weather-image
12°
×

Interview mit Dr. med. Horst-Helmut Krause, Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt der Inneren Abteilung

Warum Frauen "Männergesundheit" interessieren sollte

Herr Dr. Krause, auf Ihre Initiative hin ist das Zentrum für die Gesundheit des Mannes am Kreiskrankenhaus Rinteln gegründet worden. Was waren Ihre Beweggründe?

veröffentlicht am 13.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

In den vergangenen Jahrzehnten ist es ein gesellschaftspolitischer Schwerpunkt gewesen, auf die Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft hin zu arbeiten. Dieses Politikziel ist legitim und auch in Zukunft unterstützenswert. Aber allzu oft sind dabei Gleichstellung und Gleichheit miteinander verwechselt worden. Gleichstellung von Mann und Frau wird aber nur dann wirklich erreicht werden können, wenn die tatsächlich bestehenden Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht verleugnet werden. Und dass esUnterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, wird doch ernsthaft niemand verleugnen - oder? Da haben Sie gesellschaftspolitische Gründe angeführt - aber was hat das mit Gesundheit oder Krankheit zu tun? Auch in gesundheitlicher Hinsicht gibt es riesige Unterschiede. Nicht zuletzt zeigt sich das in der um mehrere Jahre geringeren Lebenserwartung von Männern im Vergleich zu der von Frauen. Aber ist das denn nicht anlagebedingt und deshalb eigentlich gar nicht zuändern? Ein genetisch bedingter Anteil ist wohl dabei. Aber der Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass der Unterschied in der Lebenserwartung so groß wie derzeit bei uns in Deutschland nicht sein muss. Und worin liegen Ihrer Meinung nach die Gründe für die Übersterblichkeit von Männern? Dafür gibt es mehrere Faktoren. Ein wesentlicher Grund für die Unterschiede in Krankheitshäufigkeit und Lebenserwartung ist die unterschiedliche Wahrnehmung von Krankheitsanzeichen. Und diese hängt ganz eng mit dem Selbstbild von Männern, dem männlichen Image also, zusammen. Krankheit gilt noch immer zu oft als Schwäche. Und Schwäche bei sich selbst zuzulassen, gehört nicht zu den Stärken von Männern. Woran machen Sie das fest - das mit der problematischen Krankheitswahrnehmung? Ganz eindeutig ist das am Vorsorgeverhalten von Männern zu erkennen und am Umgang mit ihren Krankheiten, wenn sie denn schon aufgetreten sind. Aber dazu werde ich in meinem Vortrag noch Näheres sagen. Und dann ist da noch der Stress. Aber haben Frauen - Ihrer Meinung nach - denn keinen Stress? Sicherlich haben auch Frauen Stress, aber das männertypische Verhalten, mit Stress umzugehen - sei es im beruflichen, sei es im privaten Bereich - ist eben doch anders als bei Frauen. Es ist zum Beispiel mittlerweile gut bekannt - Professor Goeschel vom Institut für Sozialforschung Marquartstein hat darüber viel gearbeitet - dass Männer in Scheidungssituation außerordentlich krankheitsanfällig sind. Auch die Alkohol- und Drogenproblematik hängen mit der Stressbewältigung oder besser gesagt mit der Unfähigkeit zu verträglicher Stressbewältigung eng zusammen. Und das wirkt sich selbstverständlich direkt auf die Erkrankungshäufigkeit zum Beispiel von Lebererkrankungen und die dadurch bedingte Übersterblichkeit von Männern aus. Unter Männergesundheit stellt man sich landläufig vor allem vor, dass es um die Prostata und vielleicht auch um Potenzprobleme geht. Ja, das stimmt, aber Männergesundheit ist eben mehr als die Lehre von Krankheiten, die nur bei Männern vorkommen können. Männergesundheit thematisiert auch und ganz besonders, wie sich Krankheiten ganz speziell bei Männern äußern, wie Männer damit heute umgehen, und wie sie damit umgehen sollten, um das männerspezifische Gesundheits- und Erkrankungsrisiko zu vermindern. In dem Untertitel Ihres Vortrages sprechen Sie auch Frauen als mögliche interessierte Zuhörerinnen an. Warum glauben Sie, dass Frauen ein Vortrag über Männergesundheit interessieren könnte? Ich wünsche mir jedenfalls, dass auch möglichst viele Frauen zu unserer Veranstaltung kommen, denn ich weiß, dass wir einstweilen zum Thema Gesundheit viele Männer nur über ihre Frauen erreichen können. Jedenfalls müssen wir diese Schiene nutzen, bis Männer gelernt haben, sich selbst mehr für Ihre Gesundheit zu interessieren, selbst für ihre Gesundheit verantwortlich zu sein und es mit ihrem Image vereinbaren zu können, krank werden zu können, also ohne Imageverlust krank werden zu dürfen. Wie lange, glauben Sie, werden Sie brauchen um dieses Ziel zu erreichen? Darüber will ich nicht spekulieren. Aber mit unserer Veranstaltung werden wir einen wichtigen ersten Schritt auf diesem Weg machen.




Anzeige
Anzeige