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Im Landkreis Hameln-Pyrmont werden Einwohnerzahlen rapide sinken / Zukunftsanalyse in Auftrag

Weniger Geburten und immer mehr Senioren

Weserbergland (joa). Der Landkreis Hameln-Pyrmont wird schrumpfen: Weniger Geburten wird eine immer größer werdenden Gruppe immer älterer Menschen gegenüberstehen. Und der bereits in Untersuchungen errechnete Bevölkerungsverlust im Kreisgebiet gibt Anlass zu düsteren Prognosen. 156 398 Menschen leben laut Niedersächsischem Landesamt für Statistik (NLS) derzeit auf Hameln-Pyrmonter Boden. Bis zum Jahr 2025 wird vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsförderung (NIW) ein Rückgang der Einwohnerzahl auf etwa 137 707 Menschen prognostiziert. Einem angenommenen Geburtendefizit von über 18 000 Menschen steht im Landkreis lediglich ein erwarteter Gewinn von etwa 3400 Zuwanderern gegenüber.

veröffentlicht am 12.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 21.08.2009 um 13:02 Uhr

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Bei der Betrachtung der kreisangehörigen Städte und Gemeinden werden die größten Bevölkerungsverluste bis 2025 mit 19 Prozent im Flecken Salzhemmendorf erwartet. Für die Städte Bad Pyrmont werden 15 Prozent und für Bad Münder werden 16 Prozent prognostiziert. Mit nur 7 Prozent sagen die Berechnungen Hameln die geringsten Einbußen voraus.

Für die Altersgruppe der 5- bis 15-Jährigen wird, so eine verwaltungsinterne Untersuchung aus dem Juni vorigen Jahres, bis zum Jahr 2015 ein Rückgang von 18 Prozent – das sind etwa 2960 Kinder und Jugendliche – erwartet. Bis zum Jahr 2021 könnten diese Zahlen auf 28 Prozent, also rund 4900 Kinder beziehungsweise Jugendliche, ansteigen. Und diese Zahlen werden an Kindergärten und Schulen im Kreis nicht spurlos vorübergehen. Bei den Schulen besonders demografiegefährdet dürften die Schulen Hastenbeck, Sünteltal, Baarsen, Flegessen, Hemeringen, Amelgatzen, Börry, Grohnde und Wallensen sein. Langfristig könnte ein Hamelner Gymnasium aufgegeben werden müssen, könnten sich Auswirkungen auf die Sekundarbereiche in Bad Pyrmont und Salzhemmendorf ergeben.

Prognostiziert wird außerdem, dass der Landkreis Hameln-Pyrmont mehr und mehr vergreisen wird. Bis 2015 wird die Altersgruppe „65 und älter“ rechnerisch um 5 Prozent, das sind etwa 1800 Personen, anwachsen. Bis 2021 wird für die Altersgruppe „80 und älter“ eine Zunahme von 19 Prozent, das sind rund 1760 Personen, prognostiziert. Demografisch bedingt steigt dadurch die Zahl der Pflegebedürftigen. Durch weniger jüngere Familienangehörige ist zugleich eine Abnahme der häuslichen Pflege zu erwarten.

Arbeitskräfte werden Mangelware

Durch den Rückgang der für die Wirtschaft wichtigen Gruppe der 25- bis 45-Jährigen um ein Viertel sowie fortschreitende Alterung der Bevölkerung ist eine Schwächung von Arbeitsmarkt und Wirtschaftsstruktur zu befürchten: Junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte werden zur umworbenen Mangelware. Nach Auskunft der IHK Hannover werden das im Landkreis Ingenieure, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektronik, Soft- und Hardwareentwicklung sein.

Weniger Hameln-Pyrmonter – das wird in den nächsten zehn Jahren auch schmerzhafte Auswirkungen auf geringere kommunale Steuereinnahmen bei gleichzeitig höheren Soziallasten, auf Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, DRK und THW, Wohnungsnachfrage und Immobilienmarkt haben. Durch sinkende Nutzung ist ein Anziehen der Gebühren von ÖPNV, Wasserver- und -entsorgung zu erwarten.

Im Landkreis Hameln-Pyrmont haben sich die Kommunalverwaltungen bereits auf diese Probleme des demografischen Wandels eingestellt. Gemeinsam mit den Regionalplanungsstellen der Landkreisen Holzminden, Schaumburg und Nienburg hat sich Hameln-Pyrmont zum „Modellprojekt Planungskooperation“ zusammengeschlossen. Geschäftsstelle ist Hameln, deren Leiter Jörg Heine vom Hameln-Pyrmonter Referat für regionale Entwicklung. Ausgestattet mit 300 000 Euro Fördergeldern vom Land und einem Eigenanteil von 100 000 Euro je Landkreis wurde jetzt beim Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) mit Sitz in Hannover eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Ende August soll diese Analyse fertiggestellt sein, die dann über Grundversorgung und Daseinsfürsorge, also beispielsweise die Ausstattung der Gemeinden mit Ärzten, Schulen, Kindergärten, Poststellen, Geldautomaten oder Altenheimen mit einem Ausblick auf die Folgen durch den demografischen Wandel Prognosen abgeben wird. Im Rahmen einer Regionalkonferenz, die am 19. Oktober im Hamelner Weserberglandzentrum stattfinden wird, sollen die Ergebnisse den Entwicklungsplanern vorgestellt werden.




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