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Kiesteiche rund um Rinteln privat oder gesperrt / Baden in der Weser erlaubt, aber auf eigenes Risiko

Wasser istüberall - aber Baden meist verboten

Rinteln (wm). 32 Grad im Schatten und nur ein Gedanke: Ab ins kühle Nass. Was in der Weserstadt kein Problem sein dürfte, Wasserflächen gibt es hier ringsum überall, dazu die Weser vor der Haustür - soweit die Theorie. In der Praxis zeigt sich nämlich sehr schnell, dass es in Rinteln genau genommen nur drei Bademöglichkeiten gibt - legal und sicher, versteht sich: das Freibad am Weseranger, den Doktorsee und den Helenensee.

veröffentlicht am 29.07.2008 um 00:00 Uhr

Baden in der Weser? Kein Problem, sagt Hans-Jürgen Westermann, Leiter der Bauabteilung beim Wasser- und Schifffahrtsamt Minden, "wenn Sie ausgezeichnet schwimmen können und das auf eigenes Risiko tun". Verboten sei es nicht, dafür an manchen Stellen aufgrund der starken Strömung, vor allem Querströmung, ziemlich gefährlich. Und das Wissen, wo man gefahrlos in der Weser bei Rinteln baden könne, sei leider im Laufe der Generationen verloren gegangen. Und dann gibt es noch ein Hindernis: Wie zum Weserufer kommen, zu den kleinen Sandbuchten - durch die mannshohen Brennnesselwüsten? Sorry, erklärt Westermann, das sei eben Naturschutz. Er lässt durchblicken, wenn es nach dem Wasser- und Schifffahrtsamt gegangen wäre, würde die Uferschlagde weiterhin von Landwirten genutzt und damit sauber gehalten - "aber so einfach ist das nicht mehr". Baden in der Weser? Bitte, wenn Sie gerne Roulette spielen, warnt Dr. Uwe Krusche, Leiter des Gesundheitsamts Schaumburg in Stadthagen. Kühe und Pferde, Füchse und anderes Getier nutzen die Weser als Kloake, und ob man gerade in einem kontaminierten Wasserschwall mit Fäkalien schwimme oder in sauberem Weserwasser, sei letztlich Glückssache. Zumindest vor Radioaktivität aus dem Kernkraftwerk Grohnde, das mit Weserwasser gekühltwird, müsse man sich allerdings nicht fürchten. Die Werte würden täglich von einer Messstation in Rinteln kontrolliert. Blieben also theoretisch die unzähligen Kiesteiche rund um Rinteln für einen erfrischenden Sprung ins kühle Nass. Keine gute Idee, schränkt Peter Balsmeyer ein, einer der drei Vorsitzenden des Fischereivereins. Denn die meisten Seen, genau 13 mit rund 120 Hektar Teichfläche, hat der Fischereiverein gepachtet und dort ist Baden verboten. So unter anderem im Kiesteich am Sportplatz Möllenbeck und in den Sassenbergschen Kiesteichen am Rande der Südstadt. Nicht ohne Grund, argumentiert Balsmeyer: Der Fischereiverein bezahle viel Geld für die Pacht oder sei sogar Eigentümer der Seen. Würde er Baden erlauben, müsste erauch die Haftung bei Unfällen übernehmen. Bei den Risiken unvorstellbar - und Balsmeyer zählt auf: In den älteren Kiesseen seien früher, als Umweltschutz noch kein Thema war, ganze Förderanlagen einfach im See versenkt worden, wo die genau liegen, wisse niemand. An den Ufern gebe es Steilabbrüche, wo es sofort bis auf zehn Meter Tiefe abgeht - lebensgefährlich für unsichere Schwimmer. Und die Temperaturunterschiede - nichts für kreislauflabile Leute. Aber im Kiesteich Engern sieht man häufig Leute im Wasser. Stimmt, bestätigt Engerns Ortsbürgermeister Dieter Horn, aber nur "Anteilseigner von Grundstücken" und ihre Gäste. Und das funktioniert so: Ausschließlich in Ahe, Engern oder Kohlenstädt wohnhafte Bürger können einem Verein beitreten, der die Uferzone des Kiesteichespflegt - baden, so Horn, sei eigentlich Nebensache. Gezahlt werden muss ein Aufnahmebeitrag und später Umlagen für die laufenden Pflegemaßnahmen. Ein Sicherheitsdienst überwache den Kiesteich und lasse sich die Ausweise der Leute zeigen, die sich dort am Ufer aufhalten. Einähnliches Modell soll an einem der neuen Kiesteiche in Hohenrode verwirklicht werden. Aber nicht vor 2010, schränkt Ortsbürgermeister Helmut Dörjes ein. Geplant seien eine Liegewiese und ein Strand - beides eingezäunt, die Zuwegung für Fahrzeuge gesperrt und nur zugänglich nach dem Engerschen Modell, also für Bürger aus Hohenrode und deren Gäste, beispielsweise Jugendliche, die auf dem Reiterhof Ferien machen. Balsmeyer, Horn und Dörjes schildern das grundsätzliche Problem mit "wildem Baden". "Leider, leider", bedauert Dieter Horn, "zeigt sich immer wieder, dass Menschen heute offensichtlich nicht mehr vernünftig mit der Natur umgehen können." Da gebe es ein Paradies und die machten ruckzuck einen Müllplatz daraus. Diese bittere Erfahrung hat auchKieswerkseigner Michael Eggersmann in Varenholz gemacht, wo ebenfalls an den Kiesteichen illegal gebadet wird. In Hohenrode hat man vor vier Jahren erlebt, wie das in der Praxis aussieht, wenn es keinerlei Regulierung oder Kontrollen gibt: Müll und Fäkalien am Ufer, herausgerissene Pflanzen, zugeparkte Wege, Lagerfeuer und Lärm bis weit nach Mitternacht. Ein vom Kieswerk beauftragter Wachdienst machte dem Spuk ein schnelles Ende. Also ab in die Rintelner Badeanstalt: Doch wer bei diesen tropischen Temperaturenüber die Weserbrücke fährt, erblickt derzeit keine Wasserfläche in den Schwimmbecken, sondern Menschenmassen. Das mit der Abkühlung könnte ja noch klappen, aber schwimmen? Also zum Doktorsee: Noch kein Problem, versichert Dr. Uwe Krusche, Leiter des Gesundheitsamtes. Zwar gebe es dort Algen, aber die Situation sei unbedenklich. Es empfehle sich nur nicht, das Wasser zu schlucken - aber da gebe es ja auch bessere Getränke. Oder zum Helenensee: Außer Campern seien am See auch andere Badegäste willkommen, bestätigte gestern Hoimar von Ditfurth auf Anfrage, der das Familienunternehmen betreibt. Allerdings sei gerade am letzten Wochenende der Ansturm so groß gewesen, dass man zeitweise die Kasse habe schließen müssen. Eine weitere Alternative gibt es noch: Den eigenen Pool im Garten - es muss ja nicht die Luxusausführung sein. Petra Weiß vom Toom-Baumarkt an der Breiten Straße berichtet am Telefon, Pools gingen zurzeit weg wie warme Semmeln. Ab 49,99 Euro kann man sich das Vergnügen gönnen (mit Platz für drei Kinder). Wer 89,99 Euro investiert kann schon in ein Becken mit 3,60 Meter Durchmesser, 96 Zentimeter Wassertiefe abtauchen.




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