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Vollsperrung der Georgstraße – wie Experten einen Unfall mit Todesfolge rekonstruieren

Wie gut war der 89-Jährige zu erkennen?

Bückeburg (wk). Für rund eine dreiviertel Stunde ist das zwischen den beiden Kreisverkehren gelegene Teilstück der Georgstraße am Montagabend in der Zeit von etwa 20.30 Uhr bis 21.15 Uhr voll gesperrt gewesen. Ein dreiköpfiges Sachverständigenteam der Dekra Minden führte dort Untersuchungen zu einem Verkehrsunfall vom 30. November 2009 durch. Bei dem Unfall war ein 89-jähriger Mann kurz vor 18 Uhr beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst worden und noch am Unfallort verstorben.

veröffentlicht am 30.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 20:41 Uhr

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bückeburg erstellen die Experten ein Gutachten, das Auskunft über die Sichtverhältnisse zum Zeitpunkt des Unfallereignisses und die Erkennbarkeit des Fußgängers aus Sicht des betroffenen Autofahrers geben soll. Einige von vielen Fragen, die bei jedem tödlichen Unfall geklärt werden müssen, denn gegen jeden Autofahrer, der in einen tödlichen Unfall verwickelt ist, leitet die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Und da muss jedes Detail ausermittelt werden, um zu einem Ergebnis kommen zu können.

Zurück zum Montagabend: Noch bevor eine unter Berücksichtigung von Tageszeit, Mondphase und Witterungsverhältnissen ermittelte vergleichbare „Dämmerungssituation“ – so Roman Langosch, Leiter der Abteilung Gutachtenwesen der Dekra – einsetzte, präparierten die Sachverständigen den damaligen Unfallort: Mit Kreide markierten sie die Stelle des Zusammenstoßes auf Höhe eines Restaurants – und von hier aus gesehen – kurz vor dem Mittelstreifen. Der damalige Weg des 89-Jährigen vom Bürgersteig aus wurde mit weiteren Kreidestrichen in Form einer Skala gekennzeichnet.

Akribische Ermittlung der „Leuchtdichte“

Die Fahrstrecke des seinerzeit in Richtung Stadtmitte fahrenden Pkw wiederum steckten die Sachverständigen in Fünf-Meter-Abständen bis zu einer Entfernung von insgesamt 40 Metern mit kleinen Schildern ab. Ein mit dem Unfallfahrzeug vergleichbarer Audi A6 mit identischer Lichtanlage wurde an diesem entferntesten Punkt platziert. Ein hinter dem Ort des Zusammenstoßes in weiterer Entfernung auf der Gegenfahrbahn abgestellter zweiter PKW mit eingeschaltetem Abblendlicht diente nach Auskunft eines anderen Dekra-Mitarbeiters als „Streulichtquelle“. Zu guter Letzt postierten die Gutachter eine auf einem schwarzen Dreibeinstativ montierte Fußgängerattrappe am Rand des Bürgersteiges, die mit denjenigen Kleidungsstücken bekleidet war, die das verstorbene Unfallopfer zum Unfallzeitpunkt getragen hatte – dort, wo dieser die Straße seinerzeit überqueren wollte.

„Wir messen die sogenannte Leuchtdichte, was dann wieder ein Wert für die Helligkeit ist“, erläuterte Langosch auf Nachfrage. Mit einem speziellen Messgerät würden dazu aus dem Auto heraus „einzelne Spots“ auf der Bekleidung und solche „um den Körper herum“ anvisiert – pro Messdurchgang insgesamt 17 Messpunkte an der Zahl. Anschließend könne man aus diesen Daten den Kontrast errechnen, den die Attrappe gegenüber dem Umfeld aufweist.

Bei den anschließenden Messdurchgängen wurde das Auto dann jeweils um fünf Meter näher an den eigentlichen Unfallort herangefahren und die den Fußgänger darstellende Attrappe entsprechend näher zur Fahrbahnmitte postiert.

Über die erhobenen Messergebnisse durfte Langosch keine Auskünfte geben. Sie kommen zu den Akten der Staatsanwaltschaft Bückeburg, die über den weiteren Fortgang des gegen den Fahrer eingeleiteten Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung zu entscheiden hat. Das Gutachten erwartet die Staatsanwaltschaft in einigen Wochen, hieß es.




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