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Bückeburger Kinozuschauer "Wie im Himmel" / Vom ungewöhnlichen Erfolg einer ungewöhnlichen Filmproduktion / Morgen in Steinbergen

"Wie aus dem Leben gegriffen - danach fühlt man sich einfach gut!"

Bückeburg. Glaubt man jüngsten Äußerungen von Vertretern der deutschen Filmwirtschaft, so zeichnet sich zumindest für das erste Halbjahr 2006 eine etwas bessere Besucherbilanz ab als im völlig verhagelten Kinojahr 2005. Wie erhofft konnten die erwarteten Publikumsmagneten "Ice Age 2", "Sakrileg" und "Ab durch die Hecke" an den Kinokassen punkten. Abseits der millionenteuren Blockbuster-Produktionen hat sich ein gefühlvolles Melodram ausgerechnet aus Schweden zu einem lautlosen Kassenschlager entwickelt: Seit Oktober 2005 läuft Kay Pollaks "Wie im Himmel" in den deutschen Kinos, seit Januar auch im Landkreis Schaumburg. Und läuft und läuft und läuft...

veröffentlicht am 08.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

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Dabei hätte kaum jemand noch einmal auf einen Erfolg des schwedischen Regisseurs gewettet. Als sein letztes Werk "Love me" im Februar 1986 in den Kinos startete, wurde der schwedische Ministerpräsident Olof Palme nach dem Besuch eben dieses Films ermordet. Pollak konnte den Schock nicht verwinden und drehte nahezu 20 Jahre nicht mehr. "Wie im Himmel" markiert nun seine Rückkehr, und man meint durchaus Parallelen zu erkennen zwischen dem Regisseur und der Hauptfigur des Films: Star-Dirigent Daniel Dareus (Michael Nyqist) gibt auf Grund schwerer Herzprobleme den Beruf auf und zieht sich in sein Heimatdorf zurück. Eher widerwillig übernimmt er dort die Leitung des örtlichen Kirchenchors und schafft es binnen kurzer Zeit, das bislang beschaulich agierende Dorfensemble mit seiner musikalischen Begeisterung anzustecken. "Wie im Himmel" nutzt das typische Handlungsgerüst eines Musik-Lustspiels (ein lahmer Laienchor vom Lande wird von einem mit sich selbst hadernden Profi auf die richtige Spur gebracht), um auch religiöse Grundfragen abzuarbeiten. Wahrscheinlich ist Pollaks Comeback vor diesem Hintergrund der erste Gospel-Film, der diesen Namen wirklich verdient. Denn es geht um das Wesen der Sünde und um Vergebung, um Gemeinschaft und Aufopferung. Sein Daniel, dieser autistische, sanftmütig-kindliche und im Umgang mit Frauen gänzlich unerfahrene Brocken von einem Mann, dürfte die wunderlichste Jesus-Paraphrase sein, die man seit Jahren - Mel Gibson zum Trotz - im Kino gesehen hat. Mit 1,12 Millionen Besuchern in Deutschland ist "Wie im Himmel" mittlerweile sogar den 1,2 Millionen von "Mission Impossible 3" dicht auf den Fersen.Über 5000 Besucher zählten seit Jahresanfang die Filmtheaterbetriebe Rubba in Bückeburg, Stadthagen und Steinbergen. Viele sahen das Werk mehr als einmal, so zum Beispiel Katrin Heinke (34) aus Lauenau, die sich "Wie im Himmel" jetzt zum achten Mal gönnte: "Ein Film, wie aus dem Leben gegriffen, nach dem man sich einfach gut fühlt." Alexandra Rücker (37) aus Heeßen sah ihn sich zum dritten Mal an: "Dieser Film ist anrührend, ergreifend und einfach nur schön." Die 40jährige Natalie Gnichwitz aus Deckbergen hat "Wie im Himmel" im April zum ersten Mal gesehen und findet ihn "Überwältigend schön. Dieser Film geht unter die Haut." Wer sich selbstüberzeugen möchte: Der "Kult-Film" im besten Sinn läuft am morgigen Mittwoch wieder einmal in Steinbergen.

Charmanter Hauptdarsteller: Filmszene mit Michael Nyqist als Dirigent Daniel Dareus.



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