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Den Feinheiten der plattdeutschen Sprache auf der Spur

Wie aus Herrn Spannuth „Ernst Plattküern“ wurde

Meinsen (bus). Im Kindergarten Meinsen liegt besonders im Anschluss an den gemeinsam absolvierten Morgenkreis eine zum Knistern neigende Spannung in der Luft. In diesem Moment eröffnen die Erzieherinnen den Mädchen und Jungen, welche aufregenden Überraschungen die kommenden Stunden für sie bereithalten können. Immer donnerstags, wenn mit Herrn Spannuth ein Mann den Kreis des Betreuungspersonals erweitert, erhöht sich die Spannung noch ein kleines bisschen. Dann staunen manche Kinder, andere wissen Bescheid. „Das ist Ernst Plattküern“, verrät ein 5-Jähriger ohne Umschweife.

veröffentlicht am 30.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:41 Uhr

Die Bescheidwisser gehören einer 18 kluge Köpfe umfassenden Gruppe an, die seit April dieses Jahres den Feinheiten der plattdeutschen Sprache auf der Spur ist. Dabei steht weniger die Vermittlung grammatikalischer Finessen sondern erst mal die bloße Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Mundart im Vordergrund. Was die jungen Teilnehmer allerdings weniger interessiert. Ihnen scheint allein das Lernen neuer Begriffe und Bezeichnungen große Freude zu bereiten. Dass eine Hose eine Böxen, ein Fuß ein Faut und eine Laterne eine Latüchten ist, kann im Alter von fünf oder sechs Jahren einen mächtigen Wissenssprung darstellen.

„Plattküern“ respektive Spannuth weckt, plietsch wie er ist, den Wissensdurst seiner Schützlinge zudem über das Einstudieren einfacher Lieder. Wenn auf „Apfel und Birne“ der Reim „de mach eck ouk sau jierne“ folgt, bedarf es selbst in einer Zeit, in der Heranwachsende eher auf McDonald’s als auf Donald Duck stoßen, keiner weitschweifenden Erläuterungen, um die Bedeutung der Wörter zu erhellen. By the way: „Mc“ ist ursprünglich die Abkürzung für das als Anfangsbeifügung in überwiegend schottischen Familiennamen auftauchende „Mac“, was wiederum für „Maquereau“ (Zuhälter) steht.

„Bei den Besuchen von Ernst Spannuth merkt man schnell, dass er das Plattdeutsche liebt“, meint Marion Elze, die für die Betreuung der Sprachgruppe verantwortlich zeichnet. „Zudem ist es seine Herzlichkeit, die rüberkommt“, malt Kindergartenleiterin Renate Henning die Wandlung des Rusbenders von „Spannuth“ zu „Plattküern“ und vom Maschinenbauingenieur zum Pädagogen aus. „Den Kindern das perfekte Sprechen des Plattdeutschen zu vermitteln, ist nicht unser Ziel“, erläutert der „Herr Lehrer“. Vielmehr gehe es darum, den Mädchen und Jungen ein Bewusstsein dafür zu geben, dass sie in einer „plattdeutschen Gegend aufwachsen“.

Das Fietbäck, berichtet das Trio, erfolge häufig über der Kinder Großeltern, die einerseits in die Erziehung der Enkel einbezogen würden und die auf der anderen Seite häufig mit der niederdeutschen Mundart vertrauter seien als die Elterngeneration. Um eine von den drei Initiatoren als sehr wichtig betrachtete Kontinuität in der Unterrichtung zu gewährleisten, hat Ruheständler Spannuth am Donnerstag ein weiteres Mal Neuland betreten und seine Kenntnisse erstmals in der Grundschule Meinsen zur Verfügung gestellt.

Übrigens: Das Lied vom Apfel und der Birne wird am Mittwoch, 10. November, während einer um 15.30 Uhr beginnenden Familienandacht in der Meinser Kirche zu Gehör gebracht. Die Andacht stellt den Auftakt eines Martinssingens der Kindergartenkinder dar, in dessen Rahmen die Sänger den umliegenden Häusern einen Besuch abstatten werden. Kleiner Tipp für die Besuchten: Im plattdeutschen Text des Martinsliedes wird zwei Zeilen später – „Maten, Maten, jaue Maten“ – beschrieben, dass Baumobst nicht der höchsten aller glückselig machenden Ernährungsvarianten gleichkommt – „groute Nühte, lütje Nühte, mach eck noch viel leiwer!“

Beim Morgenkreis singen die Mädchen und Jungen des Kindergartens Meinsen eine plattdeutsche Version des Martinsliedes. Rechts: Renate Henning, in der Mitte: Ernst „Plattküern“ Spannuth.

Foto: bus




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