch den Fotografen Rolf Lücking, der in den frühen 1950er Jahren sein Herz für die hiesige Traditionsbekleidung entdeckt hatte. Bei Lücking handelte es sich aber keineswegs, wie zunächst von Adelmann vermutet, um einen ostzonalen Parteibonzen, sondern um einen in West-Berlin lebenden Professor für Fotografie.

„Nachdem der Kontakt zu dem großen Charmeur hergestellt worden war, haben wir ein neues Buch mit Fotos von authentischen Trachtenträgerinnen veröffentlicht“, erläuterte Adelmann und fügte hinzu: „Im 19. Jahrhundert sind die Trachten fast überall, aber nicht in Schaumburg ausgestorben. Hier gab es gewissermaßen eine Explosion der Tracht. Das wird mal damit begründet, dass zu jener Zeit das Selbstbewusstsein der Bäuerinnen gewachsen ist, ein anderes Mal darauf zurückgeführt, dass der Einsatz von Kunstdünger den Reichtum der Bauern enorm beflügelt hat.“ Es müsse aber auch noch etwas anderes hinter der modischen Detonation gesteckt haben. „Vielleicht hat sich eine Frau gesagt, ich mache meine Schleife jetzt größer.“ Im Endeffekt habe die Entwicklung, den Wucherungen einer Krankheit gleich, dazu geführt, „dass die Trachten letztlich untragbar wurden“. Gleichwie bleibe die Schaumburger Tracht ein außergewöhnliches Phänomen, das man nicht erforschen könne. „Dazu gibt es keine Quellen.“

Adelmann ließ die Vernissagegäste überdies wissen, dass das Trachtenprojekt unter dem Namen „Nach Neuem Trachten II“ gegenwärtig eine Fortsetzung erfährt. Modedesigner der hannoverschen Hochschule hätten sich der Thematik angenommen.

Hinweis: „Nach Neuem Trachten“ ist im Museum Bückeburg, Lange Straße 22, bis Sonntag, 23. Dezember, sowie von Dienstag, 8. Januar, bis Donnerstag, 31. Januar 2013, in Augenschein zu nehmen. Das Museum ist von Mittwoch bis Sonntag in der Zeit von 13 bis 17 Uhr eintrittsfrei geöffnet. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter (05722) 4868.

Museumsleiterin Dr. Anke Twachtmann-Schlichter und Sigmund Graf Adelmann eröffneten die Ausstellung „Nach Neuem Trachten – Fotografien aus dem Schaumburger Land“ (Bild oben).

Die Fotodokumentation enthält auch eine von Knut Giebel beigesteuerte Aufnahme, die das Fürstenpaar in bäuerlicher Bückeburger Kirchtracht zeigt.

Fotos: bus/pr.




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