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35. Herbstveranstaltung der Internationalen Musikakademie endet mit umjubeltem Konzert

Weltniveau im Schloss

Bückeburg. Es war vorzüglich, es war herausragend, kurz: Es war exzellent! Mit einem umjubelten Abschlusskonzert hat sich die 35. Herbstakademie der IMAS erneut auf allerhöchstem Niveau präsentiert. „Hier spielen zukünftige Meister“, zeigte sich der Vorsitzende, Veit Pagel, im Großen Festsaal von Schloss Bückeburg überzeugt. Was hier geschehe, sei auf Weltniveau.

veröffentlicht am 17.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:21 Uhr

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Es war ein Konzert, dass keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird. Die jungen Musiker nicht und die Zuhörer nicht, die ein ums andere Mal begeistert applaudierten. „Es ist immer wieder ein Genuss hier sein zu dürfen“, sagte Gisela Reichert aus Hannover, die seit vielen Jahren im Publikum sitzt. Hier herrsche eine ganz besondere Mischung, die diese Veranstaltung besonders mache. „Das liegt zum einen am Ambiente von Schloss Bückeburg, das sich sehr gut für so etwas eignet und zum anderen daran, dass man hier Zeuge wird, wie neue Talente geboren werden“, fasste die Seniorin ihre Eindrücke von der 35. Auflage zusammen.

Ganz ähnlich sah das an diesem Abend auch der IMAS-Vorsitzende, der die Gäste zu einem „außerordentlichen Konzert“ begrüßte. Die IMAS sei ein Ort musikalischer Exzellenz, sagte Pagel, hier kämen hochkarätige Dozenten mit zukünftigen Meistern zusammen. „Hier findet Unterricht auf allerhöchster Ebene statt.“

Einen Dank richtete der IMAS-Chef gleich an drei Adressen: an die Bückeburger („die Musiker fühlen sich hier sehr wohl“), an die Dozenten (Prof. Bernd Goetze, Klavier, Prof. Emmanuel Schmidt, Violoncello und Kammersängerin Helen Donath) und an Alexander zu Schaumburg-Lippe („Er unterstützt uns seit Langem“). Wie weit dessen Engagement für die Musik geht, zeigte sich dann kurz vor Ende des rund zweistündigen Konzertes. Als es einer Solistin zunächst nicht gelang, ihren Klavierstuhl höher zu stellen, eilte der Schlossherr persönlich nach draußen, um ein Ersatzexemplar zu holen. Dafür gab es Szenenapplaus vom Publikum.

Kammersängerin Helen Donath bedankt sich bei den Teilnehmern. mig (2)

Auf ganz hohem Niveau, mit Robert Schumanns „Adagio und Allegro op. 70“, begann dann der musikalische Teil des Abends. Tief vornübergebeugt schien Maciej Kulakowski aus Polen mit seinem Violoncello zu verschmelzen, kongenial begleitet von Ayumi Janke am Klavier. Nach einem schwelgerisch-romantischen Adagio, folgte ein Allegro mit viel Biss und feurigem Schwung. Kulakowskis weiche Tongebung, sein intensives Spiel und sein vehementer Strich lassen das Werk strahlen. Chapeau! Das ist wirklich meisterhaft.

Als eine Zeitreise in die Gegenwart entpuppt sich Henry Dutilleux’s dissonantes „Trois strophes sur le nom de Sacher“. Ein schwieriges Werk, das sämtliche Möglichkeiten der Tonerzeugung auslotet. Hee-Young Lim am Violoncello gelingt dennoch eine technisch einwandfreie Vorstellung; expressiv und mutig vorgetragen.

Ganz und gar nicht dissonant: das nächste Werk, dem eine umwerfende Melodie zugrunde liegt. „Music for a while“ von Henry Purcell (1659-1695) heißt der Titel – „Musik wird für eine Weile all deine Sorgen betäuben“, lautet die Übersetzung aus dem Englischen. Sopran Teresa Milheiro de Oliveira singt die melancholische Preziose fehlerlos und ohne Effekthascherei. Klar, eindringlich und nuanciert! So will man Purcell hören!

Nach der Pause: eine weitere große Stimme. Nienke Otten singt Verdis „Caro nome“ und verkörpert – stimmlich und darstellerisch – perfekt die Reinheit des gefangenen Vögelchens. Hier geht eine makellose Stimmführung einher mit glockenreinen Melismen, blitzsauberen Staccati und weich angesetzten Koloraturen. Die Kadenz gelingt Nienke Otten ebenfalls ohne Mühe. Ein großartiger Auftritt eines großen Talents. Weiter so!

Als Gegenpart zu dem hochdramatischen Werk präsentiert sich das Couplet des Orlofsky, „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus „Die Fledermaus“ von Johann Strauß überschäumend und voller Lebenslust. Mezzosopran Sandra Borgarts gibt sich neckisch, temperamentvoll und verführerisch; die angebliche ungarische Gräfin glaubt man ihr sofort. Das ist darstellerisch und stimmlich eine wirklich tolle Leistung. Borgarts verfügt über eine biegsame, ausdrucksstarke Stimme, die das Publikum zu recht begeistert.

Den Schlusspunkt unter ein fabelhaftes Konzert setzen dann Sae-Nal Kim/Marie-Luise Bodendorff am Klavier (mit Franz Schuberts „Allegro a-Moll D 947 – Lebensstürme“). Ihr meisterhaftes, hin und her wogendes Spiel mündet in tosendem Applaus, „Hoch“-Rufe“ und „stehende Ovationen“.

Fazit: Wer nicht da war, hat was verpasst.

Stellvertretend für alle Teilnehmer der Meisterkurse verabschieden diese beiden Sopranistinnen die Zuhörer mit einer kleinen Zugabe.




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