weather-image
22°
×

Vor Gericht: Siebte Tat in zwei Jahren, jedoch kein typischer Fall von Kleptomanie / Geldstrafe

Wenn Ladendiebstahl zur Sucht wird…

Bückeburg (ly). Sie kann sich selbst nicht erklären, warum sie im Laden immer wieder lange Finger macht. Angeblich geschieht das wie unter Zwang. Experten sprechen in solchen Fällen von Kleptomanie. „Ich bin keine Kriminelle, eigentlich bin ich ganz harmlos“, versichert die Bückeburgerin.

veröffentlicht am 05.02.2009 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 11:21 Uhr

Trotzdem häufen sich im Vorstrafenregister der Frau die Diebstähle. Sechs sind es mittlerweile – begangen innerhalb von zwei Jahren. Gut möglich, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Bisher ist die Ladendiebin stets mit Strafbefehlen davongekommen, schriftlichen Verurteilungen. Jetzt hat sie zum ersten Mal als Angeklagte vor dem Amtsgericht gestanden. Das Urteil: 780 Euro Geldstrafe, in diesem Fall zwei Monatseinkommen.

Ob die Frau tatsächlich Kleptomanin ist, wurde vor Gericht nicht geklärt. Ihr Therapeut geht davon aus. Und so steht es auch in einem entsprechenden Attest, aus dem Richter Armin Böhm zitierte. Zumindest bei dem Diebstahl, um den es jetzt ging, sieht Böhm jedoch „nicht den typischen Fall von Kleptomanie“, in dem „ohne Bereicherungswillen Dinge gestohlen werden, die man nicht braucht“. Mitgehen lassen hatte die Frau in einem Bückeburger Supermarkt vielmehr nützliche Sachen wie Socken oder WC-Steine im Wert von insgesamt 30 Euro. Schuldunfähigkeit greife deshalb nicht, so Böhm.

„Als ich den Laden betreten habe, war das nicht geplant“, erklärte die Angeklagte. „Ich weiß selber nicht, warum ich das mache. Es ist wie eine Sucht.“ Eigenen Angaben zufolge leidet die Frau unter Minderwertigkeitsgefühlen. Beim Klauen habe sie sich „gut gefühlt“, sogar „groß“, nachher jedoch Schuldgefühle bekommen. „Es setzt mir ganz schön zu, dass ich jetzt mehrfach erwischt worden bin.“

Unter Kleptomanie, auch bekannt als Stehlsucht, verstehen Fachleute ein zwanghaftes Stehlen von Dingen, die häufig nur einen geringen materiellen Wert haben. Ein einheitliches Krankheitsbild gibt es offenbar nicht. Dass dem Klau das schlechte Gewissen folgt, gilt als typisches Symptom. Über Beweggründe für Kleptomanie streiten die Psychoanalytiker. Zwanghaftes Stehlen könnte demnach eine Art Ersatzbefriedigung für unterdrückte Wünsche sein, eine versteckte Form des Widerstandes gegen die Gesellschaft oder auch erregende Gefühle als Motiv haben, wie auf speziellen Seiten im Internet aufgezählt wird. Auch Filmregisseure wie Hitchcock („Marnie“) haben sich bereits mit dem Thema befasst.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige