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Feuerwehrmann wundert sich über Notfalleinsatz

„Warum kam der Notarzt so spät?“

Erst nach gut einer halben Stunde sei bei einem Einsatz ein Notarzt angekommen, wundert sich Feuerwehrmann Norbert Heider. Das hätte bei einem akuten Notfall schlimm enden können. Und dann kam am Ende auch noch ein Notarzt extra aus Lemgo angefahren. „Haben wir hier denn keine Ärzte mehr?“, ärgert sich der Krankenhäger nun. Die SZ/LZ hat nachgefragt.

veröffentlicht am 05.12.2017 um 17:55 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 18:40 Uhr

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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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KRANKENHAGEN. Norbert Heider ist einer, der sich gern in der Feuerwehr engagiert: „Wenn der Pieper geht, bin ich bereit“, sagt der Krankenhäger. Und so war er auch am vorvergangenen Freitagabend an der Feuerwehrwache, als der Alarm losging.

Den Alarm lösten Sanitäter aus, berichtet Heider später. Der Grund: Ein Mann musste aus dem oberen Stockwerk eines Wohnhauses in einen Krankenwagen gebracht werden. Bei schwergewichtigen Patienten wird von Sanitätern immer öfters die Feuerwehr dazugerufen, beispielsweise um eine Leiter einzusetzen. Innerhalb von zehn Minuten, schätzt Heider, war die Feuerwehr vor Ort.

Doch was den Krankenhäger wunderte: Der Notarzt war noch nicht da. „Dabei wurde er gleichzeitig mit den Sanitätern alarmiert“, sagt Heider gegenüber der Zeitung.

Als der Notarzt kam, staunte Heider noch einmal, denn der Arzt kam nicht aus Rinteln, obwohl die Stadt eine eigene Rettungswache mit Notarzt-Besetzung hat, sondern hatte ein „LIP“-Kennzeichen am Auto und kam laut Aussage der Sanitäter aus Lemgo.

„Haben wir hier denn keine Ärzte mehr?“, ärgert sich der Krankenhäger nun. Wie könne es sein, dass ein Arzt eigens aus Lemgo kommen müsse? Gäbe es einen anderen Notfall, müsste er ja wiederum nach Lemgo zurückfahren – und das würde wieder Zeit kosten. Heider schätzt, dass es zwanzig Minuten „mindestens“ dauerte, bis der Notarzt eintraf. Schließlich hätten zuerst die Sanitäter ankommen müssen, die hätten die Feuerwehr alarmieren müssen, die seien innerhalb von zehn Minuten vor Ort gewesen, hätten die Lage sondiert, und erst dann sei der Notarzt eingetroffen.

„Ich war entsetzt“, so Heider. Der Mann war im Badezimmer gefallen, berichteten ihm die Feuerwehrkollegen. Er sagt, der Mann sei nicht ansprechbar gewesen, als die Sanitäter eintrafen. „Was, wenn der Mann es mit dem Herzen gehabt hätte?“, fragt sich Heider nun. Wenn ein Notarzt dann erst in einer halben Stunde kommt, kann es zu spät sein.

Ganz so will das der Landkreis Schaumburg naturgemäß nicht stehen lassen. Der Einsatz der Notärzte wird über die Rettungsstelle des Landkreises zentral geregelt. Als Beauftragter für Rettungsdienst und Krankentransport ist wiederum das DRK zuständig.

Natürlich gebe es die berühmte Hilfsfrist von 15 Minuten, erläutert Anja Gewald von der Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage. Die besagt: Das erste sogenannte ersteintreffende Rettungsmittel muss in mindestens 95 Prozent der Fälle in 15 Minuten oder weniger am Einsatzort sein. Das kann ein Norarzt sein – aber ebenso auch Rettungssanitäter.

„In diesem Fall waren die Sanitäter innerhalb von vier Minuten vor Ort, also sehr schnell“, sagt Gewald. Innerhalb der ersten Minuten hätten die Sanitäter außerdem entschieden, dass zusätzlich ein Notarzt erforderlich sei.

Die Einsatzregelung läuft über die Rettungsleitstelle in Stadthagen. Für jeden Einsatzort gebe es eine Rangfolge, welcher Notarzt zuerst angefragt wird. „Das geht rein nach Entfernung“, so Gewald.

Zuerst sei also der Notarzt in Rinteln angefragt worden; der sei jedoch selber im Einsatz gewesen. Genauso der Kollege aus Stadthagen. Dritter in der Rangfolge war der Notarzt in Hameln, der jedoch ebenfalls im Einsatz gewesen sei. Also sei Lemgo angefragt worden. Der braucht natürlich seine Zeit, um die gut 30 Kilometer bis nach Krankenhagen zurückzulegen. Doch so lange Sanitäter innerhalb weniger Minuten vor Ort sind, sieht der Landkreis darin kein Problem.

Auch der Rintelner Notarzt ist über Kreisgrenzen hinaus im Einsatz, unterstützt im Nordkreis ebenso wie im Landkreis Hameln-Pyrmont sowie in nahe gelegenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen. Dass rund um Lemgo mal ein Arzt mit „RI“-Kennzeichen am Einsatzort vorfährt, ist also nicht unwahrscheinlich.

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