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Wie viele verlieren den Job?

Rolfshagen/Landkreis (rnk). Es ist genau eine Frage, die die Mitglieder der Schaumburger Wählergemeinschaft bei ihrer Jahreshauptversammlung und Klausurtagung von Ralph Freiherr von Follenius beantwortet haben möchten: Wenn die Schaumburger Krankenhäuser im Vehlener Großklinikum aufgehen, wie viele Beschäftigte verlieren dann ihren Job?

veröffentlicht am 28.09.2012 um 15:27 Uhr
aktualisiert am 07.12.2012 um 11:49 Uhr

Oder müssen sie damit rechnen, wie es Heinrich Sasse umgekehrt formuliert, dass man ihnen neue Arbeitsverträge abverlangt? Was der Rintelner damit meint, ist schnell klar: Weniger Geld und dafür mehr Arbeit für die Mitarbeiter. Denn die Krankenhausprojektgesellschaft Schaumburg, deren Geschäftsführer und Sprecher von Follenius ist, spiele doch die „Karte der Ungewissheit“, sagt Sasse.

Das will und kann von Follenius naturgemäß nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen; in den letzten sechs Monaten habe es fünf bis sechs Betriebsversammlungen gegeben, damit sei formal mehr als sichergestellt, dass alle Informationen von oben nach unten fließen würden. Generell komme es auf den richtigen Zeitpunkt an: Es mache keinen Sinn, den Mitarbeitern zu erklären, was in zwei Jahren sei, „es wird langsam gehen“, aber: „Die gewählten Organe der Mitarbeiter haben einen Anspruch auf zeitnahe Informationen.“

Es ist das Ende eines langen Abends im „Kühlen Grund“, an dem von Follenius diesen Satz sagt. Zuvor hatte er in einem sehr langen Vortrag noch einmal dargelegt, warum die Fusion der drei Krankenhausstandorte Sinn mache, welche Patientenströme zu erwarten seien, wie die aufgegebenen Standorte in Zukunft aufgestellt werden sollen, wie der Weg, der 2015 zum Klinikum Schaumburg in der Vehlener Landschaft führen soll, zu gehen sei. Effizienzsteigerung und Arbeitsverdichtung sind an diesem Abend zwei Begriffe, die oft fallen. Man habe den Eindruck, dass der Prozess zulasten der Arbeitnehmer gehe, sagt Sasse, bei den Mitarbeitern herrsche eine „mordsmäßige Verunsicherung“, sie würden „bewusst“ im Dunkeln und im Ungewissen gelassen, „um sie verhandlungsbereit zu machen“. Von Follenius antwortet völlig unaufgeregt: „Nein, das ist nicht der Fall, die gesamte Personalüberleitung findet in einem Prozess statt, der genormt ist.“

Sasse, der leicht verspätet erschien, hatte an diesem Abend sofort die Aufmerksamkeit an sich gerissen und schon beim (kurzen) Jahresbericht den WGS-Kreisvorsitzenden Siegbert Held unterbrochen, um zu verkünden, dass der Landkreis sich noch in diesem Jahr mit Personalfragen befassen müsse, weil „ein Haufen Beförderungen anstehen, das wird finanziell richtig heftig.“ Und: Wegen der Umlagen in die Versorgung seien Beamte billiger als Landkreis-Angestellte. Von dort aus ging es übergangslos zur Müllsatzung des Landkreises, gegen die Sasse eine Musterklage angestrengt hatte: „Wir haben mit Pauken und Trompeten gewonnen“, so Sasse, der Landkreis müsse für 2013 eine neue Satzung aufstellen, was natürlich die Frage der Qualität der Arbeit des Landkreises aufwerfe.

Später warf Sasse die Frage nach Qualifizierungsmaßnahmen für Landkreis-Mitarbeiter erneut auf und beantwortete sie so: „Ich will das mal nicht kommentieren.“ Auf die insgesamt drei „Muster-Kläger“, die mit ihren Klagen gegen die Abfallgebührenbescheide des Landkreises für die Jahre 2010, 2011 und 2012 Erfolg hatten, kam Sasse aber doch noch einmal zu sprechen: Der Landkreis habe die Gebühren schon zurückgezahlt, und im Falle seines Bruders sogar für das Jahr 2009 – also für ein Jahr, gegen das er, Heinrich Sasse, nicht einmal geklagt habe.

Sasse schafft es nicht, den Geschäftsführer der Krankenhausprojektgesellschaft festzunageln: Bei Debatten im verästelten juristischen Feinheiten Dschungel kann von Follenius durchaus so lange folgen, bis Sasse das Thema endlich fallen lässt; auch auf die Frage, wie viel Personal abgebaut wird, hat er eine Antwort, die plausibel klingt: „Wir erstellen gerade einen Wirtschaftsplan für einen Regelversorger, der zu einem Schwerpunktversorger wird.“ Man möge dabei bedenken, dass das Großklinikum mehr Patienten haben werde, also auch mehr Arbeit. Er selbst, so von Follenius, arbeite seit 15 Jahren in diesem Bereich, „und ich musste nicht eine betriebsbedingte Kündigung aussprechen.“

Ansonsten zeichnete von Follenius einen langen Weg, der 2015 zum Bezug des Klinikums führen solle. Aber natürlich seien Verzögerungen nicht ausgeschlossen: „In einem Rechtsstaat hat jeder Bürger das Recht, dagegen zu klagen, „die Betroffenen etwa in Ahnsen oder Vehlen haben das Recht, gegen entsprechende Bescheide zu klagen.“ Im nächsten Sommer soll der Bau hochgezogen werden, gegen Ende 2013 soll er winterhart in der Vehlener Gemarkung stehen, damit über die kalte Jahreszeit hinweg innen weiter gearbeitet werden kann. Der Bau als solcher (inklusive Standort) macht von Follenius keine großen Sorgen: „Ist der Neubau erst einmal geplant, ist er für den Geschäftsführer vielleicht noch ein halber Tag in der Woche Arbeit.“ Viel schwerer sei die Vereinheitlichung von drei Betriebskulturen, von zwei Verwaltungen, die Aufstellung eines Nutzungskonzeptes für die drei Altstandorte, von zwei Trägern und Finanzierungssystemen, die Entwicklung eines einheitlichen Führungsverständnisses – „das alles muss harmonisiert werden, damit wir friedlich umziehen.“ Denn an dem Tag, an dem das Klinikum Schaumburg in Betrieb gehe, sollte jeder Mitarbeiter wissen, wie dieser Betrieb funktioniere und welche Rolle er darin spiele, führte von Follenius mehrfach sinngemäß aus. Sollte auch heißen: Die Mindener Fehler werden wir nicht machen. Denn wenn sich Mitarbeiter streiten würden, dann merke das der Patient. Und dann sei das Klinikum zum Scheitern verurteilt, daher gelte: „Wir wollen als eingespieltes Team 2015 in den Neubau ziehen.“

Der, nun ja, nicht gänzlich unumstrittene Standort Vehlen spielt an diesem Abend nur einmal eine Rolle: Antje Rinne beklagt ein „topografisches und klimatorisches Ungleichgewicht“, von Follenius wollte auch nicht viel sagen: „Man liest ja genug in der heimischen Presse.“




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