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„Der Graf von Monte Christo“ gibt auf der Freilichtbühne Porta eine blutige Antwort auf die alte Frage

Wie weit darf der Mensch seine Rache treiben?

Porta Westfalica (mig). Ein Besuch der Goethe-Freilichtbühne Porta lohnt sich eigentlich immer. Die Kulisse ist grandios und auch die Schauspieler bewegen sich schon seit Jahrzehnten auf einem ganz hohen Niveau. Wer sich selbst ein Bild machen will: Das aktuelle Stück „Der Graf von Monte Christo“ läuft noch bis zum 7. September – und ist allemal eine kurze Anreise wert.

veröffentlicht am 27.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:21 Uhr

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Marina Kehl und Janine Deterding kennen das beliebte Freilicht-Theater schon seit vielen Jahren. Am Eingang lösen sie ein Ticket, dann schlängeln sie sich vorsichtig durch die Sitzreihen. Was sich in ihrem großen Korb befindet? „Eigentlich alles, was ein Freiluft-Bühnen-Gänger so braucht“, sagt Marina Kehl und zeigt auf eine Decke, eine Thermoskanne mit Tee und einiges an Gebäck und Süßigkeiten. „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet“, ergänzt ihre Freundin. Was ihnen an den Freiluft-Veranstaltungen so gut gefällt? Janine Deterding überlegt: „Dass es immer wieder ein besonderes Ereignis ist. Man sitzt mitten in der Natur, es ist wie bei einem Picknick.“ Dazu komme das hohe Niveau der Stücke. Eigentlich habe es bisher nie einen Ausfall gegeben, sagt Marina Kehl. „Besonders gut hat mir die Aufführung der Dreigroschen-Oper gefallen. Eigentlich aber hat jedes Stück seinen ganz eigenen Reiz.“

Seinen ganz eigenen Reiz hat auch der „Graf von Monte Christo“. Es geht um die ganz großen Emotionen, um Verrat, um Rache und um: Liebe. Und natürlich geht es um die ganz großen Fragen: Wie weit darf man seine Rache treiben? Ist Rache überhaupt gerechtfertigt? Besteht nicht immer die Gefahr, dass man zu einem „Monster der Gerechtigkeit“ wird, wie es am Ende des Buches heißt? Ein Michael Kolhaas, der „zu armselig“ ist, „den Feinden zu verzeihen“?

Aber der Reihe nach: Die Geschichte beginnt damit, dass der junge Seemann Edmond nach erfolgreicher Handelsreise nach Marseille zurückkehrt. Die Vermählung mit Mercedes steht kurz bevor und der Reeder Morell befördert ihn zum Kapitän. Doch der Erste Offizier Danglars und Fernand gönnen ihm sein Glück nicht. Sie ersinnen eine Intrige, die Fernand schließlich ausführt. Edmond wird verhaftet und der Staatsanwalt Villefort sorgt dafür, dass er ohne Gerichtsverhandlung in den Kerker kommt. Im Gefängnis lernt er den Abbé Faria kennen, der sein Freund und Lehrmeister wird und ihm kurz vor seinem Tod eine Schatzkarte und einen Fluchtplan übergibt. Die Flucht gelingt und kurz darauf gelangt er in den Besitz eines märchenhaften Vermögens. Doch das genügt dem „Grafen von Monte Christo“ nicht. Er will die Schuldigen, die ihn in Gefangenschaft gebracht haben, zur Strecke bringen. „So schwöre ich mit deinen Worten: Mein ist die Rache und ich will Vergeltung“, lautet seine blasphemische Maxime. Zum Schluss steht das „Rache-Ungeheuer“ alleine da, unbefriedigt und unglücklich.

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  • „Puh“: Einer der schurkischen Widersacher von Dantes hat zu viel getrunken, der Kneipier begleitet ihn zum Ausgang.

Ganz und gar befriedigt bleibt dagegen der Zuschauer zurück. Die tolle Ensemble-Leistung und spannende Regieeinfälle (Inszenierung: Wilhelm Krückemeier) geben der blutgetränkten Tragödie den letzten Schliff. Als besonders beeindruckend erweist sich die Belebung des Raumes durch verschiedene Lichteffekte (etwa beim Finden des Schatzes) und richtig dosierten Theaterdonner. Chapeau!

Termin: Die nächsten Aufführungen: Samstag, 1. und Freitag, 7. September, jeweils um 20.30 Uhr.

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