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Blues-Konzert in der „Schraub-Bar“ lässt Fans von überall her hinter den Bahnhof strömen

White Man hat Dylan und Mayall im Gepäck

Bückeburg (jp). Zum Mekka des Blues ist die „Schraub-Bar“ für einen Abend avanciert. Eine kaum überschaubare Zahl von Fans pilgerte auf das Kneipengelände hinter dem Bückeburger Bahnhof, als sich dort White Man Molle mit seiner Band „Molle Tough’s Cocktail“ mit einem mehrstündigen Konzert die Ehre gab. So groß war der Andrang, dass schon am frühen Abend kein Quadratzentimeter der Schraub-Bar mehr frei blieb und eine beträchtliche Anzahl Besucher unverrichteter Dinge vor dem Eingang wieder kehrt machen musste.

veröffentlicht am 01.02.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 02:21 Uhr

Kaum ein heimischer Künstler kann auf eine so facettenreiche Vergangenheit zurückblicken wie der seit einigen Jahren im Auetal beheimatete Blues-Meister, dessen Karriere Anfang der 1960er Jahre in Deutschland mit den Moonbirds begann, der 1970 zu den Gründungsmitgliedern der Kraut-Rock-Band Virus gehörte und als Mitglied der Hamburger Band Weed Tourneen mit so namhaften Größen wie Can, Golden Earring, Frumpy, Birth Control oder der Bluesrock-Legende Free absolvierte. Er sammelte Musikeinflüsse wie andere Menschen Postkarten in Indien und vor allem in Amerika, wohin es ihn immer wieder zog, wo er unter anderem auf den Clearwater Festivals am Hudson River auftrat und wo er auch von einem Indianer, der mit ihm musizierte, seinen Namen White Man Molle erhielt. In Deutschland formierte er Bands wie die Kotton Blues Band, White Man Burnt sowie die Pearly Gates mit dem einstigen Little-River-Band-Gitarristen Steve Seymor, mit dem er auch heute noch häufig zusammen spielt.

In der Schraub-Bar absolvierte White Man Molle mit der Stammbesetzung seines Cocktails (Peter Burrack am Bass und Olli Schröder an der Gitarre) in vier Sets einen Streifzug durch viele Jahre und mehrere Alben Molle-Biographie, beginnend mit dem aktuellen, vor einem Jahr erschienenen Album „Narayandas“. Die Keyboard-Tasten bearbeitete dabei kein Geringerer als George Kochbeck, einst als Kopf der Band Georgie Red mit Songs wie „Help the man“ oder „If I say stop then stop“ in den Hitparaden zu finden, heute vor allem als Komponist von Filmmusik aktiv und auch als Keyboarder auf „Narayandas“ zu hören. Sekundiert wurde der Blues-Meister vom Georgie-Red-Schlagzeuger Pit Meuffels an den Drums und den beiden Background-Sängerinnen Mirijam Krüger und Ute Klatt. Das musikalische Sahnehäubchen im Line-Up bildete aber die kalifornische Sängerin Kellie Rucker, die in ihrer seit über 20 Jahren andauernden Karriere bereits mit so legendären Künstlern Dizzy Gillespie, Albert Collins, ZZ Top, Warren Zevon, Little Feat, B.B. King oder dem ehemaligen John-Mayall-Gitarristen Coco Montoya auftrat.

Apropos John Mayall: Wenn White Man Molle in seinem Fransenhemd und dem Desperado-Hut mit den Indianerfedern daran, den er einst aus New Jersey mitbrachte, auf der Bühne steht, kann man sich sowohl optisch wie auch musikalisch der Assoziation zu dem britischen Blues-Papst kaum erwehren. So wie er unternahm auch Molle immer wieder Ausflüge in die unterschiedlichsten Musik-Gefilde, ohne seiner innersten Leidenschaft, dem Blues, untreu zu werden. Da frönt White Man Molle bisweilen ausgiebig dem Reggae, zu hören auf „Werewolfwoman“ und „New born life“, kommt funkig-verspielt auf „Miracle of love“ daher und lässt bei „Junk Food“ Gitarrenriffs wie bei ZZ Top krachen. Dunkel und tief erklingt White Man Molle’s Stimme bei der wunderschönen Ballade „One and one“, bei der er seine Band ausdrücklich bittet, leise zu spielen, um dann mit der sanften Querflöte den Ian Anderson anzustimmen. Noch faszinierender ist der Opener „Broken Pieces“, den man wirklich mehrmals hören muss, um sich klar zu werden, dass da White Man Molle singt und nicht Bob Dylan.

Blues unterm Desperado-Hut aus New Jersey: White Man Molle mit Mitgliedern seiner Band in der Schraub-Bar. Foto: jp




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