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Historische Wanderung im Kurpark / Am Sonntag zweiter Durchgang

Was sich an einem früheren "Stinkeplatz" entwickelt hat ...

Bad Eilsen (sig). Es gibt nur wenige Orte in Deutschland, die in 200 Jahren eine so wechselvolle Geschichte erlebt haben wie Bad Eilsen. Mit ihr befasste sich Friedrich Winkelhake bei einer Führung, die am morgigen Sonntag, 15 Uhr, ab Rathaus, fortgesetzt wird. Beim ersten Teil begleiteten den Chef des Heimat- und Kulturvereins 35 Mitwanderer.

veröffentlicht am 23.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:21 Uhr

Zu Beginn befasste sich Winkelhake mit der Keimzelle des Ortes. Das waren nur sieben Bauernhöfe. Nur den Schwefelquellen ist es zu danken, dass aus der Siedlung ein weltbekanntes Heilbad wurde. Dass mancher das Quellgebiet früher als "Stinkeplatz" bezeichnete und über den Geruch die Nase rümpfte, konnte die Entwicklung nicht stoppen. Für die Initialzündung sorgte Fürstin Juliane. Sie ließ die Quellen von einem Spezialisten analysieren, erwarb die Ländereien. 1802 entstand ein Badehaus. Zeitgleich wurden in Eilsen auch Schlammbäder verabreicht. Durch den Bau des "Fürstenhofs", des Badehotels samt Kursaal und den Bau der Bahnstrecke von Bückeburg nach Bad Eilsen setzte sich der Aufschwung rasant fort. Bei der Führung durch die Bahnhofstraße erinnerte Winkelhake daran, dass gegenüber der heutigen Christuskirche 1817 die Sparlade von Friedrich Witte gegründet wurde. Dessen Familie leitete den Vorläufer der Sparkasse bis 1918. Daneben befand sich bis 1934 eine Lederfabrik, deren mit Lohe gefüllte Bottiche in die Erde eingelassen waren. "Wo ein neuer Lebensmittelmarkt entstehen soll, gab es die Eilser Handwerkermeile", so der Chef des Heimat- und Kulturvereins. Dazu gehörten die Schmiede Honebein, eine gleichnamige Schlosserei, die Tischlerei Bokeloh und die Schlosserei Jäger. Im Bereich Bergkurpark befand sich die Ziegelei Keyser. Nur wenige erinnern sich, dass 1948 auf dem Gelände des heutigen Pfarrhauses in einer Baracke der umgesiedelten Focke-Wulf-Werke eine Notkirche eingerichtet wurde. Da war der Ort von der britischen Luftwaffe besetzt. Am Birkenweg gab es in der Nazizeit ein "Arbeitserziehungslager" mit Polen, Ukrainern und einigen Deutschen. Winkelhake zeigte den Stolleneingang, hinter dem einst die Focke-Wulf-Werke arbeiteten. Hier suchten Menschen bei Luftalarm Schutz. Hermann Göring hatte 1941 alle Einrichtungen des Bades beschlagnahmt, um 2000 Flugzeugbauer unterzubringen. Nichts mehr zu sehen ist vom Ausflugslokal "Wilhelmshöhe", das Haltepunkt der Kleinbahn war. Auf dem Rückweg durchs Villenviertel erinnerte Winkelhake an die Augenärzte Graf Wiser und Dr. von Tippelskirch sowie an Badearzt Dr. Faber, dessen jüdische Gattin im KZ endete.




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