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Lionsclub spendet Defibrillator – in der Innenstadt kann in Notfällen künftig schnell geholfen werden

Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät

Bückeburg (tw). Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät, läuft die Zeit des Betroffenen ab. Pro Minute, in der nichts geschieht, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Nach fünf Minuten steht es fifty-fifty… Dabei könnten viele der etwa 100 000 Menschen, die allein in Deutschland Jahr für Jahr den „plötzlichen Herztod“ sterben, noch leben – wenn denn ein Defibrillator schnell verfügbar gewesen wäre.

veröffentlicht am 14.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 05:21 Uhr

In Bückeburg und Rinteln sowie in Stadthagen haben sich die Chancen, im Fall des Falles gerettet zu werden, jetzt deutlich verbessert. Denn: Seit gestern hängt im Eingangsbereich der „Schloss-Apotheke“ (Lange Straße 14) ein solcher Schockgeber, mit dem man durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und Kammerflattern beenden kann und der speziell für den notfallmedizinischen Einsatz durch Ersthelfer entwickelt wurde.

Pendant in Rinteln

Ein Pendant, der auch die Bezeichnung „Heartstart (HS) 1“ trägt, wird am Marktplatz der Weserstadt platziert – ebenfalls in zentraler Lage. Der dritte geht an die Feuerwehr-Technische-Zentrale (FTZ) der Kreisstadt.

Übergeben hat die drei jeweils nur eineinhalb Kilogramm schweren Defibrillatoren das Hilfswerk der Schaumburger Lions. „Sie sind aus einem Teil des Erlöses der ,Adventskalender-Aktion’ des Jahres 2009 finanziert worden“, sagt Siebelt Meier vom Lions-Club Schaumburg. Das Hilfswerk der „Löwen“ hatte sie nach einem gemeinsamen Beschluss aller drei Clubs angeschafft; ein viertes Gerät war von den Lions bereits zuvor an das Rathaus in Stadthagen übergeben worden; es hängt seitdem in einem Vorraum und soll dort ebenfalls öffentlich zugänglich sein. Summa summarum haben die Löwen sich die Geräte 6000 Euro kosten lassen.

„In Bückeburg hat für den Standort an der Langen Straße die zentrale Lage unseres Hauses gesprochen“, sagt Apotheker Günter Schwarz. Bricht ein Mensch in der Innenstadt mit Kammerflimmern oder Kammerflattern zusammen, sollte es künftig bei jedem Passanten „Klick“ im Kopf machen: „Richtig, da war doch was …“. Dann heißt es zur Apotheke eilen und das Glas des Metallkastens, das den Defibrillator schützt, mit dem Ellenbogen einschlagen.

Das Wichtigste ist, dass die Mitmenschen keine Angst vor dem Einsatz des Schockgebers haben – denn die ist ganz und gar unbegründet: Der Defibrillator ist, was man gemeinhin als „idiotensicher“ bezeichnet. „Seine Handhabung ist denkbar einfach. Er spricht mit dem Benutzer, sagt ihm klar und unmissverständlich, welche Handgriffe von Nöten sind – einschließlich Anleitungen zur Herz-/Lungen-Wiederbelebung“, erläutert Bernd Matthias vom Lions-Club Stadthagen, der auch für das Hilfswerk der Löwen tätig ist.

Kaputtmachen kann man den Schockgeber in der Hitze der Rettungsaktion übrigens auch nicht, denn er soll Stürze noch aus einem Meter Höhe unbeschadet überstehen. Die Kapazität der Batterie, die im Standby-Betrieb nach Angaben des Herstellers normalerweise vier Jahre halten soll, soll für mindestens 200 Defibrillationen oder vier Stunden Betriebsdauer ausreichen. Dass sich die Bückeburger auf das neben der Schloss-Apotheke hängende Gerät verlassen kann, dafür sorgt es selber: Gleich mehrere Selbsttests täglich überprüfen Batterie und Elektrik.

Lebensrettend kann der Defibrillator nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Kleinkinder sein. Die Schockabgabe erfolgt in allen Fällen über selbsthaftende Pads, die auf der Haut des Patienten angebracht werden.

Natürlich muss nach der Ersthilfe immer der Rettungsdienst alarmiert werden – aber auch daran „denkt“ das Gerät und weist den Benutzer laut daraufhin. Der Rettungsdienst kann im Anschluss auf Knopfdruck aus dem Speicher des Defibrillators abrufen, welche Maßnahmen der Ersthelfer ergriffen hat; nach Drücken der Info-Taste listet das Gerät verbal alle Ereignisse des letzten Einsatzes auf.




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