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EU entzieht der „Zackenblatt-Manufaktur“ die Geschäftsgrundlage / Vom Potenzial von Hanf weiter überzeugt

Weil Cannabidiol in den Blüten ist

BÜCKEBURG. Der „Zackenblatt Manufaktur“ in Bückeburg, die sich auf die Verarbeitung von Blüten und Blättern der Hanfpflanze spezialisiert hatte, ist die Geschäftsgrundlage entzogen worden. Sie darf keine Lebensmittel und Nahrungsmittelergänzungen, die Cannabidiol enthalten, mehr verkaufen. Daher dürfen Hanfblüten und -blätter nicht mehr verarbeitet werden. Einzig der Hanfsamen wird noch verwertet. „Zackenblatt“ hat nun eine entsprechende Mühle gekauft und stellt neben Öl aus Hanf auch Öl aus Sonnenblume, Kürbis, Raps oder Kümmel her.

veröffentlicht am 16.05.2019 um 15:35 Uhr
aktualisiert am 16.05.2019 um 18:20 Uhr

Firmenchef Uwe Drinkuth (r.) und sein Mitarbeiter Jona Gerlach an der neuen Ölmühle, die mittlerweile in Betrieb ist. Das erste Öl aus Hanfsamenkörnern ist bereits produziert. Foto: möh

Autor:

Cord-Heinrich Möhle
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BÜCKEBURG. Was passiert mit einer kleinen Firma, der mit einem Federstrich kurzerhand die Geschäftsgrundlage entzogen wird? Richtig, sie geht pleite und verschwindet von der Bildfläche.

Nicht so der kleine Betrieb „Zackenblatt Manufaktur“, der sich auf die Herstellung von Nahrungsmitteln aus den Blüten und den Blättern von Hanf spezialisiert hatte und mittlerweile sehr viele heimische Kunden sein Eigen nannte (wir berichteten). Diesem sehr jungen Unternehmen, das bei der Gründung alle notwendigen Genehmigungen vorliegen hatte, ist es mittlerweile von Behördenseite untersagt worden, Blüten und Blätter, in denen der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) enthalten ist, weiterhin zu verarbeiten. Es darf von der Hanfpflanze lediglich noch der Samen genutzt werden. „Zackenblatt“ hat reagiert, eine Ölmühle gekauft und wird unter anderem Hanföl anbieten und mit den immer noch erlaubten Hanfpflanzen, die in der Kornmasch auf zwölf Hektar angebaut werden, experimentieren, um für „bessere Zeiten“ ein optimales Anbauergebnis erzielen zu können.

Firmenchef Uwe Drinkuth ist weiterhin vom Potenzial der Nutzpflanze Hanf restlos überzeugt. Außerdem sieht er diese Pflanze als einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz an, denn Hanf wächst und gedeiht ohne zusätzliche Düngemittel. Um aber wirtschaftlich überleben zu können, stellt „Zackenblatt“ mit der neuen Mühle außerdem Öl aus Hanf, Kürbis, Sonnenblume, Raps, Kümmel, Ringelblume und Walnuss her. Hanfsamen enthalten 30 Prozent Öl, die anderen bringen es auf 40 Prozent.

Außerdem sollen Kräutertees – unter anderem aus Fenchel, Kamille, Kümmel, Salbei, Löwenzahn, Spitzwegerich, Brennnesseln, Frauenmantel und Huflattich – sowie diverse Müslimischungen mit ungeschälten Hanfnüssen und auch Teeblüten aus Kornblumen, Kugelamarant, Malve und Taubnessel den potenziellen Kunden angeboten werden. Ferner ist beabsichtigt, auch kosmetische Haut- und Massageöle zu produzieren. „Wir leben Landwirtschaft und können alle Produkte passend für unsere Kunden anbauen und verarbeiten“, sagt Drinkuth. „Zackenblatt“ verfolge natürlich auch weiterhin das Ziel, regionale Produkte für regionale Kunden anzubieten.

Die bisherigen Lebensmittel aus Hanfblüten und Blättern, in denen Cannabidiol in Spuren vorhanden war, verkaufte der Betrieb auch über die Buchhandlung Scheck und hatte schnell einen großen Kundenkreis. Eistee, Hanfblütenmus, Sirup, Küchencreme und Knusperhanf mit Mandeln oder Schokolade waren derart beliebt, dass sich die „Zackenblatt Manufaktur“ sogar damit beschäftigte, ein bundesweites Vertriebsnetz für diese Artikel aufzubauen.

Nach dem Novel-Food-Katalog der EU fallen Lebensmittel oder Nahrungsmittelergänzungen mit Cannabidiol unter den Begriff „Neue Lebensmittel“, die erst beantragt und offiziell zugelassen werden müssen, da vor dem 15. Mai 1997 „noch kein nennenswerter Verzehr belegt ist“. Und: Die Sicherheit des neuen Produktes ist vom Antragsteller zu belegen.

Ein Prozedere, dass für eine kleine Firma wie „Zackenblatt“ zu zeitaufwendig und vor allem zu teuer wird. Drinkuth vermutet hinter all dem Ärger, dass große Firmen, mit genügend Geld in der Hinterhand, über dem Weg des Lobbyismus in Brüssel versuchen, kleinere Betriebe, die sich auf Anbau und Verarbeitung von ganzen Hanfblüten und Blättern spezialisiert hätten, vom Markt verschwinden zu lassen. Die „Zackenblatt Manufaktur“ erklärt, seit November 2018 seien die entsprechenden Verordnungen zunächst dreimal „verschärft“ worden, bis dann endgültig das Aus für die Verarbeitung von Blättern und Hanfblüten verkündet worden sei.

Und es gibt noch eine weitere Neuigkeit von der „Zackenblatt Manufaktur“. David Winkelhake, der zusammen mit Drinkuth den Betrieb aus der Taufe gehoben und als GbR betrieben hat, ist als Gesellschafter ausgeschieden, sodass Drinkuth nun „Zackenblatt“ als Einzelunternehmen weiterführt.

Übrigens: Der Wirkstoff Cannabidiol, der in weiblichen Hanfpflanzen vorhanden ist, wirkt entkrampfend, angstlösend, entzündungshemmend und sorgt bei Hochleistungssportlern nach harten Wettkämpfen für eine schnellere Regeneration des Körpers. Hierzu das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit offiziell: Diese Eigenschaften seien eindeutig als pharmakologisch zu beschreiben. CBD wirkt über verschiedene Rezeptoren und andere biologische Mechanismen im menschlichen Körper und beeinflusst dadurch physiologische Funktionen durch pharmakologische, immunologische oder auch metabolische Wirkungen erheblich.




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