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Vorsorge-Experte Stuckert entwickelt in der Begegnungsstätte ein bedrückendes Szenario

Wenn einem nur noch das Leben bleibt

Bückeburg (bus). Erst muss das Konto bei der Bank dran glauben, dann ist das Haus weg und schließlich muss man sich mit der Erkenntnis trösten, dass einem zwar kein Besitz aber immerhin noch das Leben geblieben ist. Dieses unerquickliche Szenario hat Sozialbetriebswirt Florian Stuckert (Nienstädt) während einer Informationsveranstaltung in der Begegnungsstätte entwickelt. Der zum Thema „Reicht meine Rente oder verarme ich bei Pflegebedürftigkeit? Lösungswege durch private Vorsorge?“ gehaltene Vortrag stieß auf ein reges Interesse.

veröffentlicht am 19.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 18:41 Uhr

Kosten bis zu 170 000 Euro

Stuckerts Entwurf basierte auf Zehnjahreshochrechnungen für in Aussicht stehende Betreuungskosten, die – in der Pflegestufe 3 – nach seinen Schilderungen bis zu 170 000 Euro betragen können. Kommt unerfreulicherweise hinzu, dass in diesem Betrag keinerlei Ausgaben für private Interessen enthalten sind. „Kein Geld für neue Kleider, Wäscherei, Versicherungen, Frisör, Ausflüge, Enkelkinder, Zeitungen, Kosmetika, Konzerte, Bonbons oder Schokolade“, verdeutlichte der Referent. In diesem Zusammenhang seien häufig Aussagen wie „Mein Leben lang habe ich gearbeitet und Familienvermögen angesammelt, und nun wird dieses für meine Pflegevorsorge verbraucht“ oder „Wäre ich doch arm geblieben, würde der Staat heute auch für mich und meine Pflege aufkommen“ zu hören.

Der Referent erläuterte die Kostensituation an zahlreichen Beispielen und detaillierten Aufstellungen. So zeigte er etwa die aktuellen Tarife der Bückeburger Pflegeeinrichtungen Evangelisches Altersheim (Lulu-von-Strauß-und-Torney-Straße), Medicare Seniorenresidenz am Kirschgarten (Scheier Straße) und Sozialkonzept Herminenhof (Birkenallee) auf. Die Anbieter verlangen bei vollstationärer Pflege und allgemeinem Pflegesatz in der Pflegestufe 3 einen Eigenanteil von 45,20 Euro (Medicare), 44,01 Euro (Evangelisches Altersheim) und 42,73 Euro (Herminenhof) pro Tag. Jenseits der relativ abstrakten Kostensätze weise indes jeder Betreuungsfall individuell große Unterschiede auf. „Hier muss jeweils die ganz persönliche Situation berücksichtigt und durchleuchtet werden“, betonte der Experte, der zur Abfederung der Kosten für den Abschluss einer privaten Risiko- und Pflegeversicherung plädierte.

Persönliche Erfahrungen

Die (im Durchschnitt recht betagten) Veranstaltungsbesucher verfolgten den Vortrag mit großem Interesse. Häufig steuerten sie persönliche Erfahrungen und Einschätzungen bei oder stellten konkrete Zwischenfragen. „Das kenne ich von meinem Mann“ und „das war bei mir genauso“, pflichteten sie Stuckert bei. „Freiwillig würde ich nicht ins Heim gehen“ respektive „ab wann werden die Kinder hinzugezogen?“, lauteten weitere Wortmeldungen. Der Referent bot an, für weitere Beratungen zur Verfügung zu stehen.




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