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Bataillon hat sich nach 63 Jahren aufgelöst

Was wird aus dem Vereinsheim der Einwohnerschützen?

RINTELN. „Ein Schießabend nur mit dreieinhalb Leuten, das kann es nicht sein“, meinte eine Stimme aus den Reihen der Mitglieder bei der letzten Versammlung der Einwohnerschützen und brachte damit auf den Punkt, was letztlich zum Ende des traditionsreichen Bataillons geführt hat.

veröffentlicht am 08.03.2018 um 16:30 Uhr
aktualisiert am 08.03.2018 um 17:47 Uhr

Das Vereinsheim mit Schießsportanlage auf dem Steinanger war 63 Jahre lang Heimat für das Einwohnerschützen-Bataillon. Foto: who

Autor:

Werner Hoppe und Hans Weimann
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RINTELN. „Ein Schießabend nur mit dreieinhalb Leuten, das kann es nicht sein“, meinte eine Stimme bei der letzten Versammlung der Einwohnerschützen und brachte damit auf den Punkt, was letztlich zum Ende des traditionsreichen Bataillons geführt hat. Im Vereinsheim auf dem Steinanger ist es still geworden; und es wird in diesem Frühjahr keine reguläre Jahreshauptversammlung mehr geben und auch kein Anschießen. Das Einwohnerschützen-Bataillon hat sich nach 63 Jahren bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aufgelöst.

Die Spannung war spürbar und auch Wehmut und Bedauern, als Simone Sprick die letzte Versammlung eröffnete. Sechs Jahre lang war die Tochter des legendären Schützenobersten Wilfried Stock Vorsitzende der Schützen vom Steinanger gewesen. Versammlungen hatte sie seitdem zwar schon einige geleitet, aber eben noch keine wie diese. Darum half der Vizepräsident des Kreisschützenverbandes Schaumburg, Ewald Stemme, als Berater aus.

Eine Vereinsauflösung zu begleiten, das sei wirklich kein Tagesgeschäft, bekannte Stemme. Die Auflösung eines Vereins, klärte er auf, müsse durch eine Zweidrittelmehrheit der Mitglieder beschlossen und die Liquidierung durch den amtierenden Vorstand abgewickelt werden. Da das Votum für die Auflösung bereits im Vorfeld von den Mitgliedern erfragt worden war, schien das Ergebnis festzustehen. Die Überraschung kam bei der Auswertung des Abstimmungsergebnisses. Keine Zweidrittelmehrheit, das reicht nicht, stellten der Einwohnerschützen-Vorstand und der Vizepräsident fest. Unter anderem hätten „Leute, die nie oder nur selten da waren“ mit Nein gestimmt, kommentierte der Vorstand den Ausgang; Stemme monierte obendrein, mitgestimmt für Nein hätten laut seiner offiziellen Liste auch solche Mitglieder, die dem Kreisschützenverband nicht mehr als solche gemeldet seien.

Ein Schützenverein wird nicht alle Tage aufgelöst. Ewald Stemme, Vizepräsident des Kreisschützenverbandes, gibt Simone Stock, Vorsitzende des Bataillons seit sechs Jahren, Tipps zum Verfahren. Foto: who
  • Ein Schützenverein wird nicht alle Tage aufgelöst. Ewald Stemme, Vizepräsident des Kreisschützenverbandes, gibt Simone Stock, Vorsitzende des Bataillons seit sechs Jahren, Tipps zum Verfahren. Foto: who

Aufgrund der ungeklärten Verhältnisse gestattete der Vizepräsident eine Wiederholung der Abstimmung, die dann das zuvor erwartete Ergebnis brachte.

Das Einwohnerschützen-Bataillon Rinteln ist damit Geschichte und eine Ära zu Ende gegangen, die mit der Trennung vom heutigen Verein Bürgerschützen Rinteln von 1450 und mit der Suche nach einem eigenen Vereinsheim, möglichst mit Schießsportanlage, begann. Letzteres war schon zwei Jahre später gefunden, als die Kyffhäuserkameradschaft Rinteln ihre 1930 gebaute Anlage auf dem Steinanger den Einwohnerschützen zur Verfügung stellte. Nachdem beide Vereine zunächst Unterkunft und Schießstand über viele Jahre gemeinsam genutzt hatten, übernahm das Bataillon die Einrichtungen später in Eigenregie. Die Anlage auf dem Steinanger war seitdem Mikrokosmos und Heimat für den Verein, der bis Mitte der 1960er-Jahre sogar einen eigenen Fanfarenzug mit Wilfried Stock als Tambourmajor hatte und als Novum im Rintelner Schützenwesen eine aktive Damengruppe aufbaute.

Die Vereinsauflösung soll von Tanja Stock und Ilona Klein als Liquidatorinnen zu Ende gebracht werden. Dieses Verfahren könne sich über viele Monate hinziehen, kündigte Stemme an. Was mit dem Vereinsheim werden wird, das Einwohnerschützen vor Jahren umgebaut und renoviert haben, ist noch ungewiss.

Einen Interessenten für das Heim hat es bereits gegeben: den Deutschen Amateur-Radio-Club, der auch in Rinteln Mitglieder hat. Wie Ingo Maentel aus Friedrichswald schilderte, habe man bei der Stadtverwaltung nachgefragt. Aber um das Gebäude nutzen zu können, müsste am Steinanger eine Antennen-Anlage aufgebaut werden. Darüber habe es dann keine Einigung gegeben.

Bereits im Jahr 1998 stand das Schützenhaus am Steinanger zur Diskussion. Idee war, die Einwohnerschützen ziehen mit auf den Schießstand der Bürgerschützen ins Eichenwäldchen, damit das Gelände am Steinanger frei wird. Im Gegenzug wäre die Stadt bereit gewesen, sich bei der Modernisierung des Schießstandes im Eichenwäldchen zu engagieren. Aus zwei Gründen hat sich die Sache zerschlagen: Die Vorstände von Einwohnerschützen wie Bürgerschützen konnten ihre Mitglieder nicht von diesem Modell überzeugen. Das hatte sich dann ohnehin erledigt, weil auch die geplante Bebauung des Steinangers nicht zu realisieren war. Grund dafür: Hochwasserschutz.




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