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Niedersachsens Minister Bernd Althusmann stellt sich gegen aktuelle Trassenpläne der Deutschen Bahn

„Weder wünschenswert noch sinnvoll“

BÜCKEBURG. „Ich persönlich glaube nicht, dass das in Ihrer Region kommen wird. Es ist weder denkbar, noch ist es wünschenwert oder sinnvoll“: Gleich bei zwei Gelegenheiten hat Bernd Althusmann am Donnerstagnachmittag bei seinem Besuch in Bückeburg diese beiden Sätze gesagt. „Das“ ist die – angedachte – Schnellfahrstrecke der Deutschen Bahn, bei der die Züge auf einer neuen Hochgeschwindigkeitstrasse mit 300 km/h durch das Schaumburger Land fahren würden.

veröffentlicht am 12.10.2018 um 12:19 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 17:20 Uhr

„Es ist für die Region ein Schreckensszenario“: Bei seinem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt macht Bürgermeister Reiner Brombach (l.) Niedersachsens Minister Bernd Althusmann auf die Ängste der Bürger vor einer neuen Schnellbahntrasse durch das Scha

Autor:

THOMAS WÜNSCHE
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BÜCKEBURG. „Ich persönlich glaube nicht, dass das in Ihrer Region kommen wird. Es ist weder denkbar, noch ist es wünschenwert oder sinnvoll“: Gleich bei zwei Gelegenheiten hat Bernd Althusmann am Donnerstagnachmittag bei seinem Besuch in Bückeburg diese beiden Sätze gesagt. „Das“ ist die – angedachte – Schnellfahrstrecke der Deutschen Bahn, bei der die Züge auf einer neuen Hochgeschwindigkeitstrasse mit 300 km/h durch das Schaumburger Land fahren würden (wir berichteten).

Zunächst hatte Bürgermeister Reiner Brombach den niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung bei dessen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt auf die Ängste der Bürger vor der neuen Bahntrasse angesprochen. Bei seinem anschließenden Referat vor der Seniorenunion (SU) im Le-Theule-Saal machte Althusmann dann noch einmal von sich aus den vom Bundesverkehrsministerium vorgestellten Gutachterentwurf zum künftigen Deutschland-Takt der Bahn zum Thema. Beide Male wurde seine Stellungnahme mit Applaus bedacht. Auf das jüngste Szenario einer – möglichen – Trassenführung der Bahn über Rinteln nach Stadthagen ging der Minister dabei nicht ein.

„Ich kann Ihnen hier und heute zwar nicht Ihre Sorgen nehmen. Aber ich kann nur sagen: Diese Pläne widersprechen der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU in Niedersachsen. Wir werden das nicht unterstützen“, so Althusmann. Er könne sich derzeit „in keinster Weise“ einen entsprechenden Ausbau und Neubau von Gleisstrecken vorstellen, bei dem mit Tempo 300 durch die Region gefahren werde. Das sei mit der niedersächsischen Landesregierung „weder abgestimmt noch machbar“. Man wisse zwar, so der Minister, dass es bei der Bahn solche Überlegungen gebe, „aber diese Überlegungen entsprechen nicht dem, was wir in Niedersachsen wollen“. Stattdessen sprach sich Altmusmann dafür aus, an den bisherigen Bahn-Planungen inklusive einer Strecken-Ertüchtigung festzuhalten. Mit Blick auf die Umsetzung des Bundesverkehrswegeplans durch die Deutsche Bahn AG in der Region geht der Minister davon aus, dass es im nächsten Jahr ein „sehr offenes und transparentes Dialogverfahren“ geben werde. Die Menschen würden beteiligt. Sein Verkehrsministerium werde genau darauf achten, dass es nicht zu einer Veränderung der bisherigen Planungen kommen werde. Gleichwohl müsse die Infrastruktur in Niedersachsen ausgebaut werden – auch auf der Schiene. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren dafür dauerten allerdings viel zu lange; bei Autobahnen nicht selten bis zu 50 Jahre. Eine Wirtschaftsnation wie Deutschland könne sich solche Verzögerungen nicht leisten.

„Sie“, so Althusmann abschließend an die Adresse aller Schaumburger, „haben das Land Niedersachsen auf Ihrer Seite.“ Er sei optimistisch, dass sich die Argumente des Landes am Ende durchsetzen werden.

Zuvor hatte Brombach beim Empfang der Stadt das Ohr des Ministers gesucht und deutlich gemacht: „Nahezu die gesamte Bevölkerung ist gegen die Pläne der Bahn. Ebenso die Räte der Städte Bückeburg, Minden, Porta Westfalica, Bad Nenndorf sowie der Gemeinde Haste.“




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