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Gewaltsamer Tod

Was den Fall Susanna so besonders macht

Wiesbaden (dpa) - Der gewaltsame Tod der 14-jährigen Susanna ist in mehrfacher Hinsicht ein ungewöhnlicher Kriminalfall. Er heizte die gesellschaftliche Debatte um Flüchtlinge an und löste diplomatische Verwicklungen mit dem Irak aus.

veröffentlicht am 12.03.2019 um 10:20 Uhr
aktualisiert am 16.03.2019 um 09:20 Uhr

In einem Verhandlungssaal des Landgerichts Wiesbaden findet der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 14-jährigen Susanna statt. Foto: Boris Roessler

Außerdem gab es Kritik an der Arbeit der Polizei, der Einsatz beschäftigte im Nachgang zwei Landtage.

Der Fall Susanna und die Diplomatie

Der Angeklagte Ali B. hatte sich kurz nach der Tat mit seiner Familie in den kurdisch kontrollierten Nordirak abgesetzt. Er wurde von kurdischen Sicherheitskräften gefasst und von der Bundespolizei nach Deutschland überführt. Der Behördenchef Dieter Romann reiste dazu persönlich ins irakische Erbil. Die Abschiebung wurde von der irakischen Zentralregierung in Bagdad als Rechtsverstoß kritisiert. Es gebe kein Auslieferungsabkommen zwischen dem Irak und Deutschland.

Der Fall Susanna und der Bundespolizei-Chef

Nach einer Anzeige hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt Ermittlungen gegen Bundespolizei-Präsidenten Romann eingeleitet, die jedoch inzwischen eingestellt wurden. Für den Vorwurf der Freiheitsberaubung gebe es keinen hinreichenden Tatverdacht, hatte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft im Januar 2019 erklärt.

Der Fall Susanna und die Flüchtlingsdebatte

Nach dem Fund der toten Susanna gab es sowohl Gedenkveranstaltungen, bei denen still um das Mädchen getrauert wurde, als auch Mahnwachen, die sich gegen illegale Einwanderung richteten. Der angeklagte Ali B. war 2015 aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Sein Asylantrag wurde Ende 2016 abgelehnt. Nach der Klage eines Anwaltes lag der Fall beim Verwaltungsgericht. Ali B. war bei der Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Allerdings hatte es nach Auskunft hessischer Sicherheitsbehörden trotz mehrerer Verdachtsfälle keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Untersuchungshaft gegeben.

Der Fall Susanna und die große Politik

Die Sicherheitsdebatte rund um den tatverdächtigen Flüchtling beschäftigte auch die Bundespolitik. Kanzlerin Angela Merkel sagte in einem Fernsehinterview: «Der Fall zeigt doch, wie wichtig es ist, dass die Menschen, die keinen Aufenthaltsstatus haben, schnell ihr Verwaltungsgerichtsverfahren bekommen und schnell wieder nach Hause geschickt werden können.»

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte im unionsinternen Streit um die Asylpolitik, er habe den Eindruck, man habe bei der Migrations- und Sicherheitspolitik nicht alles im Griff. Deshalb sei in ihm die Überzeugung gewachsen, es müsse gehandelt werden, erklärte er ebenfalls in ein einem Fernsehinterview und erwähnte in dem Zusammenhang auch den Fall Susanna, der ihn «aufgewühlt» habe.

Der Fall Susanna und der Polizeieinsatz

An der Arbeit der Polizei war Kritik laut geworden. Unter anderem ging es um die Frage, ob die Leiche früher hätte gefunden werden können, wenn die Beamten umfassender nach dem Mädchen gesucht hätten. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) verteidigte im Landtag in Mainz den Einsatz: Alle rechtlich zulässigen und taktischen Maßnahmen seien zeitgerecht ergriffen worden. Auch sein hessischer Amtskollege Peter Beuth (CDU) sah keine Versäumnisse der Ermittler.




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