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Naturschützer zählen Fledermäuse / Appell: „Tiere nicht stören!“ / Mückenfledermaus eine neue Art?

Wenn das Aufwachen ein wahrer Kraftakt ist

Kleinenbremen (ly). Zum Aufwachen brauchen Fledermäuse viel Energie. Wenn sie zwischendurch einmal aus dem Winterschlaf geweckt werden, reicht die Kraft im Frühjahr nicht mehr. Dann wachen die kleinen Säuger nie wieder auf. Ihre Energie ist verbraucht. Frauke Meier wird nicht müde, dies zu wiederholen.

veröffentlicht am 12.02.2009 um 20:14 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 09:41 Uhr

„Wir können nur immer wieder appellieren, die Tiere nicht zu stören“, sagt sie. Die Naturschützerin aus Münster, die an diesem Tag für den Minden-Lübbecker Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine Exkursion zu heimischen Winterquartieren der Flattermänner anführt, steht in einem Stollen des Kleinenbremer Besucherbergwerks. Vorsichtig leuchtet sie die Decke ab. Sobald sich eine schlafende Fledermaus nur etwas regt, wird die Taschenlampe ausgeschaltet.

Derart rücksichtsvoll sind Andere nicht. Schlimmer noch: „Mit unglaublicher krimineller Energie werden immer wieder Stollen aufgebrochen“, klagt Erwin Mattegiet von der Arbeitsgruppe Natur- und Umweltschutz Bad Oeynhausen.

Mattegiet hat kein Glück an diesem Vormittag. Seine Mitstreiter von der Nabu-Arbeitsgruppe Fledermausschutz oder dem Biologiezentrum Gut Bustedt im Kreis Herford finden reihenweise (einzelne) Fledermäuse. Doch nach einer halben Stunde landet Mattegiet einen Volltreffer: In einer Felsspalte kuscheln sich drei Tiere aneinander.

Sofort beginnt Frauke Meier mit der Bestimmung. Sind es Zwergfledermäuse, Rauhautfledermäuse oder Mückenfledermäuse? Genau lässt sich das nicht feststellen. „Dazu müsste man die Tiere in die Hand nehmen“, erklärt Meier. Das geht natürlich nicht, dann würden sie wach.

„Oder man müsste einen Ultraschall-Detektor nehmen. Fledermäuse rufen auf unterschiedlichen Frequenzen.“ Der Detektor setzt die Laute der Tiere in Töne um, die für das menschliche Ohr hörbar sind. Auch dies ist wegen des Winterschlafs im Moment kein Thema. Mückenfledermäuse sind im Kreis bisher nicht nachgewiesen worden.

Allein im Besucherbergwerk haben die Fledermausschützer auf ihrer Winterexkursion 47 Tiere gezählt, etwa so viele wie zuletzt auch. In Minden-Lübbecke gibt es laut Frauke Meier 14 Arten, in Mitteleuropa 25. Sieben von ihnen überwintern im Bergwerk, darunter das Große Mausohr, mit etwa 40 Zentimetern die größte Fledermaus Norddeutschlands. Insgesamt haben die Naturschützer fünf Stollen in Weser- und Wiehengebirge sowie eine Höhle durchsucht.

Auffällig war eine Häufung von Teichfledermäusen, einer wandernden Art, die hier überwintert und ihr Sommerrevier überwiegend in den Niederlanden hat. „Anscheinend finden sie bei uns geeignete Winterquartiere in ausreichendem Angebot, ein günstiges Klima und Sicherheit“, schließt Frauke Meier.

Schlafende Fledermäuse zu bestimmen, die sich bei Dunkelheit in Ritzen oder Bohrlöcher verkrochen haben, ist gar nicht so einfach. „Wir orientieren uns an Fellfarbe, Größe und Ohren“, erklärt Frauke Meier. „Problematisch wird es, wenn Merkmale übereinstimmen. Alle Tiere können wir nicht bestimmen.“

Vielleicht kommt demnächst mit der erst 2000 in England entdeckten Mückenfledermaus, die noch etwas kleiner ist als die Zwergfledermaus (25 Zentimeter Spannweite, bis zu sieben Gramm Gewicht), eine neue heimische Art hinzu. Dazu müssten die Winzlinge allerdings zunächst aus dem Winterschlaf erwachen. Und von sich hören lassen.

Ganz Ohr: An seinen Lauschern ist das Große Mausohr recht gut zu erkennen.

Voll der Durchblick: Frauke Meier und Burkhard Kriesten leuchten die Decke in einem Stollen des Besucherbergwerks nach Fledermäusen im Winterschlaf ab. Fotos: ly




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