weather-image
×

Klauende Seniorinnen vermissen Aufmerksamkeit: Theaterkinder spielen fürs Kinderhospiz

Weibliche Rentnergang mischt Kurort auf

Waltringhausen (tes). Schauspielern, Schlemmen, Spenden sammeln und Spaß haben: Wie das funktioniert, zeigt die „Smiley-Bande“. An zwei Tagen haben die Kinder der Theaterkiste Waltringhausen vor hingerissenem Publikum gespielt und im Kleinen Großes fürs Kinderhospiz „Löwenherz“ in Syke bewirkt.

veröffentlicht am 19.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 15:41 Uhr

Frau Wiesengrün, Ehefrau eines Polizisten und überlastete Familienmanagerin ist überzeugt: „Ohne mich läuft nix.“ Schade nur, dass sie bei all’ den Sorgen um die schulschwänzenden Gören nicht bemerkt, dass ihre Mutter auf die schiefe Bahn geraten ist.

Die 80-Jährige klaut zum Spaß, „alles was lecker und teuer ist“. Es kommt, wie es kommen muss. Die Sippe vergisst den Geburtstag von Oma Wilhelmine. Die kocht vor Wut. Champagnerlaune futsch. Jahrzehntelange Aufopferung – alles umsonst. Wilhelmine tröstet sich mit exzessivem Staubsaugen und plant einen öffentlichkeitswirksamen Raubzug im Kreise ihrer Rentnerinnen-Gang. Die Beute stimmt, im Kühlschrank häufen sich Delikatessen und Alkoholisches, an dem sich auch der Enkelsohn gütlich tut. Doch der „Kriminaltango“ bei Tedi und Aldi verfehlt seine Wirkung. Die Seniorinnen werden weiter ignoriert.

Nachdem im E-Center sogar ihre Rufe „Wir haben zwei Flaschen Sekt geklaut“ vor laufender Überwachungskamera ohne Reaktion bleiben, ist das Maß voll. Krisensitzung am heimischen Kaffeetisch. Schnell ist der Plan ausgebrütet. Eine Selbstanzeige! „Dann werden wir berühmt“, ist sich Wilhemine sicher. Aber wie beweisen? Ganz klar: Die Bande hat bei jedem Raubzug ihr Markenzeichen, den Smiley-Aufkleber, hinterlassen. Gesagt, getan: Wilhemine klaut im Möbelhaus, die Freundinnen schlagen Alarm. Die Polizei stürmt den Laden. Mit erhobenen Händen verkündet Wilhelmine inhaltsschwer: „Wir sind die Smiley-Bande.“

Festnahme, Blitzlichtgewitter? Weit gefehlt. Die Polizisten glauben der netten Dame nicht, verdächtigen stattdessen den Schwiegersohn, der Drahtzieher der berüchtigten Bande zu sein. Der Coup ist gescheitert. Wilhelmine hat die Nase voll, haut ab nach Paris und ward nicht mehr gesehen. Nur eine Nachricht erreicht die alte Heimat. „Eiffelturm gestohlen. Die französische Polizei steht vor einem Rätsel.“ Das Publikum tobt vor Lachen, das Ensemble badet im Beifall und animiert beim Löwentanz das gesamte Publikum zum Mitmachen.

Wie immer haben Feuerwehr, Landfrauen, Gesangverein und MTV mit Kuchenbüfett und Tombola zum Erfolg beigetragen. Das Regieteam mit Andrea Dohmeier, Angelika Link, Marita Bargmann und Tonmann Alexander Schulze war vollends zufrieden. Am 17. April folgt in der „Rockmeile“ der dritte Streich – alle Einnahmen kommen zu 100 Prozent dem Kinderhospiz „Löwenherz“ in Syke zugute.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige