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Genialer Verhandler: Horst Susewind feiert 65. Geburtstag und nimmt Abschied vom Unternehmen

"Wesergold" mit in die Weltliga geführt

Rinteln (wm). Der Geschäftsführer der "Wesergold"-Unternehmensgruppe, Horst Susewind, seit 42 Jahren im Unternehmen tätig, feierte am Sonnabend seinen 65. Geburtstag, zugleich Anlass für eine Abschiedsfeier im Saal des Ratskellers.

veröffentlicht am 14.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Denn Susewind will Ende des Jahres aus dem Unternehmen ausscheiden und stellte deshalb allen Geschäftspartnern auch gleich seinen Nachfolger als Geschäfsführer für den Einkauf vor: Thomas Mertens, 49. Die meisten der Anwesenden dürften den Manager ohnehin gekannt haben, immerhin hat Mertens 14 Jahre lang als Susewinds Assistent gearbeitet und ist derzeit als Geschäftsführer für die Auslandsunternehmungen der Hartinger-Gruppe tätig. Über 170 geladene Gäste unter anderem aus Litauen, Spanien, Polen, der Schweiz und ganz Deutschland, - praktisch das "Who is who" der Getränkeindustrie - erlebten eine bewegende Feier, ehe ein dreigängiges Menü mit Spanferkelrücken aufgetischt wurde. Als ganz besonderer Gast begrüßt: Enrique Cutrale, größter Orangensaft-Expor teur aus Brasilien. Sein Unternehmen deckt ein Drittel des Weltmarktes ab. Überaus humorvoll, illustriert mit vielen Bildern auf einer Großleinwand, schilderte Richard Hartinger sen. den Lebensweg von Horst Susewind, mit dem ihn auch eine persönliche Freundschaft verbinde, die sich in all' den Jahren bewährt habe. Susewind als echtes Extener Kind habe schon früh Obst geschätzt ("die Kirschen vom Bauern Mohrmann"), bei den vielen Geschwistern lernen müssen wie man sich durchsetzt, ("das war eine Rasselbande") und sich beim Fußball als Mittelfeldspieler angeeignet, was später seine berufliche Karriere beflügelt habe: Zielstrebigkeit, Gewinnstreben und Spielleidenschaft. "Außerdem hat er jederzeit das Torverhältnis aller Mannschaften der Saison zusammenrechen können. Das hat mich bei seiner Einstellung überzeugt," scherzte Hartinger. Als Susewind am 1. April 1965 bei Richard Hartinger begann, war das Unternehmen noch in den Anfängen. Schon damals habe Susewind alle mit seinem unerschütterlichen Optimismus beeindruckt und sein Satz "Das wird schon" sei zum geflügelten Wort im Unternehmen geworden. 1970übernahm Susewind die Leitung des Einkaufs. Er habe dem Unternehmen neue Vertriebswege in aller Welt erschlossen, getreu seinem Motto "Keine Region ohne Wesergold", schilderte Hartinger. Auch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz attestierte Susewind, er habe maßgeblich mit zum "rasanten Aufstieg" der Unternehmensgruppe beigetragen, die heute in Rinteln größter Arbeitgeber und weltweit tätig ist. Möglich geworden sei der Erfolg auch durch die "Konstanz des Führungspersonals", es erleichtere bekanntlich Verhandlungen ungemein, "wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat - nämlich einem verlässlichen Partner". Das ungewöhnliche Verhandlungsgeschick Susewinds war auch Thema der Rede von Helmuth Brandstätter aus Meran, der für alle Lieferanten die besten Wünsche zum Geburtstag überbrachte: Susewind sei ein versierter Kenner des globalen Marktes und eine markante Persönlichkeit: "Mit ihm zu verhandeln, war kein Honigschlecken." Einmal abgeschlossen, hätte man die Verträge getrost in die Schublade legen können: Alles sei immer völlig reibungslos über die Bühne gegangen, die Lieferung pünktlich entgegen genommen worden wie die Zahlungen erfolgt. Brandstätter überreichte Susewind eine Flasche Champagner mit einem Bonmot, das für Gelächter im Saal sorge: Er hätte gerne eine größere Flasche mitgebracht, "aber bei deiner Preispolitik konnten wir uns einfach keine größere leisten". Klaus Sondhauß, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Fruchsaftindustrie, würdigte vor allem das Engagement Susewinds für eine Qualitätsinitiative, die sicherstelle, dass Produkte aus Süd- und Osteuropa zum Nutzen der Verbraucher ständig kontrolliert werden können. Eine Million Euro habe Susewindfür dieses Projekt eingesammelt: "Eine fast heroische Leistung." Und Susewind habe den Aufstieg einer ganzen Industrie mitgestaltet: "Vor 42 Jahren lag der Prokopf-Verbrauch bei sieben Litern Fruchtsaft, heute sind es 40 Liter". Das letzte Wort hatte der Jubilar, der der Familie Hartinger dankte für ihre "Loyalität, ihr Vertrauen und die große Verantwortung" die man ihm übertragen habe: "Es waren aufregende, interessante, sehr schöne und weitgehend erfolgreiche Jahre" und "wir haben uns früh der Globalisierung gestellt". Ein Managementstil, der sicher auch mit zum Erfolg der Hartinger-Gruppe beigetragen hat, nämlich Chancen, die sich ergeben, auch sofort zu ergreifen. Eine Ahnung davon bekamen die Zuhörer im Ratskellersaal, als Susewind anekdotenhaft erzählte, wie er die "Apfelblüte", den ehemalige volkseigenen DDR-Betrieb in Dodow gekauft und Hartinger darüber am Autotelefon informiert hatte. Richard Hartinger sei "begeistert" gewesen. Dabei habe er eigentlich, so Susewind, an diesem Tag in Dodow nur Fruchtsäfte und Konzentrate einkaufen wollen - keineswegs ein ganzes Unternehmen mit heute 400 Arbeitsplätzen. Es sollte, so Tenor aller Redner dieses Vormittags, für Susewind ein Abschied in den Ruhestand werden - nur Seniorchef Richard Hartinger ließ mit einem unübersehbaren Schmunzeln eine Option offen: Er wisse durchaus noch noch "die eine oder andere Unternehmenstätigkeit", die man noch gemeinsam entwickeln könne.

Horst Susewind (l.) stellte noch im Ratskellersaal seinen Nachfolger als Geschäftsführer für den Einkauf vor: Thomas Mertens.



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