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Ultimo-Frühstück, Silvesterinitiative und "Tafel" helfen in Rinteln in akuten Notlagen

Wenn es "an allen Ecken und Kanten fehlt"!

Rinteln (ur/wm). Viele gut gemeinte und oft auch hilfreiche Initiativen gegen die Auswirkungen von Armut und sozialer Kälte wenden sich in der Adventszeit mit ihren Anliegen an die Öffentlichkeit - einige aber wirken auch im Stillen. Und das nicht weniger erfolgreich.

veröffentlicht am 23.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Wenn der Brotkorb zu hoch hängt: Solch leckere Brötchen - für ma

Das auslaufende Jahr nahmen die Initiatoren und Mitarbeiter des monatlichen "Ultimo-Frühstücks" in der ev.reformierten Kirchengemeinde zum Anlass, eine erste Bilanz der bisherigen Arbeit zu ziehen. Beim "Ultimo-Frühstück" handelt es sich bekanntlich um ein ökumenisches Projekt, das sich vorrangig an sozial Schwache wendet und diese am jeweils letzten Mittwoch vor dem Ersten (daher "Ultimo") zu einer Frühstücksrunde in den Gemeindesaal am Kollegienplatz einlädt. "Inzwischen hat sich ein lockerer Kreis von etwa 20 Gästen entwickelt, die relativ regelmäßig zu diesem Frühstück kommen", fasst Pastor Heiko Buitkamp die bisherigen Erfahrungen zusammen - wobei gelegentlich auch neue Gesichter zu sehen sind, die über die Tafel, das Diakonische Werk oder öffentliche Aushänge auf das "Ultimo-Projekt" aufmerksam werden. Erfreulicherweise werden durch diese Resultate nicht nur die eines Besseren belehrt, die zu Anfang skeptisch meinten: "Da wird von den Betroffenen sowieso niemand kommen - wie soll man die denn erreichen?", sondern auch die, die unsicher meinten: "Wie verhindern wir nur, dass beim Frühstück nur gebechert wird?" Alkohol indessen istüberhaupt kein Thema und auch von rücksichtsloser Raucherei kann nicht die Rede sein: Alle halten sich bereitwillig an die wenigen dazu aufgestellten Regeln - und oft kommt es zu überraschend offenen Gesprächen unter und mit den Teilnehmern. Anhand der Nachfrage hat sich auch ein "Standard-Programm" für das Frühstück entwickelt, das jeweils von zwei Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern vorbereitet wird: "Neben Kaffee, Tee und Saft, Aufschnitt, Käse, Obst, Konfitüre und Brötchen werden besonders gekochte Eier sehr gern angenommen", weiß man inzwischen im Vorbereitungskreis. Abhängig von der Entwicklung des ehrenamtlichen Kreises ist auch die Frage, ob man das Frühstück vielleicht in Zukunft häufiger anbieten kann. In der Gemeinde und auch bei anderen kirchlichen Gruppen ist jedenfalls die Bereitschaft groß, die Initiative über Kollekten und Spenden zu fördern - obendrein kommen viele Bestandteile des Frühstücks als Sachspenden herein und so ist es sogar möglich, mitunter nicht verzehrte Brötchen oder Aufschnitt an die Tafel in der Klosterstraße weiterzureichen. Schnell kamen die Ultimo-Ehrenamtlichen in ihrer Jahresabschlussrundeüberein, auch in der Zeit "zwischen den Jahren" ein Frühstück anzubieten: Am Mittwoch, dem 27. Dezember ist dafür ab 9 Uhr im reformierten Gemeindesaal eingedeckt - und dem Vernehmen nach soll auch der Weihnachtsmann versuchen, die eine oder andere "süße Tüte" für die Gäste als nachträglichen Festtagsgruß zu hinterlassen. Mehr im Stillen wirkt auch die Silvesterinitiative, ein von engagierten Bürgern gegründeter Verein mit derzeit 90 Mitgliedern, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen in akuten Notlagen zu helfen. "Wir sind zwar das ganze Jahr über aktiv und ansprechbar", schilderte Vorsitzende Marianne Gesche, "aber Weihnachten wissen wir nicht, wo wir zuerst anfangen sollen".Vor allem in der letzten Woche habe sie sich mit den ehrenamtlichen Helfern aus dem Verein um 25 Fälle kümmern müssen. Die existenzielle Not selbst in unserer kleinen Stadt sei bisweilen erschreckend, vor allem nach Harz IV fehle es bei Alleinerziehenden mit Kindern oft "an allen Ecken und Enden." Erst gestern habe sie wieder einen Hilferuf von einer alleinerziehenden Mutter bekommen. Die Silvesterhilfe helfe vielfältig, schilderte Marianne Gesche, in manchen Fälle übernehme sie kurzfristig die Miete, manchmal gebe sie Bargeld, in anderen Fällen fahre ein Vereinsmitglied mit der betroffenen Familie zum Einkaufen: "Dann packen wir ein, was gebraucht wird, Windeln, Babypflegeartikel, Lebensmittel". Jüngsthabe man einer Seniorin mit Minirente eine neue Waschmaschine gekauft, weil es sich nicht mehr lohnte, die alte zu reparieren. Dabei pflege man gute Kontakte zu allen anderen Hilfsorganisationen in der Stadt wie Kirche, Caritas, Kinderschutzbund, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie und Gesundheitsamt. Möglich sei die Hilfe nur dank großzügiger Sponsoren, vor allem Rintelner Firmen, aber auch vieler Privatpersonen. Zu einer ebenso wichtigen Anlaufstelle hat sich für Hilfebedürftige auch die "Tafel" und das angeschlossene "Kleiderlädchen" in der Klosterstraße entwickelt. Am Tag, schilderte DRK-Kreisverbandsvorsitzender Wolfgang Foerstner, würden etwa 60 Menschen mit Lebensmitteln versorgt, "bei steigender Tendenz", vor allem am Monatsende, "wenn in den Familien einfach kein Geld mehr da ist." Bei der Tafel werde auch darauf geachtet, dass Hilfebedürftige auch Frischobst und Gemüse erhalten. Die Lebensmittel, die in der Tafel ausgegeben werden, spenden täglich Bäckereien, Lebensmittelhändler, Supermärkte, auch schon mal große Firmen: Jüngst hat Bahlsen ein paar Kisten mit Gebäck gespendet - passend zum Weihnachtsfest. Weil in der Tafel jeder einzeln bedient wird, gibt es vor der Ausgabe einen Warteraum und der habe sich, hat Foerstner beobachtet, inzwischen zu einem "Treffpunkt" entwickelt, wo Informationen ausgetauscht und geplaudert wird.




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