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Vorsicht geboten: Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen warnt vor „Marienstift“

Wenn der Spendensammler zweimal klingelt

Hohnhorst (ni). Beim „Marienstift für Nachbarschaftshilfe“, das gerade in der Samtgemeinde Nenndorf aktiv war, ist offenbar Vorsicht geboten. Das zumindest sagt das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin.

veröffentlicht am 06.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:41 Uhr

Monika Fliegner ist eine durchaus großzügige, spendenbereite, aber auch vorsichtige Frau. Als es kürzlich bei der Hohnhorsterin an der Haustür klingelte und sich ein Mann als Spendensammler vom Marienstift für Nachbarschaftshilfe aus Köln auswies und um Geld für notleidende Kinder bat, blieb sie höflich, aber reserviert – und hielt ihr Portemonnaie geschlossen. „Die eine Seite unserer Straße hatte er schon durch, und ich habe gesehen, dass er vier vollbeschriebene Listen in seinem Klemmbrett stecken hatte – mit Beträgen zwischen 2,50 und 5 Euro“, erzählt die Anwohnerin des Feldwegs. Sie sagte dem Haussammler, zunächst im Internet ein wenig recherchieren zu wollen, bevor sie etwas spenden werde. „Man liest ja so viel, und ich möchte schon wissen, wem ich etwas Geld gebe und wohin das geht.“

Gesagt, getan. Wenig später hatte sich die Frau ans Ziel gegoogelt: „Gleich bei den ersten Einträgen wurde ausdrücklich vor dieser Stiftung gewarnt“, berichtete Fliegner. Denn der Marienstift für Nachbarschaftshilfe verweigere konsequent jede Information zur Verwendung der Spenden: Man erfahre weder, wohin es geht, noch, wie viel davon für den guten Zweck genutzt werde. Es habe auch bereits Artikel in diversen Tageszeitungen zu dem Thema gegeben – unter anderem im „Tagesspiegel“. Zudem laufe in Thüringen bereits ein Verfahren wegen Betrugsverdachts gegen das Marienstift Berlin. Das dortige Landesverwaltungsamt hatte bei der Kontrolle eingereichter Belege Unregelmäßigkeiten bemerkt und alle Städte aufgefordert, dem Marienstift keine Sammlungen mehr zu erlauben. Also ließ Fliegner den fleißig Klinken putzenden Spendensammler wissen, dass es von ihr kein Geld gibt. Des Weiteren ließ sie ihn wissen, dass sie die Polizei und die Presse informiert habe.

Ein Anruf der Redaktion beim DZI bestätigt die Berechtigung der Skepsis. Es gebe zahlreiche Anfragen und regelmäßige Klagen zu dieser Stiftung: „Wir bemühen uns seit Langem, beim Marienstift Einsicht zu bekommen. Der Verein verweigert uns aber die Unterlagen“, berichtet Geschäftsführer Burkhard Wilke. Da es keine Publizitätspflicht gebe, sei das DZI auf Kooperationsbereitschaft angewiesen. „90 Prozent aller Stiftungen, Verbände und Vereine schicken uns entsprechendes Material – da gibt’s gar keine Probleme.“ Diese Verweigerungshaltung sei also sehr ungewöhnlich. Er empfinde es als moralische Verpflichtung, dass eine Organisation, die sich an die Allgemeinheit wendet, um Geld für wohltätige Zwecke zu akquirieren, „auch die notwendigen Infos zu dessen Verwendung liefern muss“.

Sein Rat: „Ich empfehle, nur spendenwürdigen Organisationen Geld zu geben, die Transparenz und Nachprüfbarkeit erlauben.“ Ein Kriterium sei das Spendensiegel, das das DZI auf Antrag verleihe. „Da gibt es aber ein strenges Prüfverfahren. Es ist das stärkste positive Zeichen und steht für absolute Seriosität.“




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